Mönchengladbach: Grippewelle verdirbt Gesundheitsbilanz

AOK-Bericht für Mönchengladbach : Grippewelle verdirbt Gesundheitsbilanz

Der Langzeitkrankenstand der AOK-Versicherten in Gladbacher Betrieben sinkt leicht. Dennoch sind die Vitusstädter öfter krank als andere. Probleme mit Atemwegen und Rücken sind häufige Ursachen.

Im vergangenen Jahr grassierte die schwerste Grippewelle seit langem in ganz Deutschland und auch in Mönchengladbach. Die Zahlen der AOK für ihre in Mönchengladbach beschäftigten Versicherten zeigen, dass die Fehltage aufgrund einer Atemwegserkrankung  2018 im Vergleich zum Vorjahr um deutliche 13,1 Prozent anstiegen. Hinzu kommt ein Plus bei den Fehltagen wegen Infektionen von 4,4 Prozent. Der Gesamtkrankenstand steigt deshalb grippebedingt leicht von 5,9 Prozent im Jahr 2017 auf 6,01 Prozent im Jahr 2018. Erfreulich: Zwar liegt der Mönchengladbacher Krankenstand noch immer über dem Durchschnitt des Rheinlandes, aber erstmalig verringert sich der Abstand etwas – von 0,42 Prozent auf 0,28 Prozent.

Jedes Jahr analysiert das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) im Auftrag der AOK Rheinland/Hamburg die Daten der bei der Krankenkasse versicherten Beschäftigten, die in Mönchengladbacher Betrieben tätig sind und vergleicht sie mit den durchschnittlichen Werten des Rheinlandes. Mönchengladbach schneidet traditionell schlechter ab als Städte wie Bonn oder Neuss. „Ich bin seit 23 Jahren dabei“, sagt Regionaldirektor Heinz Frohn, „und der Mönchengladbacher Krankenstand war immer höher als der rheinische Durchschnitt.“ Woran liegt das? Man weiß es nicht genau, kann nur Vermutungen anstellen. Beispielsweise werden bei den großen Logistikbetrieben viele gering qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt. „Ein geringes Qualifikationsniveau und eine stereotype Tätigkeit wirken sich negativ auf den Krankenstand aus“, formuliert Gregor Mertens vom BGF eine mögliche Erklärung.

Neben den Atemwegserkrankungen zählen die Muskel/Skelett-Erkrankungen zu den Spitzenreitern, was die Fallhäufigkeit angeht. Vor allem der Rücken macht eben Probleme.

Jürgen Steinmetz (l.) und Ralf Wimmer (2.v.r.) gratulierten der NEW und der Sozial-Holding zum Preis Betriebliches Gesundheitsmanagement: (v.l.): Christoph Höck, Ellen Basner, Bernhild Birkenbeil, Helmut Wallrafen. Foto: IHK/Andreas Baum

Aber hier gibt es einen Lichtblick:  Die Anzahl der Fehltage sinkt deutlich von 698,8 im Jahr 2014 auf 635,4 Tage im letzten Jahr (gerechnet auf jeweils 100 Versichertenjahre). Auch die psychischen Erkrankungen, meist Grund für einen längerfristigen Ausfall der Betroffenen, gehen seit zwei Jahren leicht zurück, zumindest was die Krankheitsdauer angeht.

Ein Grund für die positive Tendenz kann im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu finden sein. Unternehmen kümmern sich heute eher um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. „Gesundheitsförderung wird mehr und mehr zum Imagefaktor von Unternehmen“, erklärt Frohn. Die AOK und andere Krankenkassen unterstützen die Betriebe dabei. Das schlägt langsam auf die Zahlen durch. Ein Beispiel:  Im Pflegebereich sind Beschäftigte seit Jahren länger krank als in anderen Branchen mit Ausnahme der Ver- und Entsorgungsbetriebe. Aber es lässt sich etwas dagegen tun. „Die Sozialholding der Stadt Mönchengladbach ist schon lange sehr aktiv im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung“, erklärt Gregor Mertens. „Durch das Angebot einer externen psychologischen Beratung, das den Mitarbeitern zur Verfügung steht, ist es gelungen, die Ausfalltage aufgrund von psychischen Erkrankungen zu reduzieren.“  Die Sozialholding bietet ihren Mitarbeitern außerdem Massageliegen und Fitnessräume, fördert rückengerechtes Arbeiten und hat Gesundheitsbeauftragte in allen Unternehmensstandorten. Gerade wurde sie mit dem IHK-Preis für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. Generell steigt die Bereitschaft der Unternehmen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie wenden sich an Anbieter wie das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung. „Wir beraten in Mönchengladbach und Viersen 110 Unternehmen“, sagt Mertens. Dabei geht es nicht nur um den ergonomischen Stuhl, sondern auch um die Optimierung von Arbeitsprozessen oder den Umgang miteinander. „Die beste Gesundheitspille ist Kommunikation und Wertschätzung“, betont Mertens.

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