Mönchengladbach: Herz, Schmerz, Stadtschützenfest

Historisches Spektakel am 1. September : Herz, Schmerz, Stadtschützenfest

Sissi und ihr Kaiser Franz-Josef nun auch in Mönchengladbach: Das Traumpaar des 19. Jahrhunderts gibt sich am Wochenende die Ehre. „Wir sind Kaiser“ als neue Traumrolle für Barbara Gersmann und Norbert Bude.

Damit auch alles so abläuft wie in der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm sitzen die Gladbacher Akteure des Schauspiels derzeit vor dem heimischem Fernseher und studieren jede Szene. Denn Vorbereitung, das wissen Barbara Gersmann und Norbert Bude, ist alles. Und jede Gastrolle – ob Prinzenpaar im Karneval oder Kaiserpaar fürs Sommerbrauchtum – will tief verinnerlicht sein, damit nach außen hin alles passt: Die Robe ist bestellt, die Perücke geordert, Barbara Gersmann fühlt sich nun für Romys Rolle bereit. Und Norbert Bude (der Franz-Josef aus Rheydt) braucht neben der schmucken Uniform vor allen Dingen eins – einen schmucken Bart mit Koteletten, der aber Raum lässt für das strahlende Lächeln eines Karl-Heinz Böhm.

Hoch zu Ross werden Sissi und Franz (Barbara und Norbert) sich dem Gladbacher Volke zeigen, zunächst über den Alten Markt und durch die Innenstadt reiten, später zur Parade huldvoll winken und am Abend auf dem Sonnenhausplatz Kaiserwalzer tanzen. Einfach schön soll es sein am 1. September in Mönchengladbach: Ab 15.30 Uhr ist Sissi-Time. Live und in Farbe stehen sie für alle zum Staunen mitten in der City.

Bleibt die Frage, wer sich den historischen Schwank hat einfallen lassen. Schützenchef Horst Thoren war es, der bei vergangenen Festen auch schon römische Cäsaren, Napoleon und den alten Fritz zum Stadtschützenfest „einlud“ und immer wieder einen historischen Bezug zur Stadtgeschichte erfindet. Diesmal ergibt sich die Beziehung durch einen wichtigen Minister am Wiener Hofe, der rheinische Wurzeln hatte, Artur Maximilian Graf von Bylandt-Rheidt hieß und tatsächlich von den Rheydter Rittern abstammte. Er war Feldzeugmeister, Feldmarschallleutnant, wohnte an der Praterstraße, reformierte das Heer, erhöhte Wehrsold und Pensionen, schrieb gewichtige Bücher (zum Beispiel zu Wirkung und Gebrauch der österreichischen Feld- und Gebirgsgeschütze) und stand dem Kaiserpaar nahe. Wenn also, so mutmaßen Thoren und seine geschichtskundigen Freunde, Sissi und Franz-Josef tatsächlich ins Rheinland gereist wären, hätten sie den halben Rheinländer von Bylandt sicher mitgenommen.

Deshalb wird am 1. September auch der als lebensfroh beschriebene Minister in Erscheinung treten. In dessen Uniform schlüpft der kostümerfahrene Bürgermeister Michael Schroeren, der reiten kann, immer eine gute Figur macht und in MG und beim Brauchtum sowieso unverzichtbar scheint.

Barbara Gersmann und Norbert Bude, hier beim Stadtschützenfest 2017, werden am Wochenende Sissi und den Kaiser spielen. . Foto: Mario Winkler / Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften/Mario Winkler

Damit ist die historische Truppe nahezu komplett, denn das bürgerliche Gefolge ist durch die Schwarzröcke der Promi-Garde „Auf Zack im Frack“ um die frühere Oberbürgermeisterin Monika Bartsch und den reitenden Ex-Banker Lothar Erbers bereits verpflichtet. Gesucht wird nur Gladbachs Alternative zu André Rieu, denn beim Abschlusstanz am Sonnenhausplatz braucht es noch Straussmelodien und Geigenklänge. Dazu schunkeln 2500 Schützen und Tausende Gäste: „Ich muss eine Reblaus gewesen sein“.

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