Mönchengladbach: Giftiger Boden im Klassenzimmer

Besorgte Eltern : Giftiger Boden im Klassenzimmer

In der Grundschule Meerkamp gibt es einen Boden, der laut Gutachten hochgradig mit einem krebserregenden Stoff belastet ist. Trotzdem werden in den Klassenzimmern weiter Kinder unterrichtet. Laut Stadt ist das ungefährlich.

 Die katholische Grundschule Meerkamp ist eine der ältesten Schulgebäude der Stadt. In zwei Klassenzimmern gibt es noch einen alten Parkettboden. Der wurde mit einem Teerklebestoff verlegt, was früher gar nicht ungewöhnlich war. Doch mittlerweile weiß man: Dieses Material ist giftig. Das belegt auch ein neues Gutachten. Proben von der Abdichtung unter dem Bodenbelag  und vom Kleber haben ergeben, dass sie hochgradig mit der chemischen Verbindung „Benz(o)pyren“  belastet sind und deshalb als „krebserzeugend und erbgutverändernd“ einzustufen sind. Die Ergebnisse der Analyse, die im Auftrag der Stadt erfolgte, standen bereits am 12. April fest. Im Gutachten wurde eine Prüfung der Innenraumbelastung empfohlen, wenn der Raum weiter genutzt werde.

Dennoch fand in betroffenen Klassenzimmern der Schule, an der auch eine hochschwangere Lehrerin angestellt ist, weiterhin Unterricht mit den kleinen Kindern statt. Im Gutachten ist von Benz(o)pyren-Werten die Rede, die bei 2200 bzw. 1300 Milligramm pro Kilogramm in der Abdichtung und bei 84 bzw. 71 mg/kg  im Klebstoff liegen. Ab 50 mg/kg sei der Klebstoff als krebserzeugend und erbgutverändernd zu bewerten, heißt es im Gutachten.

Die Stadt erklärte am Montag auf Anfrage, dass sie nichts unter den Teppich kehren wolle, im Gegenteil. Gerade sei eine Einladung zu einem Info-Tag für die Eltern herausgegangen. Bezirksregierung und Landesumweltamt seien ebenfalls informiert.  Dass in der KGS Meerkamp ein teerhaltiger, belasteter Parkettkleber verwendet wurde, sei bereits seit 2004 bekannt. Für die Nutzer der Räume gehe aber keine Gefahr aus, solange nicht am Parkett gearbeitet wird oder es lose liegt.

„Das vorliegende Gutachten vom 12. April sollte auf  Wunsch der Schule die Herkunft des Klebematerials nochmals klären“, teilt Stadtsprecher Dirk Rütten mit.  Die Ergebnisse seien der Schulleitung auch mitgeteilt worden. Rütten: „Zur Einschätzung möglicher Risiken ist wichtig zu wissen, dass die Analysewerte keine so genannten Expositionswerte angeben, also keine Schadstoffwerte, denen irgend jemand ausgesetzt war.“

Das Parkett sei luftdicht abgedichtet. Die Hausmeisterin überprüfe den Boden täglich auf Beschädigungen. „Bei regelmäßiger Lüftung und feuchter Reinigung der betroffenen Klassenzimmer ist eine Gefahr für die Nutzer derzeit ausgeschlossen. Deshalb war auch eine vorsorgliche Schließung der beiden Klassenräume nicht notwendig“, heißt es von Seiten der Stadt. Dennoch würden die Räume nun eine Woche lang für eine weitere Untersuchung geschlossen, „um jegliches Risiko auszuschließen“, wie Dirk Rütten sagt. Die Räume würden dann nicht gereinigt und gelüftet. Der in dieser Zeit anfallende Staub werde auf Schadstoffbelastung untersucht.

Die Eltern der betroffenen Klassen sollen jetzt über den Stand der Untersuchungen und das weitere Vorgehen informiert werden. Dirk Rütten: „Selbstverständlich wird die Schulgemeinde über das Ergebnis der Staubuntersuchungen informiert. Wir nehmen die Sorgen der Eltern sehr ernst.“