Mönchengladbach: Friedensnobelpreisträgerin liebt Gladbach

Mönchengladbach: Friedensnobelpreisträgerin liebt Gladbach

Menschenrechtsaktivistin Jody Williams besuchte gestern das Huma-Gymnasium. Abends hielt sie einen Vortrag in der KFH.

Bevor Jody Williams die Bühne betritt, möchte sie erst mal eine Verbindung zum Publikum herstellen. "Hi, I'm Jody", stellt sich die Friedensnobelpreisträgerin den rund 70 Schülern im Alter von 16 bis 18 Jahren vor, die gestern Morgen ruhig und fast etwas eingeschüchtert in der Aula des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums sitzen. Sie schüttelt Hände, lächelt, sagt wieder "Hi", geht ein paar Reihen durch - ganz locker, offen, gut gelaunt.

Ihre ungezwungene Art kommt an: "Sie ist sehr nett, sehr menschlich", beschreibt der 16 Jahre alte Niels Kirschke die US-Amerikanerin, nachdem er ihr eine knappe Stunde lang in der Aula zugehört hat. "Ich habe mich ihr sehr nah gefühlt", ergänzt Louisa Carroll. Die Schülerin ist 1997 geboren - in dem Jahr, in dem Jody Williams für ihren Kampf gegen den Einsatz von Landminen den Nobelpreis erhielt.

Nobelpreisträgerin Jody Williams diskutiert mit Schülern im Huma

Am Montag ist die Friedensaktivistin in Mönchengladbach angekommen. Sie machte eine dreistündige Stadtrundfahrt, sah sich das Münster und Schloss Rheydt an, bummelte durchs Minto, aß im "Four Senses". Jetzt ist Jody Williams im Humanistischen Gymnasium, um Jugendliche zu inspirieren. Und das schafft sie auch. Auf dem Weg in die Aula wird sie von Schülern umringt, gibt Autogramme, lässt sich mit ihnen fotografieren. Dann geht sie hinein. Sie schüttelt Hände, setzt sich auf die Bühne, beantwortet Fragen, erzählt von sich und ihrer Arbeit.

Lässig sitzt Jody Williams auf ihrem Stuhl, in schwarzen Jeans und schwarzem Shirt, graukariertem Blazer und knallroten Stiefeln. Die Schüler erfahren zum Beispiel, dass sie als Kind davon träumte, der erste weibliche Papst zu werden. Dass sie auch mal zickig und sehr wütend werden kann, Bier und Fernsehen hasst, Wein und Bücher mag. Sie würde nicht Präsidentin der Vereinigten Staaten werden wollen, findet, Barack Obama habe den Friedensnobelpreis nicht verdient, und ist zuversichtlich, dass die USA doch noch den Vertrag zum Verbot des Einsatzes von Landminen unterschreiben werden.

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"Eine Person alleine verändert nicht die Welt. Das ist eine Legende", sagt die 64-Jährige. "Aber wenn Menschen mit einem gemeinsamen Plan zusammenkommen, können sie die Welt verändern." Es sei nicht genug, sich in sozialen Netzwerken über Missstände auszutauschen: "Man muss etwas tun." Derzeit setzt sie sich unter anderem für ein Verbot von "Killer Robots" ein. Das sind autonome Waffen: programmierte Computer, die herumfliegen, ihr Ziel suchen und entscheiden zu töten. "Schreibt an eure Regierung", animiert Jody Williams die Gymnasiasten.

Sie könnten dazu beitragen, dass Deutschland als erstes Land die "Killer Robots" verbiete. Niels Kirschke hat sie schon überzeugt: "Ich werde einen Brief schreiben. An Günter Krings oder Gülistan Yüksel", sagt der Schüler, bevor er die Aula verlässt. Auch Jody Williams verabschiedet sich. Am Abend hat sie einen weiteren wichtigen Termin: Sie spricht in der Kaiser-Friedrich-Halle. Vier Wochen war die Nobelpreisträgerin in Europa unterwegs, Mönchengladbach ist ihre letzte Station vor der Heimkehr in die Vereinigten Staaten.

"Dienstbesprechung" im "Hochzeitszimmer" der KFH kurz vor dem Vortrag: Jody Williams, ARD-Moderator Sven Lorig und Peter Schlipköter (MGMG). Foto: Isa

Anstrengend seien solche langen Reisen, gibt Jody Williams unumwunden zu. Zu Hause will die Friedensnobelpreisträgerin deshalb erst mal bei ihrem Mann, ihrem Hund und den beiden Katzen auftanken.

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(naf)