Mönchengladbach: Hohes Insolvenz-Risiko bei jedem 50. Betrieb

Bau und Logistik besonders gefährdet : Jeder 50. Betrieb in Mönchengladbach könnte pleite gehen

IHK und Creditreform prognostizieren Zahlungsausfälle bei knapp zwei Prozent der Gladbacher Unternehmen. Damit steht die Vitusstadt schlechter da als andere in der Region. Für Experten ist das jedoch noch kein Grund, Alarm zu schlagen.

Würde es für die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen in Mönchengladbach eine Schulnote geben, so wäre das die Note „gut“ – wahrscheinlich mit dem Zusatz „minus“. Denn mit einem Prognose-Wert von 1,98 Prozent lässt sich das Ausfallrisiko der Unternehmen in der Vitusstadt laut IHK und Creditreform für 2019 gerade so als „gering“ bezeichnen. In der Studie schneidet Mönchengladbach im Vergleich zu Nachbarstädten wie Krefeld (1,77 Prozent) und Viersen (nur 1,28 Prozent) schlechter ab. Allerdings: Die Werte haben sich wie in allen untersuchten Städten und Kreisen in der Region verbessert, noch vor einem Jahr hätte Mönchengladbach die Schulnote „befriedigend“ erhalten – für ein mittleres Ausfallrisiko von 2,03 Prozent.

Der Durchschnitt der Region wird den Ergebnissen des jetzt veröffentlichten Risikobarometers zufolge nicht erreicht. In Mönchengladbach weisen Unternehmen in den Branchen „Baugewerbe“, „Logistik“ und „Information und Kommunikation“ eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit auf. Das bedeutet: Unternehmen aus diesen Branchen sind eher insolvenzgefährdet. „Der von der Creditreform Rating AG ermittelte Risikowert, der sogenannte CRI-Index, berechnet den Anteil der Ausfälle an der Unternehmsanzahl und geht über die bekannten veröffentlichten Meldungen von Insolvenzen deutlich hinaus“, sagt André Becker. Das Mitglied der Geschäftsführung der Creditreform Düsseldorf/Neuss spricht mit Blick auf die Ergebnisse des Risikobarometers von einem „echten Frühindikator“, da auch Merkmale wie Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen und schlechtes Zahlungsverhalten einfließen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz kündigt an, künftig regelmäßig ergänzend zu den üblichen Konjunkturprognosen darüber informieren zu wollen, wie groß das Zahlungsausfallrisiko für die Betriebe am Mittleren Niederrhein ist. Für das Jahr 2019 sieht das Risikobarometer für die Gesamtregion ein Ausfallrisiko von 1,63 Prozent vor. Wegen der guten Konjunktur seit 2014 soll der Anteil der Risiko-Unternehmen stetig gesunken sein. Wenn die Konjunktur wegen geopolitischer Krisen aktuell auch stärker unter Druck steht als in den vergangenen Jahren, so scheinen die Polster aus Zeiten der guten Konjunktur noch so ausreichend zu sein, „dass eine Konjunkturdelle keine deutliche Steigerung der Ausfallwahrscheinlichkeit verursachen wird“, sagt André Becker von Creditreform.

Die Ergebnisse aus dem Risikobarometer zeichnen also insgesamt ein gutes Bild von der Region. Und in Bezug auf die etwas schlechteren Werte für Mönchengladbach spricht Jürgen Steinmetz gar vom „Jammern auf hohem Niveau“: „Der etwas höhere Wert ist nichts, worüber man sich sorgen müsste.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer erklärt sich die knapp zwei Prozent Unternehmens-Ausfallrisiko in Mönchengladbach damit, dass bestimmte Branchen – darunter „Verkehr und Lagerei“ – mit Betrieben in der Stadt überproportional häufig vertreten sei. Tatsächlich ist das den Zahlen aus 2018 zufolge eine etwas „anfälligere“ Branche – vor einem Jahr mit einem Ausfallrisiko von 5,26 Prozent („sehr hohes Ausfallrisiko“). Ähnlich hat die Creditreform die Branchen „Baugewerbe“ (3,7) und „Gastgewerbe (3,77 Prozent) in 2018 bewertet, so dass den Unternehmen in Mönchengladbach im vergangenen Jahr insgesamt ein „mittleres Ausfallrisiko“ bescheinigt wurde. Besonders betroffen: Mönchengladbacher Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 500.000 Euro. Und: Selbstständige. Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr sind ein Indikator für die aktuelle Prognose, die jedoch nicht nach einzelnen Branchen aufgeschlüsselt wird.

In der Branche Verkehr und Lagerei, stark vertreten in Mönchengladbach, lag das Ausfallrisiko bei 5,3 Prozent. Foto: dpa/Jens Büttner

Obwohl Mönchengladbach nicht an den Durchschnitt der Region herankommt, gibt es nach Auskunft der IHK in der Vitusstadt auch Branchen, in denen die Lage besser ist als an anderen Standorten: beispielsweise im Grundstücks- und Wohnungswesen sowie bei wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen.

Das Gastgewerbe kam 2018 auf ein Ausfallrisiko von 3,8 Prozent. Foto: picture-alliance/ dpa/Roland Weihrauch

Der IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein rangiert insgesamt in Bezug auf das Ausfallrisiko bei Unternehmen etwas über dem Bundesdurchschnitt, der laut Prognose bei 1,35 Prozent liegt – nach dem Creditreform-System bedeutet das ein „sehr geringes Ausfallrisiko“. Die große Ausnahme in der Region: die Stadt Viersen. Dort soll das Unternehmens-Ausfallrisiko 2019 bei gerade einmal 1,28 Prozent und damit noch unter Bundesdurchschnitt liegen. Bonität und Stabilität der Unternehmen dort sind demnach als „sehr gut“ anzusehen.

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