Mönchengladbach: Fuck-up-Night zum Abschluss der Gründerwoche

Fuck-up-Night in Mönchengladbach : Brust raus und Schuldgefühle abwischen

Bei der Fuck-up-Night berichteten Unternehmer und Manager von Fehlern und vom Scheitern. Ein Ratschlag: „Man muss brutal ehrlich zu sich sein.“

Scheitern als Show – ein neues Geschäftsmodell? Nein, so etwas gibt es bereits, und das Kind hat auch einen Namen: Fuck-up-Night. Knapp 100 Besucher im Theater im Gründungshaus an der Eickener Straße hörten am Samstagabend von Fehlern und wie aus Start-ups Fuck-ups wurden. Das diente nicht vorrangig der Unterhaltung. Die Botschaft dieser Abschlussveranstaltung der Gründerwoche lautete, mit Fehlern lockerer umzugehen und sich nicht entmutigen zu lassen.

„Wir brauchen mehr Try and Error, um nicht unsere Innovationsfähigkeit zu verlieren,“ meinte Moderator Peter Godulla. Es folgte eine kollektive Übung: Aufstehen, gerade hinstellen, Brust raus, Schuldgefühle von der Schulter abwischen – bei sich selbst, aber auch beim Nachbarn. Dann traten vier Redner auf, unter ihnen Marc Fahrig, Geschäftsführer bei Schaffrath. Vor acht Jahren hatte er nebenbei mit der Gründung von Start-ups begonnen. Er erzählte seine Geschichte, die mit dem Tod des Vaters begann: „Ich war 17 Jahre alt und wollte einfach nur Geld verdienen.“ Er habe nicht überlegt, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Im Elternhaus sei er auf Sicherheit konditioniert worden. Marc Fahrig warnte davor, zu schnell zu viel zu wollen. Und Netzwerke sind für ihn „mehr als die halbe Miete“. Sei Appell: „Lernt Leute kennen, die euch weiterbringen.“ Und: „Man muss brutal ehrlich zu sich sein.“

Witali Bytschkow gab an, mit dem Fahrrad von Köln gekommen zu sein, mehr als vier Stunden habe die Fahrt gedauert. Sein Appell: „Man muss sich Zeit lassen, gute Gedanken entwickeln sich langsam.“ Er gab auch einen Tipp, wie man finanzielle Durststrecken meistert: „Weniger konsumieren, dann müsst ihr auch weniger verdienen.“

Matthias Büchs stammt aus Mönchengladbach und lebt in Köln. Bei der RTL-Gruppe erlebte er Aufstieg und Niedergang des Netzwerks wer-kennt-wen.de. Das einstige Erfolgsprojekt hatte gegen Facebook keine Chance. „Wer-kennt-wen nicht rechtzeitig zu verkaufen, war ein großer Fehler“, räumte Büchs jetzt ein. Was ihn damals davon abgehalten hat, war folgender Gedanke: „Ich kann mich doch nicht von meinem besten Pferd trennen.“ Was er gelernt hat: „Integration von Start-ups in Konzerne scheitern – fast immer.“ Heute unterstützt der gebürtige Mönchengladbacher mittelständische Unternehmen beim Aufsetzen von neuen Geschäftsmodellen und berät zudem Start-ups insbesondere bei „Wachstumsschmerzen“.

Wie bitter Scheitern schmecken kann, machte Mauricio Alexander Piper aus Köln deutlich. Er hatte einen Stapel senfgelber Briefumschläge fotografiert, die für Zahlungsunfähigkeit und die damit verbundenen Probleme standen. Das Uhrenprojekt „Wotch“ sei gescheitert, weil kein Geldgeber daran geglaubt habe. Ein Foto aus Silicon Valley zeigte, wie leidensfähig man als potenzieller Firmengründer sein kann. Piper hatte ein winziges Zimmer mit einem anderen Mann gemietet. Beide schliefen abwechselnd im Bett und auf einer schwarzen Luftmatratze. „Meine Aufgabe ist es jetzt, die Kultur des Scheiterns nach Deutschland zu bringen“, erklärte Piper.

Für ihn und alle anderen hatte Moderator Peter Godulla einen Trost parat: „Scheitern gehört zum Unternehmertum wie das Schwitzen zum Sport.“

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