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Mönchengladbach: Innenstadt Rheydt Thema in Kolumne "Der Verbaucherschützer"

Kolumne Der Verbraucherschützer : Wir brauchen die Rheydter Innenstadt

Aus Verbrauchersicht spricht vieles für den Händler vor Ort und den Erhalt der lokalen Infrastruktur. Die Frage ist nur, wie diese erhalten bleiben kann.

Als Kinder nannten wir unsere Großmutter „Oma Rheydt“. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir bei Spielwaren Gerads große Augen machten und Oma uns auf der Hauptstraße zu einer Pizza einlud. Wir Kinder fühlten uns wohl bei Oma und auch in Rheydt.

Innenstädte sind mehr als Orte des Einzelhandels und des Konsums. Sie sind identitätsstiftend, Orte der Begegnung, Mittelpunkt und Brennglas einer Stadt. Innenstädte sind ein Standortfaktor im Wettbewerb der Kommunen um große Unternehmen und gut gebildete Arbeitskräfte. Deshalb ist es wichtig, diese attraktiv zu gestalten.

Wenn Karstadt und Real bald schließen, ist dies aber nicht nur schlecht für den Standort, sondern auch ein Nachteil für viele Menschen vor Ort. Die öffentliche Nahversorgung leidet. Denn es gibt sie noch: Verbraucher die nur eingeschränkt mobil sind und nicht alles online kaufen – Menschen wie meine Oma eben. Würde sie noch leben, hätte sie sicher gerne ihre Kleider weiter bei Karstadt und eine neue Waschmaschine bei Saturn gekauft. Für Menschen, die in Rheydt leben, bedeuten die aktuellen Schließungen ganz alltägliche Einschränkungen. Die Produktauswahl vor Ort wird geringer, für den Einkauf sind häufig lange Strecken zurückzulegen und wer bei bestimmten Produkten beraten werden möchte oder eine Reklamation hat, muss zusätzliche Wege auf sich nehmen.

Die Zunahme im Online-Handel und der Trend zu Einkaufszentren am Stadtrand schaden dem Handel in den Innenstädten, aber auch der Umwelt. Wenn schon für alltägliche Einkäufe das Auto bemüht werden muss, ist das wenig nachhaltig.

Gleiches gilt nach vielen Studien auch für den Online-Handel. Massenhafte Retouren verbrauchen unnötig Energie und ein Teil der zurückgeschickten Waren wird sogar direkt beim Händler entsorgt. Zu groß scheint teilweise der Aufwand, die Retouren noch einmal auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen und neu zu verpacken. Bei Bekleidungskäufen im Internet wird sogar mehr als jedes zweite Paket an den Händler zurückgeschickt. Tag für Tag sind das etwa 800.000 Pakete, was ungefähr 400 Tonnen Co2 entspricht. Besonders schnelle Lieferungen oder solche, bei denen die Käufer an der Haustür gar nicht angetroffen werden, erzeugen einen zusätzlichen logistischen Aufwand und wirken sich besonders negativ auf die Umweltbilanz aus.

Es spricht also auch aus Verbrauchersicht vieles für den Händler vor Ort und den Erhalt der lokalen Infrastruktur. Damit ist jedoch nicht die Frage beantwortet, wie diese erhalten werden kann. Hier alleine den Verbraucher in der Pflicht zu sehen, der diese Infrastruktur als Konsument über die Finanzierung des Einzelhandels stützt, scheint nicht mehr aufzugehen. Zu groß ist der Druck durch den Onlinehandel und zu gering ist häufig die Kaufkraft der Menschen vor Ort. Hier braucht es frische Impulse, Investitionen und den Mut, Neues zu wagen.

Sebastian Dreyer ist Rechtsanwalt und Leiter der Verbraucherberatung in Rheydt.