Mönchengladbach: Europa in der Stadt

Menschen, Geld und Lebensart : Europa in Mönchengladbach ist Pizza und Pahlkebad

Mit Gladbachs Europaplatz ist es ein bisschen wie mit der EU: Manche finden ihn missraten, dabei ist er wichtig für die Stadt. Überhaupt steckt mehr Europa in Mönchengladbach, als man ahnt.

Die Menschen Die Generation ihrer Groß- und Urgroßväter kam einst als Besatzungsmacht nach Mönchengladbach, doch das dürfte für kaum einen der 561 Briten, die fast 75 Jahre später in der Stadt leben, noch eine Rolle spielen. Eben sowenig, dass die Gladbacher nach Nationalsozialismus und Weltkrieg Demokratie und Achtung der Menschenrechte unter der Ägide der britischen Rheinarmee wieder erlernen mussten. Das Miteinander zwischen eingeborenen Rheinländern und zugewanderten oder zugeborenen Briten funktioniert heute geräusch- und reibungslos. Im Großen und Ganzen gilt das auch für die übrigen 19.529 Menschen aus EU-Staaten, die der Bevölkerungsstatistik zufolge am 31. Dezember 2018 in Mönchengladbach lebten – auch wenn es dem ein oder anderen Eingeborenen immer noch leichter fällt, Pizza in seinen Speiseplan zu integrieren als Nachbarn aus Osteuropa in sein Weltbild. 20.090 Mitbürger mit Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Landes – das ist ganz schön viel Europa in Mönchengladbach mit seinen 270.429 Einwohnern am Stichtag. Und es könnten sogar noch bis zu 18 Malteser und Zyprioten mehr sein. Denn Nationen mit weniger als zehn in Mönchengladbach lebenden Vertretern weist die Statistik nicht gesondert aus. Das größte Kontingent stellen mit 4.006 Mitbürgern die Polen, gefolgt von Rumänen (2861) und Bulgaren (2647). Aber selbst die – statistischen – Schlusslichter, die Luxemburger, könnten mit 17 Männern und Frauen eine ordentliche Karnevalsgesellschaft mit Elferrat bilden.

Die Vereine In der Vereinsmeierei sind die Deutschen EU-weit führend. Vielleicht ist dieses allgegenwärtige Kulturphänomen nicht unschuldig daran, dass sich auch die Mönchengladbacher aus anderen EU-Staaten zu Vereinen zusammenschließen. Die Griechen etwa haben nicht nur einen Eltern- sondern auch einen Frauenverein; Spanier treffen sich in einem Elternverein und einer Katholisch-Spanischen Gemeinde; Italiener sind sogar in landsmannschaftlicher Fraktion als Circolo Sardo organisiert; den eindeutig wohlklingendsten Klub haben Portugiesen mit der Associaçao Portuguesa de Mönchengladbach.

Das Geld Es wäre wahrscheinlich eine Doktorarbeit nötig, genau zu ermitteln, wie viel von den deutschen Überweisungen an die EU schon nach Mönchengladbach zurückgeflossen ist. Denn die Zahl der Fördertöpfe, aus denen EU-Mittel von Lettland bis Portugal in Sozial-, Kultur,- Bildungs-, Forschungs- und Wirtschaftsprojekte fließen, ist Legion. Ein flüchtiger Blick auf einige Projekte aus jüngerer Zeit zeigt, wie viel EU auch im Stadtbild sichtbar ist. Zum Beispiel im Pahlkebad, im Hugo-Junkers-Park, am Rheydter Markt. Was die Stadt dort umgestaltet und renoviert hat, wurde im 27 Millionen Euro teuren Projekt „Soziale Stadt Rheydt“ nicht nur aus Bundes- und Landestöpfen bezuschusst, sondern auch von der EU. In einer zweiten Runde geht es für fast sechs Millionen bis 2020 unter anderem mit dem Ausbau der Limitenstraße weiter. Auch darin steckt EU-Geld, ebenso im Gladbacher Pendant „Soziale Stadt Gladbach & Westend“, das sich für zunächst 10,6 Millionen Euro zwölf Einzelmaßnahmen widmen wird – darunter der Gestaltung einer Westend-Promenade, einer Aufwertung von Hans-Jonas-Park und Geropark, der Altstadt und des Platzes der Republik.

Die Renovierung des Pahlkebads ist unter anderem mit EU-Mitteln finanziert. Fürs Aufhübschen von Hans-Jonas-Park und Platz der Republik fließen auch Fördergelder aus Brüssel. Foto: Gisbert Fongern
Der Sonnenhausplatz soll in den Hans-Jonas-Park übergehen. Der Park wird neu gestaltet. Foto: Dieter Weber
Platz der Republik. Foto: Ilgner Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

Gladbachs Mini-EU Eine Art-Miniaturausgabe der EU-Verwaltung gibt es im Nordpark. Dort hat die Geschäftsstelle der Euregio Rhein-Maas-Nord ihren Sitz. Der Verbund von deutschen und niederländischen Kommunen und Handelskammern versucht seit 1978, eine stärkere grenzüberschreitende Kooperation vor allem in Kultur, Wirtschaft und Bildung zu befördern, ebenfalls mit Geld aus Brüssel. Allein seit 1989 waren es rund 80 Millionen Euro. Die Gladbacher Geschäftsstelle managt das für den Raum zwischen Gennep, Düsseldorf, Dormagen, Selfkant und Nederweert.

Mehr von RP ONLINE