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Mönchengladbach: Im Kühlschrank liegt der Lebensretter Notfalldose

Rettungskräfte in Mönchengladbach : Im Kühlschrank liegt der Lebensretter Notfalldose

Notfalldosen mit lebenswichtigen Informationen brauchen zwar keine Kühlung, aber im Kühlschrank finden Rettungskräfte sie mit Sicherheit. In weniger als 10 Prozent der Mönchengladbacher Haushalte sind sie vorhanden.

Eine flächendeckende Verteilung von Notfalldosen wäre großartig, meint Marc Deußen. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Mönchengladbach und seine Kollegen nutzen die Notfalldosen sehr gern – wenn es sie gibt. Leider ist das viel zu selten der Fall. In deutlich weniger als zehn Prozent der Haushalte, in die die Rettungskräfte gerufen werden, finden sich die entsprechenden Aufkleber an der Tür und die Dosen im Kühlschrank. Dabei können die Informationen Leben retten.

Notfalldosen sind grün und aus Plastik. Sie sollen wichtige Dokumente aufnehmen: den Impfpass, den Medikamentenplan, Informationen über Vorerkrankungen, aber auch die Patientenverfügung oder Hinweise auf Angehörige oder die Kontaktdaten von Nachbarn, die im Ernstfall die Katze füttern oder den Hund versorgen. Sie müssen natürlich nicht gekühlt werden, aber dennoch gehören sie in den Kühlschrank, denn den gibt es in jeder Wohnung und er wird von den Rettungskräften rasch gefunden. Auch für Angehörige oder Nachbarn ist die Notfalldose hilfreich, denn im Krisenfall sind oft aus lauter Stress nicht alle Informationen abrufbar: welches Medikament nimmt der Betreffende noch? Wie heißt die Tochter und wo wohnt sie? Ja, Nachbar M. war neulich im Krankenhaus, aber was war noch der Grund? In der Notfalldose stehen diese unter Umständen lebensrettenden, in jedem Fall aber wichtigen Informationen konzentriert und griffbereit zur Verfügung.

Im Dezember hatte der Fachbereich Altenhilfe der Stadt Mönchengladbach 600 dieser Dosen besorgt und über die Alten-Begegnungsstätten kostenlos verteilen lassen. „Wir wollten so auf die Notfalldosen aufmerksam machen“, erklärt Ruth Stieglitz vom Fachbereich Altenhilfe. Die Aktion kam an. „Die Dosen gingen weg wie geschnitten Brot“, sagt die Sozialplanerin. Erfreulich, aber der erhoffte Nachahmungseffekt blieb bisher aus. Noch immer sind nur wenige dieser Dosen in Mönchengladbacher Kühlschränken zu finden. Das ist nicht nur schade, das kann gefährlich sein. Denn: „Uns fehlen so viele wertvolle Informationen“, sagt Marc Deußen. Wenn der Patient schon bewusstlos ist oder die Angehörigen aufgeregt, erfahren die Retter oft nichts von Vorerkrankungen, kennen die bereits eingenommenen Medikamente nicht und können nicht entsprechend reagieren. „Wenn die Notfalldose im Kühlschrank steht, können wir die Informationen abfotografieren und dem Protokoll beifügen“, erklärt der Notarzt.

Ein Aufkleber an der Wohnungstür und einer am Kühlschrank weisen auf das Vorhandensein der Dose hin. Ein Vorteil, auf den der Hersteller der Dose hinweist: sie ist komplett analog. Keine Elektronik, die streiken, keine Batterie, die ausfallen kann. Und für das Update sorgt jeder selbst mit einem Kugelschreiber, beispielsweise indem man neue Medikamente oder Therapien hinzufügt.

Die Notfalldose ist für Senioren gedacht und besonders wichtig, wenn sie allein leben. Aber auch jüngere Menschen profitieren davon. „Wenn jemand verschiedene Medikamente einnimmt, ist eine Notfalldose sinnvoll“, meint Deußen, der sich einen Sponsor für die Dosen wünschen würde. „Ein sinnvolleres Geschenk als ein Kugelschreiber oder ein Schlüsselanhänger“, findet er. Aber auch wenn sich kein Sponsor findet: die Notfalldosen können im Internet bestellt oder in Apotheken gekauft werden. Zu einem durchaus erschwinglichen Preis.