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Mönchengladbach: „Helfenden Hände“ backen im Autismus-Therapie-Zentrum für Bedürftige

„Helfenden Hände“ backen in Mönchengladbach : Lächeln am „Gabenzaun“ ist der schönste Lohn

Die „Helfenden Hände“ backen im Autismus-Therapie-Zentrum für Bedürftige. Die frisch zubereiteten Lebensmittel werden als Tüten an „Gabenzäune“ gehängt. Schönster Lohn für die Arbeit der Mönchengladbacher ist ein Lächeln der Beschenkten.

Außen knusprig, innen weich verströmen ungefähr 30 Brotlaibe unisono einen betörenden Duft. Gebacken hat sie Rainer Wassong, seines Zeichens kein professioneller Bäcker, sondern Einrichtungsleiter des Autismus-Therapie Zentrums (ATZ). Offenbar ist Wassong gesegnet mit handwerklichen Fähigkeiten und energiegeladenem Anrieb, um das große Backwerk mit strahlendem Lächeln zu meistern. Die gute Laune dürfte auch der Gewissheit geschuldet sein, sich inmitten der „Helfenden Hände“ gut aufgehoben zu fühlen. Die Akteure der Gruppe eint der Wunsch, Bedürftigen zu helfen. Wassong stellt ihnen am Wochenende die Küche des ATZ zur Verfügung.

Die „Helfenden Hände“ ließen sich vom ersten Gabenzaun beim Arbeitslosenzentrum anregen. Der war eingerichtet worden, als die Tafel als Anlaufstelle für Bedürftige coronabedingt schließen musste. „Was wird aus den Menschen, die eine Mahlzeit brauchen?“, habe sie sich gefragt, sagt Sandra Breitschwerdt, Fachbereichsleiterin für den Bereich Autismus-Therapie im ATZ.

Beim Gassigehen mit Hund war ihr am Gabenzaun eine ältere Frau aufgefallen, die Hunger hatte. Das Schicksal der Fremden rührte sie an und schien eigene Sorgen zu relativieren. Die Sozialpädagogin hatte zuvor drei Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen und fühlte sich schlecht. „Uns war klar, dass in Corona-Zeiten die Armut nicht weniger wird“, sagt sie.

Gemeinsam mit Rebecca Können akquirierte sie Mitarbeiter und Familie für eine gemeinsame Hilfsaktion. „Als wir am Anfang des Lockdowns mit dem Backen anfingen, merkten wir bald, dass unsere Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagt Können. Als Musikerin und Gesangslehrerin ist auch sie wegen Corona zur Kurzarbeit verdonnert. Das wachsende Team wandte sich hilfesuchend an das Arbeitslosenzentrum. Dessen Leiter Karl Sasserath sagte daraufhin finanzielle Unterstützung zu.

„Wir freuen uns natürlich sehr. Hätten wir keine Sponsoren, würden wir die Kosten selbst tragen“, sagt Viktor Kortis, der die Hilfsaktion als Berufung versteht.

Als Konsument legt er Wert auf frisch, gesund und lecker zubereitete Kost, und genauso soll das Essen für die Bedürftigen sein. Der Koch eines Caterers, aktuell in Kurzarbeit wegen des Veranstaltungsnotstands, hat berufsbedingt Erfahrung mit großen Mengen. So verließen sich die anderen anfangs auf seine und Wassongs Planung und konzentrieren sich als Zulieferer auf das Schnippeln der Zutaten. Mittlerweile haben sich Routine und Sicherheit eingespielt. „Inzwischen hat die Hilfsaktion schöne Ausmaße angenommen. Wir backen für etwa 50 Tüten“, sagt Kortis.

Die Gruppe hat sich verständigt, pro Beutel fünf bis sechs Pizza-Taschen zu backen, gefüllt zum Beispiel mit Gehacktem, Thunfisch oder veganen Zutaten. Fast immer kommt noch ein Brot mit in die Tüte sowie eine saisonale Obstsorte. Das schönste Dankeschön sei zu sehen, wenn die Gaben den Beschenkten schmecken und ihnen ein Lächeln entlocken, so der Koch.

Vom Gabenzaun auch gerne gepflückt wurden bisher auch die von Barbara Rütten genähten Schutzmasken. Ihr sei aufgefallen, dass es in der Stadt Menschen gibt, die durch die Maschen aller Hilfsnetze fallen, sagt die Sozialpädagogin vom Verein Netzwerk, Jugendwohngemeinschaft Geneickener Straße. Sie will ihr „Quäntchen dazu beitragen, dass das ,Durch die Maschen rutschen’ nicht zu arg ausfällt“.

Mit 28 Jahren ist Isabel Augustin die Jüngste im Team. Die Sozialpädagogin im ATZ genießt die über das gemeinsame Tun gewachsene Freundschaft und versichert: „Wir mögen uns, wir sind ein gutes Team, und helfen zu können, ist ein großartiges Gefühl.“Nach einer Phase der Kurzarbeit arbeitet die Autismus-Therapeutin wieder in Vollzeit. Doch die gemeinsamen Backstunden am Wochenende will sie nicht missen.