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Mönchengladbach: Gourmetfleisch.de wächst mit Neubau für 2,5 Millionen Euro

Unternehmen in Mönchengladbach : Gourmetfleisch.de wächst mit Neubau für 2,5 Millionen Euro

Die Lust am digitalen Fleischkauf ist auch durch Corona rasant gewachsen. Deshalb gönnte sich die Fleischerei Schulte + Sohn ein neues Tiefkühl- und Logistikzentrum. Wie das Unternehmen mit cleverer Strategie den Bedarf für Wagyu-Rind und Kurobuta-Schwein überhaupt erst erzeugt.

Der Online-Handel mit Lebensmitteln gewinnt an Schwung. Das merkt auch Burkhard Schulte. Der Unternehmer und Chef der Fleischerei Schulte + Sohn verkauft bereits seit 2008 unter der Marke Gourmetfleisch.de im Internet hochwertige Fleischwaren. Selten aber war das Wachstum derart rasant wie in den vergangenen eineinhalb Jahren. „Corona war ein Beschleuniger“, sagt Schulte. „Die Leute haben online viel Fleisch gekauft, als die Restaurants geschlossen waren. Das war für uns ein riesiger Wachstumsschub.“

Der macht sich auch am Unternehmenssitz im Gewerbegebiet Güdderath bemerkbar. Dort ist nun ein Neubau in Betrieb gegangen mit einem neuen Tiefkühl- und Logistikzentrum, das den gesamten Betrieb mit 600 Quadratmetern um rund zehn Prozent erweitert. Dazu wurde in dem gesamten Komplex die Kältetechnik erneuert, die alte war fast 30 Jahre alt. Die neue Kühlung schafft es, Fleisch binnen weniger Minuten auf -30 Grad zu frieren. Dies erhalte die Qualität des Fleisches im Optimalzustand. Und insgesamt beträgt die Ersparnis durch die neue Kältetechnik beim Strom 428.000 Kilowattstunden, beim Erdgas 436.000 Kilowattstunden, beim CO2-Ausstoß 318 Tonnen im Jahr, rechnet das Unternehmen vor. Dies entspreche einer Energieersparnis von knapp 40 Prozent. In Kürze soll auf dem Dach noch eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden, kündigt Schulte an.

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Oberbürgermeister Felix Heinrichs lobte das Engagement für den Klimaschutz bei einem Besuch zur Inbetriebnahme des neuen Tiefkühl- und Logistikzentrums: „Es ist wichtig, dass Unternehmen in der Stadt bleiben und sich hier transformieren.“ In Kürze sollen die bewusst sehr stabil gehaltenen Verpackungen für den Fleischversand, die damit aber auch viel Müll brachten, durch neue Beutel ersetzt werden. „Wir stellen nach langen Tests auf Tüten um, die vollständig im Altpapier entsorgt werden können“, sagt Schulte. Dennoch könne die Ware darin mit Eis bis zu 72 Stunden transportiert werden, „wobei unsere Ware innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sein soll“.

Gut möglich, dass dies auch die Lust am Fleischkauf übers Netz befeuert. Die Angst vor dem Lebensmittelkauf online sei jedenfalls um 70 Prozent gesunken, gleichzeitig sei das Bewusstsein für gute Lebensmittel gewachsen, rechnet Schulte über den Daumen vor. Um rund 30 Prozent sei der Online-Handel bei Schulte + Sohn in den vergangenen Jahren gewachsen. Dabei schafft er es Leuten, von denen die meisten vorher vermutlich noch nie etwas von Wagyu-Rindern oder Kurobuta-Schweinen gehört haben, genau dies schmackhaft zu machen. Er lässt seine Fleisch-Spezialisten auch gleich noch erklären, wie man das eigentlich richtig anstellt mit den teuren Steaks. So entwickelt man erst Bedarfe – und schafft sich seine Nische im Markt.

Dabei macht der Versand von Fleisch-Spezialitäten über das Label Gourmetfleisch.de noch rund 25 Prozent des Umsatzes aus. Die Belieferung von Lebensmittelhändlern wie Edeka, Rewe oder Metro zum Teil unter deren Markennamen ist immer noch das Kerngeschäft.

Aber der Handel über die Distanz wächst. Der Großteil geht nach Deutschland, ein wenig nach Österreich, Belgien und die Niederlande. Neuerdings gibt es einen Kunden in Großbritannien, der auf deutsche Würstchen schwört und demnächst auch Steaks aus Güdderath haben will. „Er will deutsche Qualität haben“, sagt Schulte.