Mönchengladbach: Gefahr, Diagnose und Therapie bei einem Beininfarkt

Mönchengladbach : Die Krankheit mit den Schaufenstern

Gefäßkrankheiten nehmen zu. Die arterielle Verschlusskrankheit kann lebensbedrohlich sein. Der Beininfarkt etwa ist auch als Schaufensterkrankheit bekannt.

Johannes Kaenders schüttelt das Probengefäß ein wenig. Es klappert ziemlich laut. Was da so eindrucksvolle Geräusche macht, hat der Chefarzt der Gefäß- und endovaskulären Chirurgie des Elisabethkrankenhauses gerade in einer Operation aus der Beckenarterie einer Patientin entfernt. Es zeigt, wie massiv die Ablagerungen sein können, die sich an den Gefäßwänden anlagern und drohen, diese zu verschließen. Die arterielle Verschlusskrankheit (AVK) kann lebensbedrohlich werden.

„Jeder kennt den Herzinfarkt, keiner kennt den Beininfarkt“, stellt Kaenders fest. Die Beine werden am häufigsten von der Verschlusskrankheit befallen. Und an ihnen zeigen sich auch oft die ersten für den Betroffenen erkennbaren ­Symptome. „Die Patienten bemerken die Geh-Einschränkung“, erklärt der Gefäßchirurg. „Nach hundert oder zweihundert Metern werden sie von Wadenkrämpfen befallen und müssen stehen bleiben.“ Deswegen nennt man die Krankheit auch Schaufensterkrankheit – es sieht so aus, als würden die Betroffenen an jedem Schaufenster stehen bleiben, um sich die Auslagen anzusehen. Tatsächlich zwingen aber die Schmerzen zum Stehenbleiben. In dieser Phase kommen die Patienten im Allgemeinen zu den Gefäßmedizinern.

Aber woher kommt die Arteriosklerose? Warum verkalken die Gefäße? Es gibt bekannte Risikofaktoren. Zum einen Alter und familiäre Veranlagung. Unter den übrigen Faktoren sticht einer hervor. „Das Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor“, sagt Gefäßspezialist Christoph Nielen. Aber auch Diabetes, hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen gehören dazu.

Was passiert? An den Gefäßwänden lagern sich Fett, Gerinnsel oder Kalk an. Die Gefäße verlieren ihre Elastizität und werden verengt. Im schlimmsten Fall bildet sich ein Pfropfen und verstopft die Arterie. Oft passiert das an den Beinarterien. „Wir unterscheiden vier Phasen“, erklärt Chefarzt Kaenders. „Zu Anfang bemerkt der Patient keine Symptome, in der zweiten Phase kommt es zu einer Einschränkung der Gehstrecke, dann zu Ruheschmerz und schließlich zu einem Absterben der Zehen.“ Es droht der Beininfarkt.

Welche Therapien gibt es? „Die meisten Patienten sind stabil, wenn sie Tabak- und Zuckerkonsum einschränken beziehungsweise einstellen“, sagt Nielen. „Dazu kommt ein Gehtraining.“ Der Körper ist nämlich in der Lage, Umgehungskreisläufe einzurichten. Dabei hilft Bewegung. „Der Oberschenkelschlagaderverschluss ist so gut zu beeinflussen“, stellt Kaenders fest. Bei einem Beckenarterienverschluss dagegen kommt es eher zur Operation. Aber es gibt noch eine weitere interventionelle Methode, die sehr erfolgreich eingesetzt werden kann: die Rotationsangioplastie. „Es gibt ähnliche Verfahren seit zwanzig Jahren“, berichtet Gefäßradiologe Karl Hajeck. „Mit neuer Technik ist das Verfahren aber deutlich wirksamer, weil sehr viel Material abgesaugt wird.“ Mit 70.000 Umdrehungen werden die Ablagerungen abgefräst, und gleichzeitig abgesaugt. Bei anderen angioplastischen Verfahren werden die Venen mit einem Ballon geweitet oder mit medikamentös beschichteten Ballons werden Wirkstoffe direkt auf die Gefäßwand aufgebracht.

Welche Verfahren für welche Patienten am besten geeignet sind, klären die Gefäßspezialisten in einer Gefäßkonferenz vergleichbar mit der Tumorkonferenz bei Krebs. Damit jeder Betroffene seine individuelle Therapie bekommt. Und nur noch vor den Schaufenstern stehen bleibt, deren Inhalt ihn wirklich interessiert.