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Mönchengladbach: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann besucht Tagespflege

Besuch in Mönchengladbach : Gesundheitsminister in Tagespflege

25 Plätze hat eine neue Einrichtun der Via Nobis GmbH in Odenkirchen. Bei der Einweihung versprach NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Geld für 6000 neue Ausbildungsplätze in der Pflege.

Was früher ein Termin unter vielen gewesen wäre, ist in Corona-Zeiten etwas Besonderes, selbst für einen Minister. „Ich freue mich sehr, weil zum ersten Mal seit Monaten wieder etwas eingeweiht wird“, sagt Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Aber bevor er an diesem Montagvormittag die neue Laurentius-Tagespflege an der Wiedemannstraße betritt, durchläuft er die Corona-Schutzmaßnahmen für Alteneinrichtungen – vom Anlegen des  Mundschutzes bis zum Fiebermessen. Eine Senioreneinrichtung ist schließlich besonders sensibel, die Tagespflege bereits seit rund vier Wochen in Betrieb und der Minister derjenige, der die Corona-Schutzverordnungen erlässt.

Die Tagespflege ist im Erdgeschoss eines neu errichteten Gebäudekomplexes untergebracht und heißt nicht von ungefähr Laurentius wie die nahegelegene Kirche. Die katholische Kirchengemeinde ist Eigentümerin des Grundstücks und auch Bauherrin. Auf dem Gelände sind 19 Sozialwohnungen und acht frei finanzierte Wohnungen entstanden, alle bereits vermietet und bezogen. „Wir wollten etwas Zukunftsweisendes machen“, erklärt Stephanie Dierichs vom Kirchenvorstand. Dafür nahm die Kirchengemeinde ein finanzielles Risiko auf sich, das sich aber gelohnt hat – die Wohnungen sind heiß begehrt. Als Betreiber der Tagespflege und des ambulanten Dienstes ist  die Katharina Kaspers Via Nobis GmbH im Boot, ein Unternehmen, das auf Aktivitäten der Ordensgemeinschaft der Dernbacher Schwestern zurückgeht.

Josef Aretz, Leiter der Via Nobis Seniorenhilfe, nimmt die Chance wahr, Minister Laumann mit der Forderung nach fairen Gehältern für die Pflegekräfte zu konfrontieren. „Applaus für die Pflegekräfte ist gut, aber ein flächendeckender Tarifvertrag für die Pflege, gute Arbeitszeitmodelle und ausreichend Mitarbeiter sind besser“, stellt er fest und erinnert an die Systemrelevanz der Pflegekräfte. Laumann kann nur zustimmen: „Der Zwang zu Tarifverträgen wäre besser als der Pflegebonus“, meint er, verweist aber darauf, dass in NRW schon eine hohe Tarifbindung herrsche.

Die Einführung der Tagespflege und ihre Finanzierung sind auf Laumanns Initiative zurückzuführen, als er noch Staatssekretär in Berlin war. Deswegen gehört sie zu seinen Lieblingsprojekten. „Die Einführung der Tagespflege war eine der wichtigsten Entscheidungen, wir brauchen das Angebot, um die häusliche Pflege zu stabilisieren“, betont er. Die Laurentius Tagespflege bietet 25 Plätze, die Vorgängereinrichtung in Odenkirchen verfügte nur über elf Plätze. Der Minister lobt die Lage im Zentrum Odenkirchens: „Es fehlt nicht an Geld, sondern an passenden Grundstücken, deswegen werden neue Tagespflegeeinrichtungen zum Teil sogar in Gewerbegebiete gebaut.“ Nicht so in Odenkirchen, wo das Zentrum fußläufig zu erreichen ist und die neu errichteten Seniorenwohnungen in unmittelbarer Nähe liegen.

Die Größe der Einrichtung ermöglicht auch dann ein differenziertes Angebot für die Tagesgäste, wenn sich unter ihnen dementiell Erkrankte befinden. Fünf Mitarbeiter kümmern sich in der Laurentius Tagespflege um die Gäste. Die Qualität einer Senioreneinrichtung steht und fällt mit den Mitarbeitern. Der Leiter der Via Nobis Seniorenhilfe zitiert deshalb eine Studie, die „mehr Köpfe und Hände in der Pflege“ fordert, allerdings nicht unbedingt die von examinierten Pflegekräften.  Eine generalisierte einjährige Pflegehelferausbildung mit einer entsprechenden Vergütung ist ganz in Laumanns Sinn.  „Wir planen außerdem, 6000 zusätzliche Ausbildungsplätze in der Pflege zu finanzieren“, erklärt der Minister.

Und dann nimmt er sich noch der Kritik von Josef Aretz an, der bemängelte, dass eine ein- bis zweiwöchige Quarantäne von neu einziehenden Bewohnern zu lang sei, besonders in der Kurzzeitpflege. „Das liegt daran, dass immer noch ein zweites Corona-Testergebnis abgewartet werden muss“, sagt Laumann. „Aber wir werden prüfen, ob dieses Ergebnis überhaupt etwas bringt und dann das Risiko neu einschätzen.“