Mönchengladbach: Internationale Inkontinenzwoche auf dem Kapuzinerplatz

Aktion auf Kapuzinerplatz : Gymnastik hilft bei Inkontinenz

Harninkontinenz ist den Betroffenen meist ungemein peinlich. Mediziner wollen am 18. Juni auf dem Kapuzinerplatz über das Tabuthema und Behandlungswege aufklären.

Manchen passiert es, wenn sie kräftig niesen, lachen oder etwas Schweres heben: Urin geht unkontrolliert ab. Andere verspüren ständig den Drang, zur Toilette zu gehen und Wasser zu lassen. Harninkontinenz hat unterschiedliche Formen, doch eines allen gemein: Den Betroffenen ist es peinlich, so peinlich, dass sie nicht einmal zum Arzt gehen und mitunter jahrelang mehr schlecht als recht mit dem Problem leben.

Völlig unnötig, denn so Ralf Dürselen, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Neuwerk: „Den meisten Betroffenen kann geholfen werden.“ Das wollen Dürselen und sein Team am 18. Juni auf dem Kapuzinerplatz vermitteln. Anlässlich der internationalen Weltkontinenzwoche sind sie dort mit einem Info-Bus vertreten. Auch die Kliniken Maria Hilf sind an diesem Tag dort vertreten. Sie bringen großes, begehbares Modell einer Harnblase mit und wollen möglichst viele Besucher für einige Übungen in Beckenbodengymnastik gewinnen.

Harninkontinenz betrifft Frauen zwar häufiger als Männer, aber entgegen weit verbreiteter Vorstellung betrifft sie keineswegs nur Senioren. Bereits im Alter zwischen 20 und 30 Jahren leiden etwa zehn Prozent der Frauen an dem Problem; bei den 40- bis 50-Jährigen sind es 25 Prozent, ab 80 Jahren sind es 40 Prozent. Insgesamt sind in Deutschland Schätzungen zufolge etwa acht Millionen Menschen auf die ein oder andere Weise inkontinent.

Wie unangenehm ständiger Harndrang und unkontrollierter Urinverlust sind, kann sich jeder leicht vorstellen. Weniger bewusst ist den meisten, wie weitreichend die Folgen sein können. Nicht nur, dass Inkontinenz häufig eine Rolle spielt, wenn Menschen ins Altenheim gehen; Senioren, die unter ständigem Harndrang leiden, stürzen nicht selten nachts, ziehen sich einen Schenkelbruch zu und werden dadurch pflegebedürftig. Andere vom Harndrang Geplagte versuchen, das Problem zu kompensieren, indem sie ihr Leben danach organisieren. „Manche haben einen immer engeren Lebensumkreis, sie igeln sich daheim ein, haben kaum noch soziale Kontakte, werden schließlich depressiv“, sagt Ralf Dürselen.

Schlimme Folgen, weil das Thema immer noch tabu ist. Und schlimm auch, weil diese Folgen sich vermeiden ließen, da sich Inkontinenz zumeist erfolgreich behandeln lässt: Mitunter hilft es schon, das Trinkverhalten zu ändern oder der Blase den allzu häufigen Gang abzutrainieren. Beckenbodengymnastik leistet vielfach auch gute Dienste; eine Neuro-Stimulation kann die Steuerung der Blase beeinflussen; mitunter sind auch operative Eingriffe nötig und hilfreich.