Mönchengladbach: Graffiti im Bunten Garten

Mönchengladbach: Graffiti für den Bunten Garten

Die Unterführung unter dem Schürenweg war lange genug hässlich: Jetzt zieren großflächige Graffiti die Wände – von professionellen Künstlern und dem Atelier Strichstärke gemalt.

Ein kalter Wind pfeift durch die Unterführung unter dem Schürenweg am Bunten Garten. Dessen ungeachtet wird hier auf Hochtouren an der Neugestaltung der Wände gearbeitet: „Graffiti gegen Graffiti“ lautet das Projekt des Fördervereins Netzwerk Bunter Garten.

Michaela Hillenbrand, Marco Houben und Marcel Roemer aus dem Atelier Strichstärke, der Einrichtung der gemeinnützigen Stiftung Hephata, sind mit den Profisprayern Steffen Mumm und Philipp Kömen dabei, die Entwürfe für die Wandgestaltung, die im Atelier Strichstärke entstanden sind, auf die Wände zu übertragen.

Vorgabe für die Entwürfe war, die im Bunten Garten heimischen Tiere sowie die Architektur rund um den Park in die Gestaltung mit einzubeziehen. Michaela Hillenbrand hat soeben die Gestaltung des Eichhörnchens übernommen. Steffen Mumm hat die Konturen vorgesprüht, Michaela Hillenbrand führt es farbig aus. „Sprayen? Das mach ich heute zum ersten Mal“, sagt sie, „macht echt Spaß.“ „Nicht schlimm, wenn mal Farbspuren herunterlaufen“, beruhigt Mumm, „kann man alles ausbessern.“ Er ist Profisprayer, gibt zahlreiche Workshops für Schüler und kennt sich in der Szene bestens aus. Er ist sich recht sicher, dass die anderen Profisprayer sich an den Ehrenkodex halten werden und das fertige Wandbild nicht mit ihren Tags überziehen werden.

Die mit Graffiti verschmierte und unbeleuchtete Überführung unter dem Schürenweg war Anlass für Jochen Potz, Vorstand des Netzwerks Bunter Garten, mit einer guten neuen Gestaltung künftigen Schmierereien entgegenzuwirken. Die Zusammenarbeit mit Hephata bestand schon länger über die Gärtnerei, deren Leiter ebenfalls im Förderverein des Netzwerks ist. So wurde man aufmerksam auf die Graffitigestaltung der Trafohäuschen am Schillerplatz, die Mitglieder des Ateliers Strichstärke vorgenommen hatten. Die freuten sich: „Die Verbindung zwischen der Aufwertung eines öffentlichen Raums und dem sozialen Hintergrund, den Hephata gibt, sowie der Zusammenarbeit mit professionellen Graffitikünstlern hat es uns angetan“, erklären Yvonne Klaffke und Barbara John.

Mittlerweile ist Marcel Roemer fast fertig mit den Schatten des Schriftzugs „Bunter Garten“, den Mumm, der für seine Kalligrafie und Typografie bekannt ist, entwickelt hat. Für Roemer gibt es viel zu wenige Flächen, an denen gute Graffitikünstler sich austoben können. Er hätte da schon noch ein paar Ideen, erzählt er und schlägt den Odenkirchener Bahnhof vor. Sein Kollege Marco Houben legt derweil den Wasserturm an, ein beliebtes Motiv, das Houben schon oft gezeichnet und gemalt hat. „Je öfter man ihn malt, umso mehr Feinheiten lernt man kennen.“ Kleine Schwierigkeit: der geriffelte Untergrund, auf den er sprayen muss. „Aber mit etwas Übung bekomm’ ich das hin.“ Sieht ganz so aus.

Jürgen Potz freut sich über die gute Zusammenarbeit mit den Verwaltungsstellen. „Viele Hürden waren zu nehmen.“ Die Grünunterhaltung der Stadttochter Mags erteilte die Genehmigung, die Abteilung Straßen- und Ingenieurbau erlaubte ihrerseits das Projekt, bei dem es sich schließlich um ein Brückenbauwerk handelt, und die Abteilung Verkehrs- und Kommunikationstechnik reinigte Mauern und Glasbausteine und reparierte die defekte Beleuchtung. Beste Voraussetzungen also für ein rundum gelungenes Projekt. Da konnte auch das kalte Wetter die Stimmung nicht trüben. „Mit Kaffee halt ich das aus“, lautete das Fazit von Marco Houben.

Mehr von RP ONLINE