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Mönchengladbach: Gesamtschule Rheydt-Mülfort beschäftigte sich mit Anne Frank

Schule in Mönchengladbach : Courage zeigen am Anne-Frank-Tag

Die Gesamtschule Rheydt-Mülfort beging Anne Franks 90. Geburtstag mit einem Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus. Auch ein Infomobil war dabei.

Christina und Amina haben sich die Ausstellung zu Anne Frank schon angesehen. Mit dem Fragebogen in der Hand sind sie von Schautafel zu Schautafel gegangen und haben das Leben des Mädchens kennen gelernt, das etwa so alt war wie sie selbst, als es begann, Tagebuch zu schreiben. Zu ihrem 13. Geburtstag hatte das jüdische Mädchen, das sich mit seiner Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam vor dem mörderischen Judenhass der Nazis versteckte und ihm schließlich im KZ Bergen-Belsen doch zum Opfer fiel, ein Tagebuch bekommen. Dieses Tagebuch machte sie nach ihrem Tod weltberühmt und zu einer Symbolfigur für den Holocaust. Die Zwölfjährige Christina und die 13-jährige Amina finden es wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. „Man muss wissen, wie das damals passieren konnte“, sagt Christina. „Es ist krass, zu sehen, was Menschen anderen antun können“, meint Amina. Aber sie ist überzeugt, dass die Deutschen daraus gelernt haben.

Die Gesamtschule Rheydt-Mülfort hatte ihren Aktionstag gegen Rassismus und Antisemitismus auf Anne Franks Geburtstag gelegt, den 12. Juni. An diesem Tag wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. „Das Schicksal des Mädchens erreicht die Jugendlichen“, sagt Lehrerin Marianne Bieler, die zu den Organisatoren des Aktionstags gehört. Über die Beschäftigung mit der historischen Person und ihrem Schicksal hinaus hatte die Schule auch viele Projektpartner eingeladen, die sich mit der aktuellen Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen. Zum Beispiel Mohamed Labari und Michael Sandler vom Projekt Juden und Muslime Deutschland, kurz JuMu, die den Schülern über jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland berichteten, Gemeinsamkeiten aufzeigten, aber auch über gesellschaftliche Ausgrenzung sprachen. Auch der Völkermord kam zur Sprache und berührte die Schüler sehr. „Als ich von meinem Besuch in Auschwitz erzählte, begann ein Mädchen zu weinen“, sagt Sandler, der jüdische Referent. „Das ist noch nie passiert.“ Aber es gab auch Interkulturelles und Interreligiöses zum Anfassen und Schmecken: das JuMu-Angebot umfasst auch ein Halal-Koscheres Catering mit entsprechenden Speisen, die nach jüdischen und muslimischen Speisevorschriften zubereitet sind.

Zum Programm des Aktionstages gehörte außerdem das Infomobil des Kolping-Netzwerks für Geflüchtete, Projektangebote zum couragierten Handeln gegen Diskriminierung, eine Ausstellung von Pro Asyl und eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion.

Die Gesamtschule Rheydt-Mülfort ist seit 2015 „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Schulen dieses Netzwerks haben sich unter anderem verpflichtet, einmal im Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung und Rassismus durchzuführen.