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Gladbach verfehlt sein Klimaziel

Dass Mönchengladbach sein Klimaziel verfehlen wird, liegt auch am Straßenverkehr. Foto: Reichartz, Hans-Peter (hpr)

Mönchengladbach Die Stadt wird das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 auf 6,23 Tonnen pro Einwohner zu senken, nicht schaffen. Der Grund: In Haushalten und im Verkehr werden zu viel Treibhausgase produziert. Die Wirtschaft hat kräftig eingespart.

Die Bilanz liest sich eigentlich gar nicht so schlecht, jedenfalls ist Mönchengladbach in den vergangenen fast drei Jahrzehnten deutlich energiesparender geworden. Dennoch ist klar: Die Stadt verfehlt ihr selbst gestecktes Klimaschutzziel, die CO2-Emmission bis zum Jahr 2020 auf 6,23 Tonnen pro Einwohner und Jahr zu senken. Das geht aus dem Sachstandsbericht der Verwaltung hervor, der den Politikern in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch vorgelegt wird. Darin heißt es unverblümt: „Die Ergebnisse der CO2-Bilanz machen deutlich, dass es weiterhin einen großen Handlungsbedarf für Klimaschutz gibt. Ebenso wie auf Bundesebene werden die Klimaziele der Kommune verfehlt.“

Dabei hat sich Mönchengladbach im Vergleich zu 1990 durchaus erheblich verbessert und steht auch im Bundesvergleich ganz gut dar. Demnach lagen die Pro-Kopf-Emissionen im Jahr 2016 in Mönchengladbach bei 7,47 Tonnen, bundesweit lag der Durchschnitt bei 9,80 Tonnen Treibhausgas pro Einwohner. Die Stadt sieht vor allem bei den Privathaushalten noch erhebliches Einsparpotenzial. Denn anders als 1990 ist es nicht die Wirtschaft, die am meisten Treibhausgase in der Atmosphäre pumpt, sondern die Einwohner selbst. Die Betriebe in der Stadt waren 2016 für gut 690.000 Tonnen CO2 verantwortlich, das waren 53,9 Prozent weniger als noch 1990. Die Emissionen der Privathaushalte sanken hingegen nur um 11,2 Prozent auf gut 836.000 Tonnen. Der Verkehr schlägt mit knapp 486.000 Tonnen zu Buche (plus 4,0 Prozent). Unterm Strich sind die Treibhausgasemissionen seit 1990 demnach um knapp 31 Prozent zurückgegangen.

Mit dem Beitritt zum Klimabündnis vor neun Jahren hatte sich die Stadt eigentlich verpflichtet, die CO2-Emissionen alle fünf Jahre um mindestens zehn Prozent zu senken. Dazu erarbeitete das Rathaus 2011 ein Klimaschutzkonzept, und im November 2012 wurde ein Klimaschutzmanager eingestellt, der seit dem vergangenen Jahr ohne Fördermittel bezahlt wird. Obwohl eine Reihe Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept umgesetzt wurden und die Emissionen tendenziell durchaus abnahmen, lag der Ausstoß im Jahr 2015 rund 200.000 Tonnen über dem für dieses Jahr anvisierten Zielwert von 1,68 Millionen Tonnen. Ein Jahr später ist er sogar wieder etwas gestiegen.

Eine naheliegende Erklärung für den starken Rückgang in der Wirtschaft ist der ebenso starke Rückgang des verarbeitenden Gewerbes und der Industrie in Mönchengladbach. Es gibt eben deutlich weniger emissionsstarke Unternehmen als noch vor 30 Jahren, und die verbliebenen haben in den vergangenen Jahren durchaus nennenswert in Klimaschutzmaßnahmen investiert.

Jetzt soll ein neuer Handlungskatalog mit dem Titel „European Energy Award“ erstellt werden. Unter anderem will die Stadt die Bevölkerung noch stärker fürs Energiesparen im Haushalt sensibilisieren. „Als eine neue Maßnahme wird der Klimaschutzmanager im Rahmen des Treffpunktes mg+ zukünftig im vierzehntägigen Rhythmus Bürgern für Anfragen und zum Informationsaustausch zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Bericht der Verwaltung. Und: „Ein großes Einsparpotenzial liegt in der deutlichen Reduzierung des Anteils des motorisierten Individualverkehrs.“ Sprich: Gladbacher sollen statt mit dem eigenen Auto mehr Bus, Rad und Elektroauto nutzen – oder zu Fuß gehen.