Mönchengladbach: Finanzexpertin Sandra Navidi sprach an der Hochcshule Niederrhein

Mönchengladbach : Einblicke in die Welt der Finanzelite

Die gebürtige Gladbacherin Sandra Navidi ist eine international renommierte US-Finanzexpertin. Im Wirtschaftsforum der Hochschule Niederrhein hielt sie einen spannenden Vortrag.

Seit 21 Jahren besteht an der Hochschule Niederrhein das Veranstaltungsforum „Banking and Finance“. Bernhard Müller, Professor für Finanzwirtschaft an der Hochschule, hatte es initiiert. Zum Jubiläum im vergangenen Jahr kam NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper zu einem Vortrag. Jetzt ist Müller der Coup gelungen, die Finanzexpertin, Juristin und Publizistin Sandra Navidi für einen Gastauftritt an die Webschulstraße zu holen. Heimspiel für Navidi: Die Tochter einer Deutschen und eines Iraners ist in Mönchengladbach geboren und aufgewachsen.

Im Audimax präsentierte die in New York City lebende Navidi dem Publikum die Buchinhalte ihres preisgekrönten Bestsellers „Super-hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren“. Als Super-hubs bezeichnet Navidi die am besten vernetzten Menschen innerhalb der globalen Hochfinanz. Zu einigen hält sie persönliche Kontakte. Navidi macht 147 Unternehmensvertreter vornehmlich aus der Finanzwirtschaft aus, die als weltweiter Kern unzählige Betriebe und Firmen beeinflussen. Dabei sind es die starken, in der Regel auch privaten Beziehungen der immer gleichen, in der Regel männlichen Akteure zueinander, die dieses Machtgefüge ausmacht. Das komplexe, sich selbst organisierende System hat einen entscheidenden Haken: Ihm fehlt jede Kontrollinstanz. Und die, so Navidi, kann dazu führen, dass dieses System implodiert, mit direktem Einfluss auf die Zukunft von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. „Das haben wir 2008 bei der Lehman-Pleite gesehen“, sagt sie. Die Situation habe sich seitdem nicht verbessert, eher im Gegenteil: „Das System weitet sich aus. Große Anteile des Bruttoinlandsproduktes wandern in den USA ab aus der Realökonomie und hinein in die Finanzwirtschaft. Dieser Finanzmarkt-Kapitalismus verteilt Geld nach oben und hungert die US-Mittelschicht aus.“ Am Ende aber macht Navidi ihrem Publikum Mut: „Wir müssen lernen, anders zu denken, ganzheitlicher und globaler statt nur schrittweise und protektionistisch. Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten.“

Mut hat sie selbst von Kindesbeinen an bewiesen. Der Vater erzog sie streng, Freizeitbeschäftigungen gab es wenige. Die Tochter durfte nur deswegen in einem Günhovener Stall Reitunterricht nehmen, weil ihrer Mutter auch Reitsport betrieb. Zum Basketballspielen stahl sich die junge Navidi heimlich ins JHQ. „Ich hatte immer schon einen Hang zu allem Anglo-amerikanischen“, schmunzelt sie. Folgerichtig siedelte sie nach zweijähriger Beschäftigung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in Düsseldorf 2001 nach New York City über.

Heute ist Sandra Navidi Chefin der Unternehmens- und Strategieberatungsfirma Beyond Global. Dort berät sie die Vorstands- und Geschäftsführungsebene internationaler Firmen, Finanzinstitute und Family Offices. Sie ist eine echte Pionierin, die Deutschland und die USA zu gleichen Teilen als ihre Heimat sieht. In Mönchengladbach ist sie alle zwei Monate, um ihre Familie zu besuchen. Kommt sie irgendwann ganz zurück? „Vielleicht, man soll nie nie sagen“, sagt sie.

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