Mönchengladbach: Hängepartie am Hauptbahnhof

Kolumne Mensch Gladbach : Hängepartie am Hauptbahnhof

Abteiberg, Maria Hilf, City Ost, Reme-Areal - beim Bauen boomt Mönchengladbach. Ein zentraler Punkt, Haus Westland am Hauptbahnhof, wird nun aber zur Hängepartie. Wieder einmal. Und das schwächt das Image der aufstrebenden Stadt.

Der Aufwind, der einen ohne Kraftanstrengung nach oben trägt. Gut fühlt sich das an.

So ähnlich ergeht es Mönchengladbach seit einigen Jahren. Klar, es gibt noch Probleme - nicht wenige. Natürlich, man darf die Stadt nicht überfordern. Aber seien wir mal ehrlich: Es tut gut, dass  sie endlich mal wieder im Fokus steht. Dass sich etwas bewegt. Dass junge Menschen in ihre Heimat zurückkehren und etwas bewegen wollen. Dass andere neu hinzukommen und sich für Mönchengladbach begeistern. Dass Investoren die Vitusstadt fest auf dem Schirm haben. Dass die Finanzen so weit im Griff sind, um Spielräume zu erlauben.

Mönchengladbach ist wieder wer, erinnert sich an frühere Glanzzeiten. Die Stadt wird in den  nächsten Jahren an vielen Stellen ihr Gesicht verändern: am Abteiberg, wo sich das Museum zur Stadt öffnen soll, City-Ost (neuerdings „Seestadt mg+“), das Areal der früheren Kliniken Maria Hilf und das Reme-Gelände, wo neue Quartiere entstehen. Eine Markthalle. Schwindlig könnte einem fast werden angesichts der vielen Projekte. Sie sind Zeichen des Aufschwungs.

Wohlklingende Pläne sind das eine, sie müssen aber auch realisiert werden. Ausgerechnet an zentraler Stelle droht nun ein ambitioniertes Vorhaben zu platzen, gegenüber des Gladbacher Hauptbahnhofs. Dort steht das Haus Westland, eine Schrottimmobilie - und das nicht nur an prominenter Stelle, sondern auch noch von bemerkenswerter Wuchtigkeit. „19 Häuser“ sollten sie ersetzen, so vor mehr als einem Jahr das Votum einer jubilierenden Jury. Ins Paket schnürten die städtischen Planer auch den dringend notwendigen Umbau des Busbahnhofs. Der steht Haus Westland nämlich ästhetisch kaum nach.

Das klang gut, sah im Modell vielversprechend aus. Seitdem hat man nur leider nichts mehr dazu gehört. Vom Investor nicht, auch nicht aus dem Rathaus. Doch im Hintergrund lief es nicht rund. Und jetzt? Liegt das Projekt wegen Differenzen auf Eis.  Es geht um das Volumen der Gebäude (der Investor will mehr) und damit korrespondierend um die Größe des benachbarten Busbahnhofs (die Stadt will sie nicht weiter reduzieren als ohnehin schon geplant). Es ist eine weitere Folge einer Serie von vielen Hängepartien an dieser Stelle. Das Entrée zur Stadt bleibt vorerst ein Schmuddelkind. Das strahlt auf Pläne im Umfeld aus und schwächt das Image der aufstrebenden Stadt.

Mönchengladbach ist im Aufwind. Das darf aber nicht übermütig machen. Denn ein heiß umworbener Superstar ist die Stadt (noch) nicht. Das Interesse ist da, die Investoren stehen aber nicht Schlange wie in Köln, Düsseldorf oder Aachen. Die Stadt muss sich entwickeln, zugleich darf sie sich nicht unter Wert verkaufen und soll lebenswert bleiben. Für alle Bürger. Das erfordert Diplomatie und Fingerspitzengefühl.

Die Neugestaltung von Haus Westland ist die Chance, einen Schandfleck im Zentrum der Stadt attraktiver zu machen. Das gelingt nur mit einem wirklich kreativen Konzept - und Mut.

((dr))