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Mönchengladbach: Hilfe für obdachlose Frauen in der Stadt

Neues Projekt in Mönchengladbach : Hilfe für obdachlose Frauen in der Stadt

Marlene Beckmann und Janna Stempel unterstützen wohnungslose Frauen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Das von der Landesregierung NRW geförderte Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Die Arbeit der examinierten Krankenschwester Marlene Beckmann und der Sozialarbeiterin Janna Stempel zeigt nur langsam und auch nicht immer auf Anhieb Erfolge. Die beiden Mitarbeiterinnen sind tätig in einem neuen, frauenspezifischen Projekt in der Wohnungshilfe des Diakonischen Werkes. Sie beraten und begleiten wohnungslose Frauen. Das niedrigschwellige Angebot wird vom Land NRW über die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ gefördert. Zielgruppe seien „langjährig wohnungslose Frauen mit gravierenden gesundheitlichen oder psychischen Auffälligkeiten, die aufsuchenden, begleitende Unterstützung benötigen“.

Seit dem 1. April bis zum Dezember 2022 läuft das mit 290.000 Euro finanzierte Projekt, das sich speziell an Frauen richtet. „Es ist nicht nur die Obdachlosigkeit der Frauen, es sind auch in aller Regel ihre gesundheitlichen und psychischen Problemen und ihre Beschäftigungslosigkeit, mit der wir uns befassen müssen“, erläutert Brigitte Bloschak, unter anderem Leiterin des Fachbereichs Wohnungshilfe im Diakonischen Werk.

Die Probleme beginnen meistens schon damit, dass die im Versteckten hausenden Frauen gefunden werden müssen. „Da leisten die Streetworker der Stadt durchaus große Hilfe, in dem sie  uns Hinweise geben“, sagt Janna Stempel. Wie groß die Zahl der betroffenen Frauen ist, kann nur geschätzt werden. Es dürften einige Hundert sein, die wie obdachlose Männer in der Stadt herumziehen, ohne Arbeit, ohne Krankenversicherung, ohne festes Dach über dem Kopf.

Mit einer Kontaktaufnahme könnte die Arbeit der Sozialarbeiterin und der Krankenschwester eigentlich beginnen. „Könnte eigentlich beginnen“, betont Marlene Beckmann, denn aus dem ersten Kontakt müsse sich zunächst eine dauerhafte Beziehung entwickeln. „Die Frauen müssen Vertrauen zu uns gewinnen.“

In aller Regel seien sie vorsichtig, zurückhaltend, misstrauisch. Zu viel haben sie in ihren Leben schon an negativen Dingen erfahren, sei es Gewalt, Ausgrenzung, Sucht oder dauerhaften Verlust eines Jobs. Das gilt für die jungen Frauen zwischen 18 und 27 Jahren ebenso wie für die älteren Wohnungslosen. „Da ist es mit einem Gespräch nicht getan, immer wieder müssen wir uns mit den Frauen beschäftigen“, fügt Janna Stempel hinzu. Inzwischen sind es acht, mit denen sich die Diakonie-Mitarbeiterin dauerhaft auseinandersetzen. Es ist eine zeitintensive Arbeit, bei der die 30-Stunden-Woche viel zu kurz ist. „Eine Wohnungsbesichtigung kann ebenso wie ein Arztbesuch schnell einmal zwei Stunden dauern“, hat Marlene Beckmann erfahren.

Für sie ist das Projekt, das wissenschaftlich begleitet wird, auch unter Corona-Bedingungen erfolgreich gestartet. „Wir sind inzwischen in der Szene bekannt. Frauen, die bereit sind, mit unserer Hilfe in ein selbstbestimmtes Leben in eigenen vier Wänden zu wechseln, sprechen andere benachteiligte Frauen an, die sich an uns wenden.“ Der Erfolg lässt sich in Ergebnissen messen. So ist es Janna Stempel gelungen, einer Frau eine Wohnung zu verschaffen. Auch dort betreut sie sie weiterhin. „Mit der Wohnung allein ist es ja nicht getan. Wir müssen versuchen, eine stabile Tagesstruktur zu erarbeiten“, erklärt Brigitte Bloschak. Marlene Beckmann hat es geschafft, einer schwer kranken, wohnungslosen Frau nicht nur eine medizinische Behandlung zukommen zu lassen, sondern auch einen Platz in einem Altenheim zu besorgen.

Brigitte Bloschak, Janna Stempel und Marlene Beckmann hoffen, dass sie noch mit vielen Frauen ins Gespräch kommen.