Mönchengladbach: Folgen der Dürre

Erntebilanz : Was von Dürre und Hitze bleibt

Ernteausfall, trockene Grünanlagen und sauerstoffarme Gewässer – die lang anhaltende Hitze hatte viele Folgen. Etliche Wasserrohrbrüche sind auf sie zurückzuführen, auch Spielgeräte wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Noch ist der Sommer nicht vorbei, doch die Rekordhitze der Monate Juni bis August hat ihre Spuren hinterlassen. 12,6 Prozent weniger Getreide als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre hat es nach vorläufigen Ergebnissen der amtlichen Statistikstelle des Landes in NRW gegeben. Im Landesteil Nordrhein (Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln) ging die Erntemenge um 9,7 Prozent zurück. Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss/Mönchengladbach, schätzt die Ertragsminderung der Weizenernte in der Region auf im Schnitt 10 bis 15 Prozent. In Gegenden mit leichten Böden würden die Einbußen geringer ausfallen. „Grundsätzlich sind wir nicht so katastrophal betroffen wie die Landwirte in Ost- und Norddeutschland“, sagte er. Bei der Gerste „als frühreifendem Ertrag“ geht er von einer normalen Ernte aus. Schlecht getroffen habe es die Kartoffel. „Es kommt darauf an, inwieweit es dem Landwirt möglich war, seine Kartoffelpflanzen zu bewässern“, sagte Wappenschmidt. Je nach dem könne man von bis zu mehr als 50 Prozent Mindererträgen ausgehen. Ähnliche Ernteeinbußen seien bei Obst und Gemüse wahrscheinlich. Die Zuckerrüben-Ernte stehe noch aus.

Die Mags hatte während der Hitzeperiode alle Hände voll zu tun. Im gesamten Stadtgebiet war sie mit drei Containerfahrzeugen permanent im Einsatz. Für die Bewässerung im Schmölderpark und Kaiserpark, im Botanischen Garten, bei Schloss Wickrath und an anderen Grünflächen sei eine Fremdfirma beauftragt worden, sagte Sprecherin Yvonne Tillmanns. Unterstützung bekam die Mags außerdem durch Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr und durch das Technische Hilfswerk (THW). „Durch die Hitzewelle verursachte Verluste in den Grünanlagen sind noch nicht absehbar“, sagte Tillmanns. „Trotz Bewässerung wird es einige immergrüne Pflanzen wie Rhododendren und Azaleen erwischt haben. Aber Genaueres ist noch nicht erfasst.“ Der Baumbestand der Stadt entwickele sich insgesamt positiv.

 Viel Arbeit hatte die Mags mit den städtischen Gewässern. „Der Sauerstoffgehalt im Wasser musste regelmäßig kontrolliert werden. Durch die warmen Temperaturen sinkt er, das ist gefährlich für Tiere und Pflanzen“, sagte Tillmanns. Um eine ausreichende Belüftung zu gewährleisten, habe man eng mit den ortsansässigen Angelvereinen zusammengearbeitet. An einigen Gewässern seien Belüfter eingesetzt worden, im Stadtwald habe man über einen Feuerwehrschlauch Frischwasser und Sauerstoff in den Weiher gebracht. „Wir möchten uns ausdrücklich für die Unterstützung der Vereine, der freiwilligen Feuerwehren und des THW bedanken“, sagte die Mags-Sprecherin. Und: „Sie alle haben dazu beigetragen, dass es den Gewässern der Stadt trotz extremer Wetterbedingungen gut geht.“

Die Feuerwehr hingegen gibt ein erhöhtes Fischsterben an. „In den vergangenen drei Monaten hat es außerdem eine deutliche Zunahme an Bränden im Bereich der Stoppelfelder und Strohmieten gegeben“, sagte Feuerwehrsprecher Josef Straetmans. „Geschätzt war das etwa ein Einsatz pro Tag.“ Auch die Anzahl der Flächenbrände auf den Feldern habe zugenommen. „Es ist uns aber immer gelungen, frühzeitig einzugreifen und den Brand zu beenden.“

Einige Auswirkungen der Hitze und Trockenheit erschließen sich erst auf den zweiten Blick: So war es Aufgabe der Mags, die Spielplätze der Stadt zu kontrollieren. „Im Sommer trocknet das Holz an den Spielgeräten durch die warmen Temperaturen aus, und die Schrauben sitzen locker. Die Kollegen achten hierauf und ziehen die Schrauben sofort nach“, sagte Yvonne Tillmanns.

Gravierende Folgen hatte die Trockenheit unter der Erde: Bei der NEW gingen seit Juli Meldungen von bis zu vier Rohrbrüche am Tag ein. „Die ausgetrockneten Böden verschieben sich und lassen eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Wasserrohren brechen“, sagte eine Sprecherin der NEW. Externe Firmen und Tiefbauer der NEW arbeiteten derzeit unter Hochdruck an den Reparaturen.

Eine Folge der Hitzewelle aber blieb aus: „Wir haben keinen nennenswerten Anstieg an Rettungseinsätzen verzeichnet“, sagte Feuerwehrsprecher Straetmans. Normalerweise sei dies in den Sommermonaten der Fall. „Wahrscheinlich haben die Leute dank guter Aufklärung ausreichend viel getrunken.“

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