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Mönchengladbach: Huma-Schüler gewinnen bei Wettbewerb „Sport und Geschichte“

Präsentation in Mönchengladbach : Schüler des Huma-Gymnasiums holen Preise in Geschichtswettbewerb

Borussias Freundschaftsspiel 1970 in Israel, das Schicksal jüdischer Sportler in der Nazizeit: Mit solchen Themen haben sich Schüler des Humanistischen Gymnasiums am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt. Wir stellen die erfolgreichen vor.

Handgreiflich müssen Maja Hurasky, Lisa Schulz und Uliana Tikunova zwischen Mikros und Telefonen wechseln, um in einem gespielten Sketch an eine historische Absprache zu erinnern. Die sollte eine Fußballlegende begründen und zu einem Markstein der Völkerverständigung werden. In der Aula des Humanistischen Gymnasiums (HUMA) erinnern die drei Schülerinnen der Jahrgangsstufe elf an das historische Freundschaftsspiel vom 25. Februar 1970, als Borussia Mönchengladbach im Bloomfield-Stadion zu Tel Aviv gegen die israelische Nationalmannschaft auflief.

Die Begegnung, die der Freundschaft von Fohlen-Trainer Hennes Weisweiler und dem israelischen Nationaltrainer Emanuel Schaffer zu verdanken ist, würdigen die Historiker Lorenz Peiffer und Moshe Zimmer als „Eisbrecher in der Geschichte der deutsch-israelischen Beziehungen“. Borussia gewann das Spiel 6:0, was dem beiderseitigen Jubel keinen Abbruch tat. Daran erinnerte das Trio in digitalisierten Filmschnipseln und Interviews mit am Spiel beteiligten Zeitzeugen, darunter Herbert Laumen (Borussia) und Mordechai Spiegler (Kapitän Makkabi Israel).

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Für die Aufbereitung für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten sprach die Körber-Stiftung den drei Schülerinnen einen von bundesweit 245 Preisen der Kategorie „Landessieg“ zu. „Das können Sie mit dem Level der Champions-League vergleichen“, meint der Tutor des Trios, Geschichtslehrer Michael Bergemann, der seit 2014 den Wettbewerb an der Schule organisiert. Dafür werden Hurasky, Schulz und Tikunova am 30. August im Bonner Haus der Geschichte 500 Euro Preisgeld erhalten. Bei dem alle zwei Jahre ausgelobten Wettbewerb „Deutsche Geschichte“ gehen beim aktuellen Durchgang auch vier Förderpreise (à 200 Euro) ans HUMA, das wäre, Bergemann zufolge, „immerhin Europa-League“. „Damit sind wir die beste Schule der Stadt“, so sein Fazit.

Seit 2007 haben Schüler und Schülerinnen in Gruppen des HUMA regelmäßig am Geschichtswettbewerb teilgenommen. 2020/21 meldeten sie sich für das lokale Thema „Bewegte Zeiten – Sport und Gesellschaft“ an. Da konnte, wie Schulleiter Thomas Hollkott anmerkte, „Borussia nicht außen vor bleiben“. Er betonte aber, dass eine Fülle anderer Sportarten erst den Ruf von Mönchengladbach als Sportstadt beglaubige. Hollkott dankte Stadtarchivar Helge Kleifeld für die „große Unterstützung“; ohne Quellenstudien vor Ort wäre die Forschung für die jungen Aspiranten kaum zu leisten gewesen.

Die vier Förderpreise überreichte Oberbürgermeister Felix Heinrichs an folgende Teams: Yanis Bahcecioglu, Tobias Dohm, Michael Kosjanski und Tom Rüttgers hatten sich auf schwierige Spurensuche begeben, um die Schicksale jüdischer Sportler in der Nazizeit nachzuzeichnen. „Keiner dieser Sportler, Alfred Rosen, Kurt Liffmann und Robert Michaelis, blieb in Mönchengladbach“, informierte Michael Kosjanski, „entweder wanderten sie aus oder wurden deportiert und ermordet.“

Moritz Müting und Florian Schimming behandelten das Thema „Kalter Krieg – Spiele der Borussia gegen Ost-Vereine“. Dazu präsentierten sie ein Interview mit Borussias Ex-Torwart Wolfgang Kleff, der zum Präsentationsabend erschienen war. Fabian Arndt, Felix Pütz und Konstantin Schubert stellten „die älteste Trabrennbahn Deutschlands“ vor, die steht in Neuwerk. Einen Podcast über „Sport als Mittel zur Integration“ haben Sofia Aslanidou, Sarah Feicks und Lea Kosjanski produziert. Darin kommen Landtagsabgeordneter Frank Boss, Oliver Neuville (Borussia) und der Migrationsforscher Mark Terkessidis zu Wort.

Für volle zwei Stunden verfolgte der OB das Programm des Präsentationsabends. Vorab verriet er, woher sein starkes Interesse an der Veranstaltung rührt: „Ich hatte am Math.-Nat. Gymnasium den Leistungskurs Geschichte belegt und später das Fach studiert“, sagt Heinrichs. Die Geschichtswissenschaft habe sich gewandelt von der Betrachtung der Leistung „großer Männer“ hin zum Interesse, „eine Zeit zu verstehen. Und das vor der eigenen Haustür.“

Musik war nicht Thema des Schülerwettbewerbs. Doch in Marie Lina Hanke (17), die ihr Lehrer Klaus Paulsen am Klavier begleitete, stellte sich mit zwei Liedern von Richard Strauss und Gabriel Fauré eine hoffnungsvolle Sopranistin vor. Sie wolle Gesang studieren, bekräftigte Marie, die auch bei der namhaften Dozentin Dorothee Wohlgemuth (Meerbusch) Unterricht erhält, ihre Ambitionen.