Mönchengladbach Ein Betreuungsmodell, von dem alle profitieren

Mönchengladbach · Fehlende Ogata-Plätze sind ein Problem: Ohne Nachmittagsbetreuung finden Mütter keinen Job und viele Kinder keine Unterstützung bei den Hausaufgaben. Im Paul-Schneider-Haus gibt es eine Lösung.

 Im Paul-Schneider-Haus werden Schüler  bei den Hausaufgaben von Fachkräften betreut.

Im Paul-Schneider-Haus werden Schüler bei den Hausaufgaben von Fachkräften betreut.

Foto: Gabi Peters

Es ist eine Krux: Mütter, die nach der Elternzeit in den Beruf zurückkehren wollen, bekommen oft keine Stelle, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder haben. Einen Betreuungsplatz gibt es aber häufig nur, wenn die Frau einen Job nachweisen kann. „Verrückt, nicht wahr“, sagt Samira Rippegather. Die Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Pfiffikus hat diese Not der Mütter häufig erlebt. Der Grund: Es gibt in der Stadt zu wenig Ogata-Plätze (Offene Ganztagsbetreuung). Und das sei auch für viele Kinder schlecht. „Kinder, die zu Hause keine oder nur Unterstützung bei den Hausaufgaben finden, haben es in der Schule schwerer“, sagt Samira Rippegather. Und so fasste sie einen Entschluss: Sie baute mit der Mumm Familienservice gGmbH  selbst eine Ogata-Gruppe auf.

„Frauen suchten dringend Betreuungsplätze für ihre Kinder, und ich hatte junge Frauen, die bereit waren, die Betreuung zu übernehmen“, sagt sie. Ganz so einfach war es dann doch nicht mit der unkonventionellen Lösung. Ohne die Hilfe der evangelischen Friedenskirchengemeinde, die kostenlos Räume im Paul-Schneider-Haus zur Verfügung stellt, wäre es nicht gegangen. Und dass für das Angebot Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Anspruch genommen werden dürfen, war auch nicht unbedingt selbstverständlich. Und obwohl dies alles klappte, ist Samira Rippegather noch ständig auf der Suche nach Sponsoren, damit das erfolgreiche Modell fortgesetzt werden kann.

15 Kinder der Grundschule an der Charlottenstraße kommen täglich nach Unterrichtsschluss in das Paul-Schneider-Haus. Kinder, deren Mütter berufstätig sind, und Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern noch zu wenig Deutsch sprechen, um bei den Hausaufgaben helfen zu können. Die pädagogischen Fachkräfte und Mini-Joberinnen Laura Porsche und Beata Meier sowie Honorarkraft Alexandra Rippegather, die gerade ihr Studium beendet hat, betreuen die Kinder zwischen 11 und 16 Uhr. „Wir stellen uns auf den Stundenplan der Kinder ein“, sagt Beate Meier. Am Nachmittag werden gemeinsam Hausaufgaben erledigt. „Wenn die Kinder nach Hause kommen, haben sie fertig korrigierte Hausaufgaben in der Tasche“, sagt Laura Porsche. Außerdem wird im Paul-Schneider-Haus gemeinsam gegessen und, wenn die schulischen Dinge erledigt sind, auch gespielt. Einige Kinder sind bereits zwei Jahre in der speziellen Ogata. Und ihr Fortschritt ist zum Teil enorm. Das zeigt sich auch bei den Zeugnisnoten. „Der Junge aus Syrien, der anfangs enorme Schwierigkeiten in der Schule hatte, hat jetzt eine Eins in Mathe und ist ganz stolz“, berichtet Samira Rippegather. In der Gruppe lernen die Kinder mit Migrationshintergrund schnell deutsch. „Auch soziale Kompetenzen werden hier vermittelt“, sagt Beata Meier, „zu Hause herrschen oft andere Regeln als bei uns, weil wir hier auch auf mehr Kinder achten müssen.“

Von den Eltern gebe es nur positive Rückmeldungen, berichtet Laura Porsche. Die Nachfrage nach den Plätzen in der besonderen Ogata ist groß. Alexandra Rippegather: „Von daher könnten wir noch viel mehr Kinder aufnehmen.“ Zurzeit werden nur Schüler der Grundschule Charlottenstraße aufgenommen. Die Grundschule Schulstraße hätte auch Interesse. Aber dafür fehlen die Räumlichkeiten. 95 Euro zahlen die Eltern pro Monat für einen Betreuungsplatz. Enthalten ist das frisch gekochte Essen. Eigentlich reicht das Geld nicht. „Aber für einige Eltern ist dieser Betrag schon schwer zu stemmen“, sagt Samira Rippegather. Und deshalb wird sie wieder auf Spendensuche geben.

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