Mönchengladbach: Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt

Mönchengladbach: Kolumne Denkanstoß : Der Himmel wartet auf uns

Zu Christi Himmelfahrt macht sich unser Autor Gedanken über die Verweltlichung der Feiertage.

Ein bemerkenswertes Wochenende erlebten wir letzten Sonntag. Da waren die dramatischen Verwerfungen der Europawahl, die unser Parteiensystem einmal mehr gründlich durchrüttelten. Da gab es am Samstag das gelungene Double von Bayern München, die in einem spannenden Spiel zum 19. Mal den DFB-Pokal holten. Deshalb war nicht unbedingt der Gewinn die Besonderheit, sondern dass sich Freuden- und Abschiedstränen mischten, denn die Stammspieler Arjen Robben und Franck Ribéry liefen zum letzten Mal für „ihren“ Verein auf. Damit ist das Bindeglied zwischen Sport und Politik an diesem Wochenende genannt; je länger ein Kontinuum dauert, um so eher wähnen wir, dass es immer so sein müsste. Dabei verdrängen wir, was jeder von uns weiß: Alles Irdische hat ein Ende! Und dazu gehören eben auch Wählergunst und Spielerkraft. Selbst unsere Schwüre in den Todesanzeigen trügen: „Wir werden den Verstorbenen nicht vergessen.“ Dagegen steht das Dichterwort: „Länger währt das Reich der Toten / als der Lebenden Gedächtnis.“ (F.G. Jünger, Alter Friedhof)

Wir feiern heute das Hochfest „Christi Himmelfahrt“, ein Brückentag, der unter der Parole „Emanzipation ist keine Einbahnstraße“ sich schon lange zum Vatertag säkularisiert hat. Damit liegt Himmelfahrt im Trend, denn auch andere Festzeiten der Christen können sich einer Verweltlichung kaum erwehren. Weihnachten wird zum Familienfest, die Fastenzeit zur Frühjahrsdiät, und die Kar- und Ostertage brauchen wir für unseren Kurzurlaub, der schönerweise das eigene Urlaubskontingent kaum beansprucht. Doch kommt bei Christi Himmelfahrt die Schwierigkeit mit dem Festgeheimnis noch hinzu. Denn was meint Himmel? Da spotten die einen, dass Christus wohl wie eine Rakete bis hinter den Sirius geflogen sei. Da träumen die anderen genau so töricht von einem Schlaraffenlandeffekt, wo ohne Arbeit und Mühsal Saus und Braus herrschen. Doch solche Vorstellungen sind Verlängerungen des Irdischen in den Himmel hinein und sind damit Etikettenschwindel, tauschen sie doch nur die Worte aus.

Wie alles Irdische ein Ende hat, zeichnet sich Himmel durch Endlosigkeit aus; wie alles Irdische seine Zeit hat, ist Himmel zeitlos. Als Menschen leben wir in Raum und Zeit, deshalb ist Himmel für uns so schwer vorstellbar. Aber das darf uns nicht dazu verführen, ihn auf irdisches Maß zu verkleinern, denn dann schaffen wir ihn ab. Doch Christus hat mit seiner Heimkehr zum Vater gezeigt, dass auch uns dieses Sein bei Gott erwartet. Und er lädt uns ein, unser Denken und Handeln, unser Leben hier und jetzt vor dieser auf uns wartenden Ewigkeit auszurichten. Wo und wann immer uns dies gelingt, strahlt der Himmel in unser Irdisches hinein, und schenkt uns Menschen das Wissen um unsere eigentliche Bestimmung, die sich eben nicht in den Begrenzungen des Irdischen erschöpft.

Viele Menschen unternehmen heute etwas zum Vatertag. Pfarrer Klaus Hurtz erinnert an die Bedeutung von Christi Himmelfahrt. Foto: Jana Bauch

So feiern wir heute weniger die Heimkehr Jesu Christi, sondern die Erhöhung des Menschen. Der Himmel wartet nicht nur auf uns, sondern er befähigt uns, im Irdischen unsere grenzenlose Größe zu leben. Wenn wir dies vergessen, dann schaffen wir uns selber ab! Und daran können kein Double und kein Klimaschutz etwas ändern. Doch wo es uns gelingt, unserer Bestimmung zu entsprechen, da sind uns Zukunft und Ewigkeit geschenkt.

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