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Mönchengladbach: Familie Micha gibt letztes Balkon-Konzert in der Corona-Pandemie an der Rubensstraße

An der Rubensstraße in Mönchengladbach : Das letzte Balkon-Konzert von Familie Micha

An der Rubensstraße hat sich in Zeiten von Corona eine kleine Tradition entwickelt: Jeden Sonntag spielt Familie Micha aus Mönchengladbach von ihrem Balkon ein Konzert. Nun gibt es die Abschiedsvorstellung.

Sonntags, 18 Uhr, Bunter Garten, Ecke Rubensstraße. Seit dem 22. März, seit 13 Wochen also, ist dieser Termin ein besonderer im Kulturleben vieler Leute in Mönchengladbach: Jeden Sonntag gibt Familie Micha, die mit Vater, Mutter und den Kindern im Eckhaus lebt, ein Konzert. Denn die Michas sind nicht nur musikalisch, sondern auch engagiert. Und als Corona auf einen Schlag das kulturelle Leben lahmlegte, setzte sich Vater Topher ans Keyboard, Johanna nahm ihre Posaune, Luzi die Trompete und Moritz die Gitarre. Zu viert stimmten sie seitdem vom Balkon ihres Hauses „Freude, schöner Götterfunken“ an.

Spaziergänger auf den Wegen hielten an, Nachbarn sperrten verwundert die Fenster auf oder kamen aus ihren Häusern. Andere brachten ein Gläschen Wein mit und eine Picknickdecke – und genossen an der frischen Luft die junge, jazzige Musik der Familie. Am Sonntag nun geht die Ära der Micha’schen Corona-Konzerte zu Ende. Die beiden ältesten Kinder fahren wieder zurück in ihre Studentenbuden nach Essen, wo sie Musik studieren.

Es zieht wieder Alltag ein ins Familienleben, das für drei Monate unerwartet eng, intensiv und, wie Mutter Silke sagt, „total harmonisch“ war. Wenn’s nicht regnet – und ausgefallen ist noch keines der 13 bisherigen Konzerte – gibt es Sonntag ein letztes Mal Musik vom Balkon an der Rubensstraße.

An die 70 Stücke hat die Familienband in den vergangenen Wochen erarbeitet und aufgeführt. Inspiriert vom hoch motivierten Vater, der immer wieder neue Ideen einbrachte, was die Leute draußen gern hören würden. Die Kinder, die mit Schlagzeuger Amon Verlinden als Gruppe Fourfold auch eine ausgezeichnete Band sind, ließen sich immer gern auf die abendlichen Proben ein. Und genossen den Beifall, den ihre Konzert-Aktion regelmäßig auslöste. Neben dem Stammpublikum wunderten sich je nach Sonnenschein mehr oder weniger zahlreiche Passanten über das musikalische Angebot vom Balkon.

Manchmal versammelten sich so viele Musikfreunde auf den Parkwegen, sodass das Ordnungsamt vorbeischaute, um die Abstandsregeln zu überprüfen. Ab und zu stand nach dem Konzert auch eine Flasche Wein vor der Haustür, mal bekam Mutter Silke ein Couvert zusteckt – für die Bandkasse. Die Familie hatte jedenfalls jede Menge Spaß bei der Aktion, die jetzt ihr Ende findet. Ob am Sonntag Vater Topher am Keyboard sitzt oder Fourfold in Originalbesetzung spielt, entscheidet sich kurzfristig. Hörgenuss ist so oder so garantiert.

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