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Mönchengladbach: Gedenken an Theo Hespers und die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenken in Mönchengladbach : Hespers träumte von Demokratie

Wie das Gladbacher Haus der Erinnerung der Opfer des Nationalsozialismus und besonders dem Widerstandskämpfer aus Mönchengladbach gedenkt.

Der „Gladbacher Jong“ Theo Hespers bezahlte seinen Widerstand gegen die Nazis und sein Eintreten für ein demokratisches, freies Deutschland mit dem Leben. Er wurde 1943 im Alter von 39 Jahren in der Hinrichtungsstätte Plötzensee in Berlin gehängt. „Ihr werdet, hoffe ich, noch einmal die schöne, neue Zeit erleben, nach der ich mich sehne“, wünschte er seinen Mitbürgern. In einem Manifest zur politischen Zukunft Deutschlands 1938 schreibt er: „So wird das Reich aufgebaut sein auf der Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Menschenwürde.“

Zu diesem Zeitpunkt war er bereits vor den Nazis in die Niederlande geflohen. In Mönchengladbach hält die Theo-Hespers-Stiftung die Erinnerung an den Widerstandskämpfer wach, der im Schatten des Abteibergs aufwuchs, später an der Brunnenstraße in Dahl lebte und sich schon lange vor der Machtergreifung den Schlägertrupps der Nazis entgegenstellte.

Das Gladbacher Haus der Erinnerung wird von der Theo-Hespers-Stiftung, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Geschichtswerkstatt Mönchengladbach und FrauenVita, dem Frauengeschichtsverein, getragen. Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus organisiert das Haus der Erinnerung alljährlich am 27. Januar eine Veranstaltung, in diesem Jahr jedoch macht es die Corona-Pandemie unmöglich. Auf das Gedenken wollen die Verantwortlichen aber nicht verzichten. Zum einen, weil in Deutschland erneut rassistisches, antisemitisches und antidemokratisches Gedankengut hoffähig gemacht wird. Zum anderen aber auch und gerade mit Blick auf die derzeitige Pandemie-Lage.

„Die aktuelle Krise scheint die Spaltung der Gesellschaft zu beschleunigen“, stellt Jutta Finke-Gödde, Historikerin und stellvertretende Vorsitzende des Gladbacher Hauses der Erinnerung, fest. „Einige lehnen die Corona-Schutzmaßnahmen konsequent ab und stehen Andersdenkenden teils unversöhnlich gegenüber. Manche setzen ihre Proteste gegen die Maßnahmen gar mit dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrechtssystem gleich.“ Wer so argumentiere, verkenne, dass die Bundesrepublik ein demokratischer Rechtsstaat sei, in dem niemand wegen seiner Meinung verhaftet, in Lager gesperrt oder gar ermordet werde. „Dass es in Deutschland einmal wirklichen Mut zum Widerstand brauchte, sollte uns Mahnung sein“, betont die Historikerin.

Und Ferdinand Hoeren, Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, ergänzt: „Wenn jemand meint, seine grundgesetzlich garantierten Freiheiten nicht ausüben zu können, weil er aus Gesundheitsschutzgründen ein Stück Stoff vor dem Mund tragen soll, hat einen seltsamen Begriff von Freiheit.“ Jedenfalls nicht den Freiheitsbegriff von Theo Hespers, der, so berichtete sein inzwischen verstorbener Sohn Dirk Hespers, Anfang der 1930er Jahre zu vielen politischen Versammlungen ging, auch zu denen der Nazis. „Er kam oft blutig geschlagen nach Hause, weil er widersprach“, erinnerte sich der Sohn in einem Interview.

Auch nach der Flucht in die Niederlande 1933 und später nach Belgien arbeitete er weiter politisch. 1942 wurde er in Antwerpen verhaftet, nach Deutschland zurückgebracht und am 9. September 1943 hingerichtet.