Mönchengladbach: "Insel Tobi" begleitet Familien unheilbar kranker Kinder

„Insel Tobi“ in Mönchengladbach wird zehn Jahre alt : Begleitung für Familien mit unheilbar kranken Kindern

Mit zwei Zimmern im Krankenkaus Neuwerk, angebunden an die allgemeinpädiatrische Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, fing es an. Heute, zehn Jahre später, ist die Kinderpalliativstation „Insel Tobi“ deutlich größer.

Im Jahr 2012 kamen ein zusätzliches Zimmer sowie ein sogenannter „Snoezelraum“ hinzu. Dieser sorgt durch ein Wasserbett und ein Lichtermeer aus wechselnden Farben für die Entspannung der Patienten. Vor drei Jahren wurde die Station um ein viertes Zimmer erweitert.

Die Idee hinter „Insel Tobi“: Familien mit chronisch kranken Kindern, die nicht geheilt werden können, soll durch den Aufenthalt eine Auszeit ermöglicht werden. „Die Krankenkassen finanzieren die einzelnen Bestandteile wie die Pflege, ein Luftholen für die Familie ist jedoch nicht möglich“, erläutert Markus Richter, Geschäftsführer der St.-Augustinus-Gruppe. „Unser Angebot richtet sich an Kinder und Familien, die in Notsituationen allein gelassen werden.“ Der Pflegeaufwand werde in dem Umfang finanziert, der benötigt werde, ergänzt Michaela Hölzle, Vorsitzende des Fördervereins, der sich ausschließlich aus Spenden finanziert.

Zugleich soll die Hilfe unbürokratisch erfolgen. „Eigentlich müssten die Eltern einen Teil des Geldes, das sie für die Pflege ihres Kindes erhalten, abgeben. Wir haben uns jedoch dagegen entschieden.“ Der Verein biete keine standardisierten Leistungen an. „Wir möchten eine Auszeit und Begleitung bieten, ohne die Überlegung seitens der Eltern, ob sie sich das leisten können.“

„Es ist ein Spagat zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, immer im Spannungsfeld dessen, was geht und was nicht“, erklärt Dr. Markus Vogel, Chefarzt der Kinderklinik am Krankenhaus Neuwerk. Der Verein ermöglicht es, solche Konflikte zu umgehen.

Das Angebot der „Insel Tobi“ gilt für Kinder zwischen einem und 18 Jahren. Für die medizinische Versorgung sorgt die Kinderklinik, die auch an eine intensivmedizinische Einheit angeschlossen ist. Zu den Unternehmungen mit den Kindern gehören Ausflüge wie in den Tierpark in Odenkirchen oder zu Spielen der Borussia. „Ein Teenager hatte den Wunsch, einmal nach Berlin zu fahren“, so Hölzle. „Auch das haben wir möglich gemacht, er ist dann mit einem Zivildienstleistenden und einer Schwester für fünf Tage dahin gefahren.“

Ob es einen Wunsch gibt für die nächsten zehn Jahre? „Eine wirkliche Palliativstation neben der ,Insel Tobi’ zu schaffen mit mehr als vier Zimmern, mit einem Gemeinschaftsraum, einfach eine bestehende Einheit. Der Bedarf ist da“, sagt Michaela Hölzle. Ein Schritt auf dem Weg zu einer Station, die ausschließlich Palliativmedizin anbieten soll, ist bereits geschafft: Zwei Ärzte bilden sich zurzeit in diesem Schwerpunkt weiter, 2020 wird die Klinik diese anbieten können.

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