Mönchengladbach: Ex-OB Bude wird zum Zar

Historienspektakel in Mönchengladbach : Bude, Zar und Frauenzimmer

Beim historischen Spektakel zum Stadtschützenfest wird Peter, der Große, im Mittelpunkt stehen.

Wenn Gladbachs Schützen in die Geschichtskiste greifen, dann, um etwas Großes ans Licht zu befördern: Nach Cäsar und dem alten Fritz, nach Bismarck und Napoleon muss jetzt der wohl berühmteste russische Zar als Vorlage für das Historienspektakel beim Stadtschützenfest herhalten. Am 2. September gibt sich Zar Peter I. („der Große“) die Ehre und erscheint höchstselbst und hoch zu Ross auf dem Alten Markt – als Vorreiter für 2500 Niederrhein-Schützen und Musikanten.

Die geschichtsträchtige Begründung für den Besuch ist die belegte Tatsache, dass der Russen-Zar (zu sehen und hören auch in der Oper „Zar und Zimmermann“) vor weit über 300 Jahren in die Niederlande reiste und sich dort verdingte, um das Schiffshandwerk zu erlernen. Auf seinem Weg von Berlin, so spekuliert in gewohnt geistesakrobatischer Weise Schützenchef Horst Thoren, könnte der Zar nebst Gefolge auch durch Gladbach gekommen sein. Vielleicht, so spekuliert er lustig weiter, machte Peter sogar hier Station, um im benachbarten Korschenbroich in der ältesten Altbier-Brauerei der Welt (Bolten) auf den Ur-alten Geschmack zu kommen. Zumindest hätte er sich dabei fürstlich laben können!

Barbara Gersmann und Norbert Bude beim Stadtschützenfest 2017 als Kaiserpaar Otto und Adelheid. Jetzt wird der Ex-OB zum Zar. Foto: Mario Winkler / Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften/Mario Winkler

Nüchtern betrachtet hätte Ihro Majestät ohnehin einiges erleben können, so sie denn Rast im unmittelbaren Umland genommen hätte. Nun – das lässt sich spielend nachholen!

Denn fürwahr wird der Zar bei der Schützenparade die Hauptrolle spielen! Beziehungsweise – er wird gespielt. Allerdings nicht in Gestalt des auf Prinzen- und Fürstenrollen aller Art spezialisierten Michael Schroeren. Der kommt für diese Rolle aufgrund mangelnder Körperlänge leider nicht in Betracht. Immerhin maß der reisende Zar über zwei Meter und war damit deutlich höher als die Geistesgröße aus Eicken.

Nun hätten die Schützen, im Kreis der altbewährten Kostümgruppe, reichlich fündig werden können. Hochgeschossene – vom alterslosen NEW-Chef Frank Kindervatter bis zum länglichen Medizin-Professor Christoph Müller-Leisse – standen raumgreifend zur Verfügung. Doch man entschied sich am Ende für den zumindest reiterlich überragenden Norbert Bude, der für jeden Spaß zu haben und naturbegabter Verwandlungskünstler ist.

Der Ex-OB kommt also als Zar und bringt als Zimmermanns-AzuBiene (aus Holland) Barbara Gersmann mit. Damit ist das Traumpaar des Vorjahres wieder mittendrin und beim Stadtschützenfest in historischer Hülle zu bestaunen. Kein Zweifel, dass Norbert Bude dem historischen Vorbild nicht nur im Äußerem, sondern auch im Auftritt gerecht werden wird. Denn, so ist den Aufzeichnungen der Brandenburgischen Kurfürsten zu entnehmen: Peter war ein prächtiger Mann (Zitat: „...sein Gesicht ist sehr schön und er hat einen edelgebauten Körper“), der Frauen umgarnen konnte. „Er ist sehr humorvoll, seine Antworten sind scharfsinnig.“ Na? Kommt uns das nicht bekannt vor?

Allerdings hatte der Zar seine eigene Art des öffentlichen Gebarens („wenn er nur nicht so bäuerische Manieren hätte“). Hier muss der Ex-OB Bude wohl oder übel zumindest noch ein markiges Rülpsen üben! Wir werden sehen und hören!

Wer dieses und sonstiges erleben will – unter anderem auch die historische Truppe „Auf Zack im Frack“ aus anderer Zeit (Gladbacher Schützenfest von 1836) sollte am 2. September in die Oberstadt kommen! Am Alten Markt zeigen sich Zar und Zimmermann, Frackträger sowie rheinische Schützen und Musikanten dem Volke. Ab 15 Uhr, wenn sich nach und nach der Festzug formiert und durch die Besucherströme marschiert, die zum verkaufsoffenen Sonntag nach Gladbach kommen.

Das kombinierte Shopping- und Brauchtumserlebnis hat seinen Höhepunkt um 16.15 Uhr bei der Festparade unter dem Kommando von General Lothar Erbers, den Bürgermeister Michael Schroeren als Vorreiter unterstützt. Die Erlaubnis zum Marschieren erteilt Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners, der aber auch selbst strammstehen muss – zumindest beim abschließenden Zapfenstreich mit Hymne.

Die fröhliche Auflösung beim Feldlager auf dem Kapuzinerplatz bietet Musik und Tanz bei kühlen Getränken und zünftiger Kirmeskost. Eine gute Gelegenheit, mit „Gladbacher Promis“ die Stadt und das Brauchtum hochleben zu lassen. Denn zum Stadtschützenfest lüften beim Bier honorige Banker (wie Hartmut Wnuck von der Sparkasse und Franz-Dierk Meurers von der Volksbank), emsige Landespolitiker (wie Frank Boss und Jochen Klenner) und andere Gesellschaftsgrößen (wie die Karnevals-Bosse Bernd Gothe und Gert Kartheuser, Karikaturist Nik Ebert, Chefarzt Ralf Dürselen oder Polizeipräsident Mathias Wiesselmann) den Zylinder und manches Geheimnis aus dem Räderwerk der großen Stadt.

Und damit beim Treff der großen Tiere (Zar!) das Soziale nicht vergessen wird, ist Monika Bartsch dabei, die mit Tochter Sabine für die Gladbacher Tafel sammelt.

Die Schützen versprechen, dass der Rubel rollt – für den guten Zweck.

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