Neues Konzept in Mönchengladbach Wie Schülern Appetit auf andere Kulturen gemacht wird

Mönchengladbach · An der Theo-Hespers-Gesamtschule wurde zum ersten Mal ein internationales Frühstück organisiert. Die Kinder brachten Gerichte von zu Hause mit, die teils seit Generationen weitergegeben werden. Wie das Konzept ankam und weshalb sich die Schule oft selbst ums Frühstück kümmern muss.

 Die Schüler der 8c haben Gerichte aus 39 Nationen zum ersten internationalen Frühstück in der Theo-Hespers-Gesamtschule aufgetischt.

Die Schüler der 8c haben Gerichte aus 39 Nationen zum ersten internationalen Frühstück in der Theo-Hespers-Gesamtschule aufgetischt.

Foto: Markus Rick (rick)

Das Buffet ist fast leer geräumt. Vereinzelt stehen noch Reste wie die mit Weichkäse gefüllten Teigtaschen auf den Tischen, direkt daneben liegt eine albanische Flagge. Das erste internationale Frühstück für alle an der Theo-Hespers-Gesamtschule kam gut an. „Zu Beginn stand eine Traube von Kindern vor der Mensatür und wollte wissen, wann es endlich losgeht“, sagt Anneliese Schäffer, Lehrerin an der Gesamtschule und Leiterin des Vereins der Freunde und Förderer der Theo-Hespers-Gesamtschule.

Das internationale Frühstück hat sich aus dem Frühstück für alle entwickelt, das es seit gut einem Jahr gibt. „Manche Kinder lagen mittags mit dem Kopf auf dem Tisch. Wenn ich dann gefragt habe, was los ist, kam raus, dass sie noch nichts gegessen und getrunken hatten“, sagt Sylvia Vogelsang. Auch sie ist Lehrerin an der Gesamtschule und zudem im Vorstand der Initiative Rückenwind, die Kinder mit Förderbedarf unterstützt. „Viele Kinder sind morgens allein zu Hause und gerade zum Ende des Monats ist der Kühlschrank schon mal leer.“

Mit viel Einsatz des Lehrpersonals, des Fördervereins und mit Unterstützung von Rückenwind wurde das Frühstück für alle organisiert. Jeden Morgen können die Schülerinnen und Schüler frühstücken – ohne Stigma und ohne Vorurteile. Das Frühstück wird über Spenden finanziert und von den Kindern selbst organisiert. Sie schmieren Brötchen und belegen Wraps mit Gemüse und geben Anneliese Schäffer ihre Einkaufsliste damit wieder genug für den nächsten Tag da ist. Das Frühstück ist eine ganz konkrete Hilfe, damit kein Kind hungern muss. Darüber hinaus hat es aber auch soziale Effekte: „Die Kinder sind stolz, dass sie hier etwas zur Gemeinschaft beitragen“, sagt Schäffer.

Hinako trug ihren Kimono und probierte Rührei mit Zucchini aus Korea.

Hinako trug ihren Kimono und probierte Rührei mit Zucchini aus Korea.

Foto: Markus Rick (rick)

Das internationale Frühstück soll nun auch den Dialog zwischen den Schülern fördern. Kinder aus 37 Nationen gehen hier zur Schule, 15 Religionsgemeinschaften sind vertreten. Aaron ist 13 Jahre alt und geht in die 8c – die Klasse, die die Gerichte vorbereitet hat. Aaron hat zusammen mit seiner Mutter Tajine einen herzhaften Auflauf gekocht. „Das Rezept ist in Tunesien gar nicht so bekannt. Das kommt noch von meiner Uroma“, erzählt Aaron. Lara hat mit ihrer Oma für das Frühstück gekocht. Beiden hat es Spaß gemacht: „Mir gefällt es, mit anderen mein landestypisches Essen zu teilen. Und man kann auch selbst viel mehr ausprobieren“, sagt Lara.

 Cornelius testete eine Leckerei aus Tunesien.

Cornelius testete eine Leckerei aus Tunesien.

Foto: Markus Rick (rick)

Ihr Klassenlehrer Mithat Akgün stammt selbst aus der Türkei und hat das internationale Frühstück angestoßen. Von den 27 Schülern in seiner Klasse haben 19 eine Migrationsgeschichte. So sind beim ersten internationalen Frühstück unter dem Motto „Die Kunst des Zusammenlebens“ Gerichte aus insgesamt 39 Ländern zusammengekommen. Bei der nächsten Veranstaltung sollen dann nicht nur Essen, sondern auch Tänze und Musik geteilt werden, sagt Akgün.

 Lara und ihre Oma haben zusammen für das Frühstück gekocht.

Lara und ihre Oma haben zusammen für das Frühstück gekocht.

Foto: Markus Rick (rick)

Dass das Frühstück rein aus Spenden finanziert wird, ärgert die Lehrerschaft. „Denn nicht die Schule sollte dafür verantwortlich sein, dass Kinder nicht hungern müssen“, sagt Sylvia Vogelsang. Für sie sollte zum Beispiel das Land NRW mehr tun. „Wir sind ein Industriestaat und hier hungern Kinder vor meiner Haustür“, betont Vogelsang. Gerade zum Ende des Monats würde man merken, dass mehr Brot ausgegeben wird und auch, dass Kinder mal fragen, ob sie ein paar Bananen mit nach Hause nehmen dürften, sagt Anneliese Schäffer. Trotzdem sei es toll, dass sich so viele Menschen engagieren.

 Lanin lässt sich eine Spezialität aus Schweden schmecken.

Lanin lässt sich eine Spezialität aus Schweden schmecken.

Foto: Markus Rick (rick)

Dass es viel Bedarf für unterstützende Maßnahmen gibt, zeigt auch die Bandbreite, mit der die Initiative Rückenwind die Schule unterstützt. Neben dem Frühstück gibt es auch die Theo-Boutique, in der Kinder Kleidung abgeben und sich selbst etwas aussuchen können. Besonders beliebt sei Sportkleidung – mit der man dann auch richtig am Sportunterricht teilnehmen könne. Auch Voltigieren und Boxen werden über den Verein angeboten. Schäffer ist sehr dankbar für dessen Arbeit: „Es ist einfach wertvoll, dass es Menschen gibt, die unterstützen und nicht die Augen zu machen.“