Mönchengladbach: Flughafenchef erwartet weiter Defizit

Redaktionsgespräch mit Flughafenchef in Gladbach: „Eine Deckungslücke wird bleiben“

Franz-Josef Kames, Geschäftsführer des Flughafens Mönchengladbach, über Businessflieger und Stellplätze, Flugbewegungen und das Potenzial des Flughafens.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?

Kames Gute Frage. Privat habe ich mich über die Junkers JU52-Uhr gefreut, die mir meine Frau zum 60. Geburtstag geschenkt hat. Beruflich war der Blick auf das Konto des Flughafens sehr erfreulich, denn dort sind letzte Woche knapp 17 Millionen eingegangen.

Die Ablösesumme aus Düsseldorf?

Kames Genau.

Der Flughafen Düsseldorf hat zwar nicht Ihnen, aber der Stadt Mönchengladbach die Mehrheit am hiesigen Flughafen geschenkt und sogar noch besagte Millionen drauf gepackt. Segen oder Fluch?

Kames Es ist die Chance für den Flughafen, sich endlich eigenständig zu entwickeln. Düsseldorf sah bisher keine Möglichkeiten und blockierte hier eher. Ich war leider zum reinen Verwalten verdonnert. Eine fliegerische Entwicklung war nicht vorgesehen, es gab sogar ein Investitionsverbot. Der Flughafen Mönchengladbach dümpelte vor sich hin. Die Entwicklung war trotzdem ziemlich gut. Die Büroflächen sind vermietet, die Stellplätze in den Hallen auch.

Wurde das Potenzial des Flughafens von den Düsseldorfer Gesellschaftern nicht erkannt?

Kames Ganz ehrlich: Riesengewinne wird der Flughafen auch in Zukunft nicht abwerfen. Mein erstes Ziel – und das ist schon ambitioniert – ist die deutliche Annäherung an die Schwarze Null. Im letzten Jahr hatten wir ein Defizit von 2,4 Millionen Euro, das müssen wir erst einmal abbauen. Aber jetzt haben wir die Möglichkeit, uns auch innovativ aufzustellen und zu entwickeln. Einen besseren Gesellschafter als die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach kann ich mir dabei nicht vorstellen. Ich spüre förmlich, wie die Fesseln fallen.

Woher kommt das Defizit?

Kames Zum großen Teil liegt es daran, dass wir die Kosten für die Flugsicherung selbst tragen müssen. Bei internationalen Flugplätzen übernimmt der Bund über die DFS die Flugsicherung, alle anderen müssen selbst dafür aufkommen. Uns kostet die komplette Flugsicherung allein zirka 1,1 Millionen Euro.

Wie ist die aktuelle Situation am Flughafen? Wie viele Flugbewegungen gibt es? Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Kames Die Flughafengesellschaft hat fünfzehn Mitarbeiter und wir arbeiten aufgrund der Betriebspflicht des Flugplatzes 360 Tage im Jahr ganz überwiegend im Schichtdienst von acht Uhr bis 20.30 Uhr. Darunter sind acht Feuerwehrleute, fünf Verkehrsassistenten, die in der Operationszentrale zum Beispiel die Flugbewegungen und alle Dienstleistungen erfassen, eine Sekretärin und ein Techniker. Es gibt 40.000 Flugbewegungen, das sind 20.000 Starts und 20.000 Landungen. Sechzig Prozent davon sind die Schulungsflüge der Flugschüler.

Was viele inzwischen vergessen haben: Der Flughafen hatte einige Jahre lang eine Hoch-Zeit. Von Mönchengladbach aus konnte man nach London oder Usedom starten.

Kames Ja, das war um 2000 herum. Da hatten wir noch bis zu 80.000 Flugbewegungen, 8.000 davon waren Verkehrsflugzeuge. 220.000 Passagiere sind damals in Mönchengladbach abgefertigt worden. Die Flüge nach Usedom haben wir praktisch erfunden. Unser damaliger Marketingleiter hat auf Usedom Kontakt zu Hoteliers aufgenommen, die ein Flugzeug gechartert haben, das dann am Wochenende Usedom anflog. Das hat so gut funktioniert, dass Air Berlin das übernahm und mit einer 737 von Düsseldorf aus abgewickelt hat. Heute hat das die Lufthansa/Eurowings im Programm. Auch der City Shuttle von Air Berlin wurde bei uns getestet und „eingeflogen“, bevor man ihn dann ab Düsseldorf mit B737 fortsetzte.

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Die Zeit des Linien- und Charterverkehrs wird nicht wiederkommen. Wie wollen Sie mit dem Flughafen Geld verdienen?

Kames Gut 60 Prozent unserer Einnahmen stammen aus dem Bereich Vermietung und Verpachtung. Das ist übrigens auch bei anderen größeren Flughäfen so. Mit Luftfahrt allein ist nicht das große Geld zu verdienen, aber der Bereich der Businessflieger ist ausbaufähig. In Düsseldorf ist der General Aviation genannte Bereich auf Dauer wohl ein Auslaufmodell. Die knapp 10.000 Flugbewegungen hätte ich gern in Mönchengladbach. Die Kunden stehen praktisch schon vor der Tür. Was außerdem profitabel ist, sind Unterstellplätze für Flugzeuge. Wir haben jetzt 14.000 Quadratmeter Fläche dafür zur Verfügung. In Vorderfeldnähe könnten wir noch drei weitere Hallen mit Abstellmöglichkeiten für etwa 25 Maschinen errichten. Bei einer Monatsmiete von 1500 bis 2000 Euro pro Flugzeug lohnt sich das. Die Nachfrage ist da. Das alles ginge ohne teure Erschließungsmaßnahmen.

Damit sind aber die Flächen am Flughafen ausgereizt, oder?

Kames Ja, aber ich könnte mir vorstellen, auch die ehemaligen Rheinflugzeugbaufläche oder den nördlichsten Teil der Trabrennbahn dazu zu nehmen. Auch dort könnten Hallen mit etwa 20.000 Quadratmeter Fläche entstehen.

Profitiert der Flughafen von den in der Nähe angesiedelten Werften?

Kames Ja, natürlich. Es gibt Erlöse aus Erbpacht und Miete, und wir bekommen Lande- und vor allem Parkentgelte für draußen abgestellte Maschinen.

Sie setzen verstärkt auf Businessflieger. Brauchen Sie dafür nicht eine längere Landebahn?

Kames Wir brauchen die längere Bahn heute schon, denn gewerbliche Flüge benötigen laut EU-Vorschrift einen Sicherheitszuschlag von 60 Prozent zur Landestrecke, obwohl für das Flugzeug selbst dies technisch nicht erforderlich ist. Auch bei einer um zirka 400 Meter verlängerten Runway würden keine anderen Luftfahrzeuge hier in MGL starten und landen, als dies heute hier schon möglich ist und im nichtgewerblichen Flugbetrieb ja auch stattfindet, der diesem 60-Prozent-Zuschlag (noch) nicht unterliegt. Auch die Werftbetriebe wären an einer längeren Bahn interessiert, weil sie dann größere Maschinen warten könnten. Bei der jetzigen Länge von 1200 Metern, die wir nutzen dürfen, funktionieren Businessflüge vielfach nur, wenn sie keine Volllast haben. Da hängt also viel von der Treibstoffmenge ab. Das heißt, sie können genug Treibstoff für den Flug nach München haben, aber nicht für Athen. Mittelfristig brauchen wir eine Verlängerung auf 1850 Meter. Das Planfeststellungsverfahren wird aber mindestens zwei bis drei Jahre dauern. Bis die Umsetzung kommt, bin ich in jedem Fall im Ruhestand.

Sind noch neue Gewerbeansiedlungen möglich?

Kames Ja, das ist aber sicher auch die Hauptaufgabe der EWMG, unseres neuen Gesellschafters. Es gibt Nachfrage nach Praxisflächen für Sportmedizin zum Beispiel. Das würde gut passen, denn die Spieler könnten direkt eingeflogen werden. Auch ein Hotel könnte interessant sein, denn Werften und Flugschule müssen immer wieder Crew-Gäste unterbringen.

Nun die Mutter aller Fragen: Halten Sie es für möglich, den wirtschaftlichen Erfolg bis 2021 um 2,5 Millionen Euro zu steigern, also das Defizit auszugleichen?

Kames Wir werden es wohl nicht in Gänze schaffen. Aber wir haben zum Beispiel gerade die Genehmigung erhalten, die Landeentgelte im Einzelfall deutlich anzuheben, was insgesamt zu einer Umsatzsteigerung bei den Flughafenentgelten um 50 Prozent führen kann. Auch bei den Businessfliegern waren wir zu günstig. Alles in allem können wir ohne Investitionen Mehreinnahmen von 800.000 Euro erzielen. Mit neuen Hallen und einer Steigerung des Businessverkehrs können wir weitere Erlöse generieren, aber ich schätze, dass langfristig wohl noch eine Deckungslücke von 700.000 Euro bleibt. Ich bin kein Zauberer, aber ich bin hier sehr optimistisch, denn der Flughafen hat Potenzial.

Das Gespräch führten Denisa Richters, Dieter Weber und Angela Rietdorf.

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