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Mönchengladbach: Im Krankenhaus Neuwerk arbeiten bereits Notfallpfleger

Krankenhaus Neuwerk : Die Empfangskräfte der Notfallambulanz

Ab 2021 sind geschulte Notfallpfleger in den Notaufnahmen der Krankenhäuser vorgeschrieben. In Neuwerk sind solche qualifizierten Fachkräfte jetzt schon in Einsatz.

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind überfüllt. Allein im Krankenhaus Neuwerk nahmen 2018 rund 38.000 Patienten diesen Not-Dienst in Anspruch. Tendenz: stetig steigend. „Wir sind 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche da“, sagt Thorsten Reith,  seit Anfang April Leiter der Notfallambulanz in Neuwerk. Der Rund-um-die-Uhr-Dienst ist attraktiv für viele Patienten – auch für solche, die zum Hausarzt gehen könnten. Umso wichtiger ist es, zwischen den Patienten, die sofort Hilfe brauchen, und jenen, die warten können, zu unterscheiden. In der Notaufnahme des Krankenhauses Neuwerk wurde deshalb das Manchester-Triage-System eingeführt, mit dem die Dringlichkeit der Behandlung festgelegt wird. Die Einteilung übernehmen geschulte Fachkräfte – Notfallpfleger, wie sie ab 2021 gesetzlich allgemein vorgeschrieben sind.

Bianca Schrörs und Frauke Thelen haben die Qualifizierung zum Notfallpfleger absolviert. Da sie schon mehr als sieben Jahre in der Notfallambulanz arbeiten, reichten dazu ein dreitägiger Lehrgang und eine mündliche Prüfung. Für die nachkommenden Fachkräfte ist eine zweijährige Fortbildung vorgeschrieben.

Notfallpflegern kommt im Triagesystem eine zentrale Rolle zu. Sie sind erste Ansprechpartner für die Patienten. Innerhalb von zehn Minuten nach der Ankunft muss jeder Neuankömmling mit einem diensthabenden Notfallpfleger gesprochen haben. Die Fachkraft fragt das Befinden ab, findet heraus, wie groß gegebenenfalls die Schmerzen sind und entscheidet über die Dringlichkeit der Behandlung. Das Triagesystem arbeitet mit Farben: Rot bedeutet, dass sofort gehandelt werden muss. Bei Orange können die Patienten bis zu zehn Minuten warten, bei Gelb 30 Minuten, bei Grün bis zu 120 Minuten, bei Blau auch länger als zwei Stunden.

Die voraussichtliche Wartezeit wird den Patienten auch mitgeteilt. Dann kommt es schon vor, dass jemand, der zwei Stunden warten soll,  lieber geht und doch den Hausarzt konsultiert. Kein Problem, sofern die schweren Fälle erkannt und vorrangig behandelt werden. „Natürlich ist hier auch viel Erfahrung im Spiel“, sagt Bianca Schrörs, seit vielen Jahren als Krankenschwester tätig.

Auch vor der Einführung des Triagesystems wurde prinzipiell so gearbeitet, aber jetzt lassen sich Wartezeiten besser nachhalten. „Jeder Patient, der länger wartet als der vorherigen Einschätzung entspricht, wird im System durch ein Fähnchen markiert“, erklärt der Leiter der Notfallambulanz. So fällt auf keinen Fall jemand durchs Raster.

Thorsten Reith ist stolz auf das Team der Notaufnahme. „Im statistischen Mittel wartet niemand länger als 120 Minuten“, stellt er fest.  Und das bei der ständigen Herausforderung, sich tagsüber, nachts und am Wochenende nicht nur um Unfälle und schwere Erkrankungen, sondern auch um seit Wochen andauernde Rückenschmerzen oder den sprichwörtlichen eingewachsenen Fußnagel kümmern zu müssen und dafür von ungeduldigen Patienten auch noch hart und respektlos angegangen zu werden. „An den Wochenenden viel zu tun zu haben und kaum Pause machen zu können, ist kein Problem“, sagt Schwester Frauke Thelen, „aber die Respektlosigkeit frustriert.“ Der Umgangston wird in den Notaufnahmen rauer. Aber auch hier hilft den Schwestern und Pflegern Erfahrung und Training.

Die Notfallpfleger werden dazu qualifiziert, ärztliche Tätigkeiten zu unterstützen. In der Wundversorgung übernehmen sie zum Beispiel das Reinigen der Wunde und das Anlegen der Verbände. Sieben der 13 Pflegekräfte in der Neuwerker Notaufnahme haben ihre Qualifizierung schon absolviert, die übrigen folgen.