Mönchengladbach: Herzcheck für Jogger und ambitionierte Läufer

Überanstrengung vorbeugen : Warum Läufer ihr Herz checken lassen sollten

Wer ambitioniert trainiert, sollte seine Herzleistung kontrollieren lassen. Die ärztliche Empfehlung gilt besonders für ältere Sportler. Vier Mönchengladbacher Leichtathleten haben sich der Prozedur unterzogen.

„Wo ist das Treppenhaus?“, fragt Johann Höfker, kaum dass er das Drehportal zum Elisabeth-Krankenhaus passiert hat. Der 66-Jährige ist aus Kempen angereist, um sein Herz in der Klinik für Kardiologie und Angiologie  checken zu lassen. Als Sportler  der Leichtathletik-Gemeinschaft Mönchengladbach (LGM) zieht er den Aufgang über die Treppe der Fahrt mit dem Aufzug vor. Im dritten Obergeschoss des Haupthauses der Städtischen Kliniken treffen Höfker, Niko Hrissohoidis, Silke Optekamp und der Autor dieser Zeilen zusammen mit ihrer Trainerin Käthe Link auf die Kardiologen Dierk Rulands und Robert Zabrocki.  Auftakttermin einer Serie von Untersuchungen, die der leitende Oberarzt Rulands mit seinem Kollegen bei 15 Laufsportlern vornehmen wird.

Die Initiative dazu ging von Trainerin Käthe Link (67) aus, die seit 25 Jahren LGM-Läufer aller Altersklassen betreut. Den Klinikchefs, Professor Georg Sabin und seine Stellvertreterin, Mirja Neizel-Wittke, gefile Links Idee offenbar – und so geht es nun zu einer routinemäßigen Herzensangelegenheit der Fachärzte: Ultraschalluntersuchung, gefolgt von Belastungs-EKG am Ergometer.

Die Klinik verfüge über technisch höchstleistungsfähige Geräte, sagt der 46-jährige Experte für Interventionelle Kardiologie. Rulands: „Beim Ultraschall gewinnen wir absolute High-End-Bilder.“ Als Erste ist Leistungssportlerin Silke Optekamp an der Reihe bei der Echokardiografie. Im Oktober 2013 hatte die Mönchengladbacherin in München die Deutsche Marathonmeisterschaft gewonnen. Vor einer Woche hat sie ihren 17. Marathon im spanischen Valencia absolviert. „Es ist für mich beruhigend, im Ergebnis einer qualitätsvollen Untersuchung zu erfahren, ob ich mit dem Sport weitermachen kann“, begründet die 41-Jährige ihre Teilnahme am Herz-Check. Mit 29 Jahren ist Niko Hrissohoidis der Jüngste der Vierergruppe.

„Bitte auf die linke Seite legen“, fordert mich der Assistenzarzt im Untersuchungszimmer der Funktionsabteilung auf. Diese Position ist nicht gerade bequem, besitzt die Liege doch eine Aussparung. Wozu die dient, klärt sich, als der Arzt den mit Kontaktgel überzogenen  Ultraschallkopf gegen meinen Brustkorb drückt und gleich danach auf dem Monitor eine bunte Darstellung des schlagenden Herzens zu sehen bekommt.

Ich lausche dem eigenartig stolpernden Rhythmus meines über Lautsprecher verstärkt ans Ohr dringenden Herzschlags. „Diese Echokardiografie genannte Sonografie des Herzens zeigt die Struktur des Herzens und ermöglicht es, die Größe der Herzkammern, die Funktion der Herzklappen und die Dicke des Herzmuskels zu beurteilen“, erklärt  Rulands. Außerdem lässt sich das Herz in Echtzeit bei der Arbeit beobachten und die Fließrichtung verschiedener Blutströme samt Pumpleistung des Organs bestimmen. „Sportlerherzen sind oft über Normmaß vergrößert oder verdickt“, weiß Trainerin Käthe Link, die seit 55 Jahren Laufsport betreibt. Ein vergrößertes Herz kann, zum Beispiel wenn der Betroffene abrupt mit dem Training aufhört, zu Problemen führen.

Station zwei des Checks ist der nächste Untersuchungsraum. Hier „verkabelt“ mich Pfleger Sebastian Theelen an Brust und Rücken, schnallt mir einen Gurt zur Blutdruckmessung um den rechten Oberarm und bittet mich aufs Fahrradergometer. „Treten Sie die Pedale mit so viel Kraft und Tempo, dass auf dem Lenkerdisplay die Zahl 55 erreicht und gehalten wird“, sagt Theelen. Das fängt harmlos an, ich kann mich beim Treten entspannt mit dem Mann unterhalten. Alle zwei Minuten wird jedoch der Tretwiderstand, wird die Ausgangsbelastung um 25 Watt erhöht. Und das simulierte Tempo wird irgendwann auf die Kennzahl 65 erhöht. Bei 125 Watt spüre ich, dass meine Waden- und Oberschenkelmuskeln zunehmend beansprucht werden, bei 150 Watt kann ich das Atmen nicht mehr geräuschlos vollziehen, ich fange an zu transpirieren. Als 200 Watt eingefordert werden, keuche ich ganz schön laut, der Schweiß dringt aus allen Poren.

Der Spaßfaktor beim Radeln schrumpft auf ein klägliches Minimum, nun ist Ackern angesagt. Wo bleiben nur die Endorphine, die in Sportlerkreisen so oft gepriesenen Glückshormone? Davon merke ich rein gar nichts. Verbissen strample ich weiter, fest entschlossen, die nächste Stufe (225 Watt) zu erreichen. Doch da macht der Doktor nicht mit. „Sie haben die für Ihr Alter errechnete Ausbelastung beim Puls erreicht und Ihr Blutdruck hat nebenbei den Oberwert 213 erreicht“, informiert er mich, „jetzt ist Schluss, radeln Sie locker aus.“

Auf Echokardiografie und Ergometrie könnte als weitere diagnostische Untersuchung noch die Spiroergometrie folgen.  „Bei der Spiroergometrie werden zusätzlich zur Belastung über eine Atemmaske Sauerstoff und Abgase im Atem gemessen“, erläutert Rulands die Prozedur. Damit einhergehende Laktattests weisen die maximal mögliche Sauerstoffaufnahme der Person aus. Doch an diesem Nachmittag „spinnt“ zeitweise die  Software des Geräts. Wer auf diesen Teil einer vollumfänglichen Untersuchung Wert legt, muss sich einen weiteren Termin geben lassen.

Warum legt die Trainerin so großen Wert darauf, dass sich ihre Athleten kardiologisch checken lassen? „Ich habe zu oft erlebt, dass Sportler sich ein übergroßes Trainingssoll  aufbürdeten, ohne Maß und ohne medizinische Kontrolle“, erinnert sich Käthe Link. „Viele Athleten trainieren wie die Weltmeister oder sie nehmen in zu kurzen Abständen an kräftezehrenden Wettkämpfen teil. Das hat bei einigen zu Herzinsuffizienz geführt – sie mussten das Laufen aufgeben“, sagt die erfahrene Leichtathletik-Trainerin.