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Mönchengladbach: Hobbyimker holen Gold und Silber

Honig aus Mönchengladbach : Bettrather Hobbyimker holen Gold

Mit Bienen beschäftigen sich Michael Thielen, Alfons Weigel und Willi Heynen im zweiten Jahr. Ihr Honig erhielt das Prädikat „herausragend“.

Im eigentlichen Leben sind sie Ingenieure und Techniker. In der Freizeit beschäftigen sie sich mit „flotten Bienen“. Michael Thielen, Alfons Weigel und Willi Heynen sind Nachbarn und teilen sich ein Hobby. Sie imkern. Und obwohl sie das noch gar nicht so lange machen, sind sie schon überaus erfolgreich. Bei der jährlich stattfindenden Honigprämierung des Imkerverbandes Rheinland holte ihr Honig aus Bettrath auf Anhieb Gold und Silber. „Wir sind eben Streber und Klugscheißer“, sagt Alfons Weigel augenzwinkernd und lacht.

Tatsächlich sind die Hobbyimker bei ihrer Arbeit mit den Bienen penibel und fleißig. Bestand, Futtervorräte, Hygiene-Check, Populationsschätzung, Finanzpläne – alles wird akribisch in Tabellen und Diagrammen festgehalten und in Google Docs dokumentiert. Und damit auch wirklich alle Handgriffe festgehalten werden, sind die drei noch in einer WhatsApp-Gruppe. „So wissen wir immer, was der andere gerade getan hat“, sagt Thielen. Einige Informationen werden auch ganz schlicht analog ausgetauscht. „Wenn die Backsteine auf dem Bienenstock diagonal liegen, weiß Michael, dass ich zuletzt nachgeschaut habe. Wenn sie senkrecht liegen, war er dran“, berichtet Weigel.

Selbstverständlich sind die Hobbyimker gut ausgebildet. An der Ruhr-Uni Bochum studierten sie zwei Jahre lang jeden Samstag alles über die Bienenzucht und Honigernte. Sie besuchten Aufbaulehrgänge und bekamen Zertifikate. Im Imkerverein Viersen, in dem alle drei sind, waren sie zuerst die „Grünschnäbel“. „Jetzt werden wir sogar um Rat gefragt“, berichtet Weigel, der trotz Bienenstichallergie dabei ist. Er war es, der den Anstoß gab, sich der Bienenzucht anzunehmen. „Ich kam in den Ruhestand und wollte etwas machen, was nichts mit Technik zu tun hat“, sagt er. Seine Nachbarn konnte er für die Idee der Imkerei schnell begeistern. Fronleichnam 2016 kamen die ersten Bienen zu den Hobbyimkern. Mittlerweile stehen zehn Stöcke auf dem großen Gartengrundstück von Michael Thielen. Schon die erste Honigernte war ein Erfolg für die drei Bettrather. Auch ohne Gold- oder Silbermedaille ging ihr Honig weg wie warme Semmeln.

Die Hobbyimker Willi Heynen, Michael Thielen und Alfons Weigel (v.l.) wurden für ihren Honig mit Gold und Silber ausgezeichnet. Foto: Michael Thielen

„Plötzlich wollten alle nicht nur ein oder zwei Gläser, sondern 20 oder 30“, sagt Weigel. „Das machen wir jetzt nicht mehr, wir geben nur noch haushaltsübliche Mengen ab.“ Im vergangenen Jahr hatten die Hobbyimker 170 Kilogramm Honig produziert. Das machte 350 Gläser. „Für mich blieb keins übrig“, sagt Alfons Weigel. Alle drei Hobbyimker legen größten Wert darauf, „dass wir sauberen Honig haben“, sagt Thielen. Zum Schutz der Bienen vor Milben oder anderen Krankheiten werden nur organische Säuren verwendet, die im Bienenkreis vorkommen. Jede Gabe wird im Arzneibuch festgehalten.

Warum ausgerechnet der „Original Bettrather Bienenhonig“ 2018 so gut ist, kann Michael Thielen nur vermuten. Durch die vielen Schulungen ließen sich Fehler in der Betreuung der Völker und bei der Honigernte minimieren. Außerdem hätten die Bienen in der Region rund um Bettrath ein vielfältiges und ausreichendes Nahrungsangebot. Michael Thielen, der im Lokalblatt Neuwerker Nachrichten unter dem Pseudonym „Betty, die Bettrather Honigbiene“ eine regelmäßige Kolumne rund um das Thema Bienen und Honig schreibt: „Es gibt eine breite Palette an Obstbäumen, aber auch Ahorn, Löwenzahl, Weiden, Raps und Akazien, die den Geschmack des Frühjahrshonig prägen. Der Sommerhonig schmeckt eher nach Klee, Linde, Esskastanie, Brombeere und Himbeere.“ Er uns seine Mitstreiter freuen sich, dass sie in einem Stadtteil leben, in dem die Menschen ihre Vorgärten nicht zupflastern, sondern in ihren Gärten auch viel Blühendes anpflanzen. So gelingt auch den Hobbyimkern jedes Jahr eine zweifache Ernte.

(gap)