Mönchengladbach: Gerkerather Halle wird abgerissen

Mehrzweckhalle in Mönchengladbach : Gerkerather Halle wird abgerissen

Der Stadtsportbund hat das Grundstück und die Immobilie an das Unternehmen Schotes verkauft. Nach dem Abriss werden zwei Doppelhäuser gebaut. Die Gerkerather sind traurig.

Zunächst war es nur ein Gerücht. Es verbreitete sich im Dorf, und es dauerte nicht lange, da wurde es zur Gewissheit: Die Mehrzweckhalle in Gerkerath wird abgerissen. Der Stadtsportbund hat Grundstück und Gebäude an das Bauunternehmen Schotes verkauft. Sobald die Halle weg ist, sollen auf der Fläche vier Doppelhaushälften entstehen. Der Immobilienmakler Michael Schroeren war vom Stadtsportbund mit der Vermarktung des Gebäudes beauftragt worden. „Zum 1. Oktober wird das Unternehmen Schotes Eigentümer, die Halle soll zügig abgerissen werden, der Bau der Häuser im Frühjahr 2019 beginnen“, sagt er. Vorher müsse die Halle noch geräumt werden.

Die Mehrzweckhalle ist Ende der 1990er Jahre von Bürgern und Vereinen aus Gerkerath, Kothausen und Dorthausen – auch mit eigenen finanziellen Mitteln – saniert und anschließend betrieben worden. „Wir haben das Gebäude 2007 übernommen, weil die Vereine sich zurückzogen oder auflösten“, sagt Johannes Gathen, Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Man habe sich aber jetzt von der Immobilie getrennt, weil sie weder als Sportstätte noch als Veranstaltungsort geeignet gewesen sei. „Der TuS Gerkerath hat sie einmal in der Woche eine Stunde genutzt, ebenso der örtliche Gesangsverein.“

Allein wegen ihrer abgelegenen Lage und der fehlenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei die Halle nicht besonders attraktiv gewesen. Private Feiern habe es in der Halle auch immer wieder gegeben – „meistens allerdings gefolgt von Beschwerden der Anwohner.“ Das Defizit sei gewaltig gewesen. Es lag bei 22.000 bis 25.000 Euro im Jahr. Der Heimatverein und die Schützen aus dem benachbarten Dorthausen haben die Gerkerather Halle zweimal im Jahr genutzt – für die jährliche Proklamation und für das Fest für Menschen mit und ohne Handicap. „Wir haben bereits Ausweichhallen gefunden“, sagt Präsident Wilfried Theißen. Er kann verstehen, dass die Gerkerather nicht glücklich darüber sind, dass sie ihre Halle verlieren. „Dann gibt es im Ort gar keinen Treffpunkt mehr.“ Allerdings habe es nach seiner Wahrnehmung keinen allzu großen Widerstand gegen den geplanten Abriss gegeben.

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Bert Gerkens. langjähriger Präsident des Stadtsportbundes, hat die Mehrzweckhalle 20 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung verwaltet. „Nach mir wollte das keiner mehr machen“, sagt er. „Dass die Mehrzweckhalle abgerissen werden soll, ist schon länger im Gespräch gewesen. Kürzlich hat mein Nachbar in der Halle seinen Geburtstag gefeiert, da ist das Thema erst so richtig hochgekocht.“ Seiner Meinung nach allerdings zu spät. „Die Gerkerather hätten viel früher reagieren müssen“, ist er überzeugt. Jetzt sei der Zug abgefahren. Immerhin seien alle Vereine, die die Halle genutzt hätten, inzwischen woanders untergekommen – in Broich, Hehn und Rheindahlen. Auch für die Kurse des Sportbildungswerks sind andere Räumlichkeiten gefunden worden.

Bert Gerkens, der in Dorthausen wohnt, hat Verständnis dafür, dass der Stadtsportbund sich von der Mehrzweckhalle in Gerkerath getrennt hat. „Finanztechnisch gesehen, gab es gar keine andere Möglichkeit“, sagt er. „Aber für die Gerkerather ist das schlimm, die Strukturen des Dorfs gehen immer mehr verloren.“

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