Mönchengladbach: Fünf Schützenfest bei hochsommerlichen Temperaturen

Mönchengladbach : Fünf Schützenfeste unter strahlender Sonne

In Neuwerk und Bettrath, in Hardt, Giesenkirchen und in Wanlo kamen die Schützen ganz schön ins Schwitzen.

Neuwerk/Bettrath

Zwei Schützenfeste gab es am vorigen Wochenende im Osten Mönchengladbachs. Sowohl in Neuwerk als auch in Bettrath feierten traditionell je zwei Bruderschaften gemeinsam. Während in Neuwerk die St. Barbara Bruderschaft und die St. Maria Junggesellenbruderschaft zelebrierten, waren es im benachbarten Bettrath die St. Maria Männerbruderschaft sowie die St. Johannes Junggesellenbruderschaft Hoven-Bettrath-Lockhütte. Und obwohl die Bruderschaften der angrenzenden Ortsteile auf Unabhängigkeit und ihr eigenes Schützenfest bestehen, trafen sie sich am gestrigen Sonntag zu einer gemeinsamen Parade auf der Liebfrauenstraße in Neuwerk.

An der Parade in Hardt waren 508 Schützen und 120 Musiker beteiligt. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

„Wirtschaftlicher wäre es wahrscheinlich, wenn man das Schützenfest abwechseln in Neuwerk und Bettrath feiert. Das machen ja viele benachbarte Ortschaften so. Das ist hier aber glaube ich undenkbar“, sagte Besucher Martin Janssen lachend.

Die Giesenkirchener Schützen trafen sich zur Totenehrung auf dem Friedhof. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Vor der großen Parade lud Neuwerks Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer zum Empfang ins Jugendheim ein. Dort begrüßte er unter anderem die Könige der vier Bruderschaften und ihre jeweiligen Brudermeister. „Ich bin froh darüber, dass hier alle so zahlreich erschienen sind. Vorhin habe ich gesagt, dass ich mich kurz fassen werde, aber etwas Wichtiges fehlt noch.“ Begleitet von einem schwarz-silbernen Ehrenstock, führte er seine Ansprache fort: „Dieser Ehrenstock ist ein Zeichen für besondere Leistungen im Rahmen der Schützenfeste. Diesen möchte ich in diesem Jahr Hermann-Josef Gillessen verleihen. Er lebt mit seiner Frau in Bettrath und ist schon seit einer gefühlten Ewigkeit beim Schützenfest dabei und war bis 2010 Kassenwart.“ Die anschließende Parade der vier Bruderschaften kam dann einer Höchstleistung gleich. Bei 30 Grad marschierten die Herren in voller Montur über die Liebfrauenstraße.

Kranzniederlegung und Großer Zapfenstreich am Ehrenmal in Wanlo. Foto: Markus Rick

Aber auch die Besucher ließen sich von den sommerlichen Temperaturen nicht abschrecken und erschienen in Scharen zur Parade. Nur mit Mühe und Not konnte man auf der Straße noch einen Platz im Schatten ergattern. Anwohnerin Inge Platzer störte aber die Sonne nicht: „Wir können uns über das Wetter freuen. Ich stehe für die Parade auch gerne in der Sonne. Schlimmer wäre es doch, wenn es regnen würde. Da kämen wahrscheinlich sehr wenige Menschen.“

Besucher Erhard Dahmen freut sich über das Ereignis inmitten seines Heimatortes: „Ich finde es toll, dass hier so ein Kulturgut aufrecht erhalten wird. Die Bruderschaften haben heute wirklich Nachwuchsprobleme. Aber hier sehe ich viele junge Menschen, die sich der Tradition verpflichtet fühlen.“

Hardt

Die Musik, die aus dem Festzelt kam, war bereits auf den umliegenden Straßen zu hören. Schlager und Popmusik – die Gäste schunkelten im Takt, Kinder sangen und tanzten, und das, bevor sie überhaupt beim Schützenfest angekommen waren. Über das Interesse freute sich Hermann-Josef Hauser, seit 2005 Präsident der St. Nikolausbruderschaft Hardt: „Schon zu unserer Rititi-Party am Mittwochabend waren 1100 Gäste im Festzelt.

Die gute Stimmung war besonders zu spüren, als gegen 15.15 Uhr Alexander Cleuvers als neuer Jungkönig feststand. Unter tosendem Applaus wurde er gefeiert. Fast zwei Stunden lang wurde der Vogelschuss ausgetragen. Schützenkönig ist Benjamin Darge, Minister sind Thomas Overdick und Andy Sasum. Mit Tristan Fels hat Hardt außerdem zum ersten Mal einen Schülerprinz.

Anders als in den letzten Jahren begann die Frühkirmes bereits mit dem Klompenball am Donnerstag statt am Freitag. Dafür endete sie auch einen Tag früher wieder, nämlich am späten Sonntagabend statt wie sonst am Montag. Grund dafür ist besonders, dass die Schützen sich so weniger Urlaub nehmen müssen, wie Hauser erklärt. Außerdem ließe sich so einfacher eine Musikkapelle finden.

Die Parade fand am Samstag gegen 18.30 Uhr statt. „Beteiligt waren 508 Schützen und 120 Mann für die Musik“, so Hauser. Das Schützenfest endete am Sonntag mit den Vogelschüssen, gefeiert wurde noch bis in den späten Abend.

Giesenkirchen

In diesem Jahr haben gleich mehrere Schützenzüge in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft aus Giesenkirchen einen Grund zum Feiern. Auf ihr 50-jähriges Bestehen kann der Artilleriezugzug zurückblicken. Mit Traktor, Mannschaftswagen und Kanone ausgestattet, sind sie ein echter Hingucker bei den Festumzügen. Seit 30 Jahren besteht der Zug Hubertusschützen. Bereits acht Mal stellten sie den Schützenkönig. Auf 25 Jahre blickt der Jägerzug Waidmannsheil zurück. Der Schützenzug, der in den Anfangsjahren durch ihre echten Karabiner auffiel, stellt seit Jahren Kameraden ab, die sich besonders für die gesamte Bruderschaft einsetzen. Aktuell ist hier Rainer Hermes, zweiter Brudermeister, namentlich zu nennen. Auch der Schillzug blickt auf 25 Jahre zurück. Zehnjähriges Bestehen feiern derweil die Wildschützen.

Im Anschluss an die Totenehrung auf dem Friedhof wurden beim Frühschoppen am Sonntagmorgen einige Schützen für ihre langjährige Treue zur Bruderschaft ausgezeichnet. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden Ehrenpräses Karl-Heinz Hendker, Walter Götz und Heinz-Jürgen Meuser, für 25 Jahre Mitgliedschaft Jörg Maibaum, Alexander Ringel, Stefan Vieten, Manfred Esser, Norbert und Jochen Breuer sowie Herbert Buchkremer geehrt. Außerdem erhielten einige Schützen von Bezirksbundesmeister Horst Thoren und Brudermeister Ralf Kremer verschiedene Ehrungen. Dabei wurden der aktuelle Schützenkönig Manfred Könes sowie Peter Pohl mit dem silbernen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Den St. Sebastianus Orden in Gold nahm Hans Goertz entgegen. Roland Kempermann, Uwe Hufschmied und Nico Mikulla, diesjähriger Jungkönig, wurden mit dem silbernen Orden geehrt. Zudem erhielten Pascal Wenzel, David Wenzel, Reinhard Held, Ralf Duks und Michael Deneer den Orden der Schützenbruderschaft in Bronze. Brudermeister Ralf Kremer war von den Festlichkeiten begeistert: „Bei der Festmesse wurde unsere neue Bruderschaftsfahne durch Präses Achim Köhler geweiht. Es war im Vorfeld eine tolle Gemeinschaftsaktion etlicher Schützen, die sich an den Kosten der Fahne beteiligt hatten.“

Wanlo

Das Dorf im Mönchengladbacher Süden war festlich geschmückt. Bunte Wimpel deuteten darauf hin, was die Wanloer am Wochenende vorhatten. Das stand nämlich ganz im Zeichen des Schützenfestes, das bereits am Samstagmorgen begann. Highlight war der Sonntag, an dem der große Umzug durch das Dorf sowie der Frühschoppen in der Turnhalle hinter der Kirche stattfanden. Gute Laune hatten die anwesenden Schützen alle, – trotz der hohen Temperaturen. Die Herren zogen Jacke und Hut aus, und es wurde weiter gefeiert. Auch die Gäste kamen zum großen Teil in luftiger und bunter Kleidung und freuten sich über den strahlend-blauen Himmel. So sieht Brauchtumpflege in entspannter und familiärer Umgebung aus.

Bereits zum vierten Mal gibt es im südlichsten Teil der Stadt keinen Schützenkönig, sondern eine Königin. In diesem Jahr ist es die 36-jährige Kristina Joepen, für die die Festtage sehr wichtig sind. „Ich freue mich schon seit Tagen darauf, mit meinen Freunden und der Nachbarschaft zu feiern“, sagte sie. Das Schützenfest bedeute ihr aber noch viel mehr. „Der Zusammenhalt und das Gefühl der Gemeinschaft, das wir hier spüren, ist unglaublich“, sagte die gebürtige Wanloerin Joepen. „Es war sehr emotional zu sehen, wie viele Leute mir den Rücken gestärkt haben.“

Auf die Parade am Sonntag freute sich Kristina Joepen am meisten: „Bei der Parade können wir von ‚Antonias Wanlo‘ uns als Gruppe präsentieren, wir tragen schöne Kleider und bekommen Zuspruch von den Gästen. Ein wenig emotional werde ich da schon – da kann es durchaus passieren, dass die eine oder andere Träne kullert.“ Das Schützenfest endet am heutigen Montag mit dem Klompenball ab19 Uhr.

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