Mönchengladbach: Freie Schule öffnet

Elterninitiative in Mönchengladbach: Diese Schule will bis zur achten Klasse ohne Noten auskommen

Keine Noten, kein Frontalunterricht - so sieht das Konzept der neuen Schule Fasan in Mönchengladbach aus. Eine Elterninitiative hat sie ins Leben gerufen. Langfristig sollen hier Schüler ihr Abitur ablegen können.

"Lust und Freude am Lernen sind in jedem Kind verankert", sagt Nadine Laqua überzeugt. "Kinder wollen lernen." Aber sie haben ihr eigenes Tempo, eigene Interessen und Vorlieben. "Nur selbstbestimmtes Lernen ist nachhaltig." Damit sie so lernen können, hat Nadine Laqua, selbst Mutter zweier Kinder, mit gleichgesinnten Eltern eine Initiative gegründet, die nun die erste Freie Aktive Schule in Mönchengladbach eröffnet.

Die Elterninitiative hat sich über Konzepte informiert und schließlich Fasan ins Leben gerufen - die Freie Aktive Schule am Niederrhein. "Wir haben uns am Konzept der Freien Schule in Wülfrath orientiert und es angepasst", erklärt Daniela Bornträger, ebenfalls im Trägerverein aktiv. Fasan soll zum neuen Schuljahr mit einem ersten und einem zweiten Schuljahr den Betrieb aufnehmen. Die Genehmigung vom Land liegt vor, die Lehrer sind eingestellt.

Das Konzept hat Ähnlichkeiten mit dem Montessori-Ansatz: die Kinder lernen in Projekträumen mit Lernmaterialien, nicht im Frontalunterricht. Sie finden sich nach Interesse in altersgemischten Gruppen zusammen. In der Freien Schule fungieren Lehrer als Lernbegleiter. "Es soll ein Miteinander auf Augenhöhe sein, ohne Machtgefälle", erklärt Daniela Bornträger.

Die neue Freie Aktive Schule soll nicht auf die Grundschule beschränkt sein, sondern perspektivisch bis zum Abitur führen. "Am Ende der Schullaufbahn werden die Schülerinnen und Schüler das Gleiche gelernt haben wie in anderen Schulen", stellt Jürgen Steinmetz vom Trägerverein fest. Die Schule darf Abschlüsse anbieten.

Ohne Benotung wird deshalb bis zur achten Klasse gearbeitet, danach werden auch Noten gegeben. "Uns ist wichtig, dass es keine Laisser-faire-Pädagogik ist", sagt Steinmetz, "die Kinder sollen nicht allein gelassen werden." Die Kinder sollen zwar selbstbestimmt und in eigenem Tempo lernen, aber: "Lernschwächen sollen nicht ignoriert werden", betont Steinmetz, der selbst Pädagogik studiert hat.

Lehrer für die neugegründete Schule zu finden, erwies sich als nicht schwierig. "Es gibt viele Lehrer, die das Schulsystem hinterfragen", sagt Nadine Laqua. Die Schulgründer haben viele Bewerbungsgespräche geführt und ein Team von fünf Pädagogen zusammengestellt. Die Kosten für die Schule werden zu 87 Prozent vom Land NRW übernommen, der Rest muss durch Förderbeiträge der Eltern gedeckt werden. "Aber wir wollen keine Eliteschule sein, der Beitrag ist einkommensabhängig", betont Steinmetz.

Mit 24 Schülern soll die neue Schule an den Start gehen. Das Interesse bei den Eltern ist groß. "Es gibt sogar Eltern, die wegen dieser Schule nach Mönchengladbach ziehen", sagt Daniela Bornträger. Fasan wird ihren Platz in den Räumen der Grundschule an der Alsstraße finden. "Wir freuen uns sehr über dieses Gebäude", sagt Nadine Laqua. "Es gibt große alte Bäume auf dem Gelände, viel Grün und die Nähe zum Bahnhof ist auch positiv." Von der Stadt Mönchengladbach habe man sehr viel Unterstützung erfahren, loben die Schulgründer. "Wir haben offene Türen eingerannt."

Obwohl sich schon viele Interessenten gemeldet haben, nimmt die Freie Schule noch Anmeldungen an. "Die Eltern müssen das Konzept mittragen und deshalb ist es wichtig, sich kennenzulernen und auszutauschen", sagt Daniela Bornträger.

(RP)