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Mönchengladbach: Experten reingigen Medizinprodukte

Medizin in Mönchengladbach : So bereiten Kliniken OP-Besteck wieder auf

Instrumente für Operationen und andere Medizinprodukte werden in Krankenhäusern nach dem Einsatz oft wiederaufbereitet. Wir erklären, wie.

Operieren ist Vertrauenssache – nicht nur für den Patienten, der sich einem Operateur anvertraut. Sondern auch für den Arzt, wenn er zum OP-Besteck greift. Denn dann muss er sich auf die korrekte Arbeit von Kollegen in der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP)  verlassen können. Deren Aufgabenfeld umfasst Reinigung, Desinfektion, Prüfung, Verpackung, Sterilisation und Transport von Medizinprodukten in den Kliniken.

„Unsere Aufgabe ist, Instrumente werterhaltend aufzubereiten und ein benutztes Instrument in den Zustand zu bringen, dass es neuwertig funktioniert und frei von Krankheitserregern ist“, erklärt Marianne Wagner-Hecker. Die Leiterin der AEMP an den Kliniken Maria Hilf ist als ausgebildete Krankenschwester, OP-Schwester, Fachkraft für Medizinprodukte, Pädagogin und Dozentin fachlich ziemlich breit aufgestellt.

Um qualifiziertes Personal ans Haus zu binden, bildet das Krankenhaus in der Praxis und teilweise auch in Theorie aus. Im Team mit 23 Vollzeitstellen seien auch viele Quereinsteiger, sagt Wagner-Hecker. Sie müssten technisches Verständnis, rationales und wirtschaftliches Denken, Kenntnisse in Mathematik, Chemie und Physik mitbringen: „Wegen der Vielzahl der Infektionserkrankungen ist ein hohes fachliches Wissen und eine qualifizierte Aufbereitung der Instrumente nach den gängigen Qualitätsvorschriften notwendig.“

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In der Aufbereitungseinheit der Kliniken Maria Hilf können die Medizinprodukte in einem Zeitraum von vier Stunden wieder hergestellt werden. Die Abteilung verfügt über eine eigene Wasseraufbereitungsanlage und eine Chemieanlage. „Je höher Salz- und Mineralstoffgehalt sind, desto schädlicher ist das für die Instrumente, denn desto eher können sie rosten. Wir brauchen vollentsalztes Wasser“, erklärt Wagner-Hecker.

In den „unreinen Bereich“ der Abteilung wird in geschlossenen Transportwagen alles hineingefahren, was bei Operationen und am Patienten benötigt wurde, um Kontaminierungen auszuschließen. Hier wird in hochspezialisierten Waschmaschinen und weiteren Geräten alles gereinigt, desinfiziert und sterilisiert, einschließlich der Transportwagen.

Wegen der Vielzahl der operativen Eingriffe und Fachabteilungen sei es wichtig die Vielfalt der Instrumente mit unterschiedlichen Legierungselementen zu beachten, sagt Wagner-Hecker. Wenn ein Instrument fehlt, muss es ausgetauscht werden. Dafür gibt es ein sogenanntes „Nachlegelager“. Die filigranen Teile in den Schubladen für minimal invasive Eingriffe bezeichnet Marianne Wagner-Hecker als die „Königsklasse“. Für eventuell nötige Reparaturen kommen in kurzen Abständen Service-Techniker, damit nicht etwa eine Operation wegen technischer Probleme verschoben werden muss.

Die genaue Dokumentation aller Aufbereitungsschritte ist wichtiger Bestandteil der Arbeit. Jeder Arbeitstisch ist mit einem Computer bestückt, an dem Mitarbeiter die aufgeführten Instrumente mit Artikelnummer und Bild nachverfolgen. Sind die Listen abgearbeitet, werden die zusammengestellten Instrumentensiebe verpackt und mit Plomben versiegelt, so dass deren Unversehrtheit für die Anwendenden erkennbar ist. Am Ende der komplexen Arbeitskette werden die verplombten Instrumentensiebe in wiederum verschlossenen und verplombten Wagen den „schneidenden Abteilungen“ Chirurgie, Unfallchirurgie, Urologie, Gefäßchirurgie, HNO und Neurologie zugeordnet.

„Die Sicherheit des Medizinproduktes ist jederzeit gewährleistet. Wir arbeiten mit doppelter und dreifacher Sicherung“, verspricht Wagner-Hecker. Da die Hygienevorschriften ohnehin hoch sind, hat die Corona-Pandemie die Arbeit in der Aufbereitungseinheit nicht verändert. Als neue Herausforderung nennt Wagner-Hecker die Vorbereitung auf die Etablierung computergesteuerter Instrumentalchirurgie. Dafür wurde bereits ein Experten Team etabliert.