Mönchengladbach: Geschichtsbuch für die ganze Stadt

Rheydter Jahrbuch: Geschichtsbuch für die ganze Stadt

Das „Rheydter Jahrbuch“ ist bei Nummer 32 angekommen.  Das von der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft herausgegebene Kompendium erzählt in bewährter Weise Altes neu. Im Buch geht es unter anderem um Graf Balderich und Villa Hecht.

Wenn der Titel des neuen Rheydter Jahrbuchs ein aktuelles Luftbild von Münsterkirche, Abtei und Hauptpfarrkirche zeigt, ist das auch ein Bekenntnis zur gesamtstädtischen Ausrichtung dieser Publikation, die seit 1953 beinahe regelmäßig alle zwei Jahre von der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft herausgegeben wird. Aber dieses Bild verweist auch auf die Keimzelle der alten Stadt Gladbach, deren Geschichte sich gleich zwei Aufsätze in diesem Band 32 widmen.

Zum einen erzählt Hans-Peter Hütter das Leben des Gladbacher Kirchen- und Abteigründers Graf Balderich – in dem er nach umfänglichen Recherchen einen Markgrafen von Friaul zu erkennen meint, einen fränkischer Reichsaristokrat ziemlich unsteten Lebenswandels; zum anderen befasst sich Christoph Nohn mit dem Ursprung der Gladbacher Hauptpfarrkirche, zu dem es eine ganze Reihe von spannenden Ungereimtheiten gibt. Eine ist sicherlich die Frage, warum sich Abtei und Münster mit der „1B-Lage“ am Abteibergrand begnügen mussten, während die später erbaute Pfarrkirche weit sichtbar über der Stadt thront.

Wieder haben ein Reihe von namhaften Autoren und eine Autorin an diesem Jahrbuch mitgewirkt, das mit lauter spannenden Themen aufwartet. Da nimmt Joachim Wirtz die zuletzt in Privatbesitz übergegangene Kleingerberei in Wickrath zum Anlass, umfangreich die Wirtschaftsgeschichte dieses für Wickrath prägenden Handwerkszweigs ab dem beginnenden 19. Jahrhundert aufzuzeigen. Von Christian Krausch ist eine überaus interessante Chronik der Villa Hecht zu lesen, jene Fabrikantenvilla an der Mozartstraße, in der zeitweise das Depot des Gladbacher Museums untergebracht war und in der nach der Schenkung an die Stadt unter anderen die bedeutenden Künstler Heinz Mack und Markus Lüpertz wohnten. Als dauernder Stein des lokalpolitischen Anstoßes ist sie 2006 in den Besitz der Unternehmerfamilie Viehof übergegangen und komplett restauriert worden. Die Viehofs hatten bei Krausch diese Chronik in Auftrag gegeben.

In den Berichten aus den Museen wird mit dem Aufsatz von Stephanie Hermann erstmals das Werk des Gladbachers, zur Düsseldorfer Kunstszene zählenden Zeichners und Grafikers Hans Rilke umfassend gewürdigt. Rilkes sozialkritische Arbeiten aus der Weimarer Zeit galten als verschollen, bevor sie kofferweise auf einem Trödelmarkt auftauchten und zum großen Teil in den Bestand des Museums Schloss Rheydt übergingen. Eine echte Gladbacher Entdeckung.

  • Mönchengladbach : Bylandt-Gesellschaft wird 65 Jahre
  • Mönchengladbach : Spannendes von der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft
  • Soziales Kunstprojekt : 30 Menschen – 30 gefühlte Momente

Schließlich fasst Museumschef Karlheinz Wiegmann auf 30 Seiten die Neuzugänge des Museums seit 2010 zusammen. Hier wird schnell deutlich, wie etwa so ein kreisrundes Wandrelief wie das um 1520 entstandene Tondo aus der Werkstatt des Della Robbia perfekt in die „stattliche“ Renaissance-Sammlung des einzig in seiner Renaissance-Gestalt erhaltenen Schlosses im Rheinland passt.

Und offenbart, dass ein Museum mit einem Ankaufsetat von 15.000 Euro so etwas nicht aus eigener Kraft stemmen kann. Dafür gibt es den Förderverein, die Bylandt-Gesellschaft, der nach neun Jahren Werner Goertz jetzt Rolf Keuchen vorsteht. Ersterer schaut auf knapp 30 Seiten noch einmal auf die letzten 15 Jahre zurück, in denen sich vieles gut, weniges nicht so gut entwickelt hat. Die Mitgliederzahl bleibt – gegen den Trend – bei rund 650 stabil bis leicht steigend. Was Ulrich Elsen als stellvertretender Vorsitzender als „beeindruckendes bürgerschaftliches Engagement“ auffasst.

Dass das Jahrbuch mit 22 Euro sehr preiswert angeboten werden kann, hat zum einen mit der ehrenamtlichen Arbeit der Autoren zu tun, zum anderen mit den guten Kontakten der Gesellschaft. Auch davon profitiert das Museum immer wieder.

Mehr von RP ONLINE