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Mönchengladbach: Elektrobusse verzögern sich

Mönchengladbach : E-Busse fahren erst in einem Jahr

Die ersten Fahrzeuge mit Batterien sollten schon Anfang 2019 auf der Linie 033 fahren. Nun verzögert sich die Lieferzeit wohl bis ins zweite Halbjahr 2019. Klar ist inzwischen der Hersteller: Es ist die Firma Sileo aus Salzgitter.

Die ersten Elektrobusse sollten eigentlich ab Anfang 2019 durch Mönchengladbach fahren. Doch so schnell wird daraus nichts. Wie unsere Redaktion aus Kreisen der NEW erfuhr, wird es wohl bis ins zweite Halbjahr 2019 dauern, bis vier Elektrobusse auf der Linie 033 zwischen Eicken und Venn fahren. Das bestätigte Wolfgang Opdenbusch, Geschäftsführer der für den Nahverkehr zuständigen NEW Tochter Mobil und Aktiv. Grund ist das relativ plötzlich aufgekommene große Interesse an Elektrobussen bei verhältnismäßig wenigen Anbietern. „Die Lieferzeit der Busse hat sich von sechs auf zwölf Monate verdoppelt“, sagt Opdenbusch.

Auf die Ausschreibung für die Elektrobusse haben ursprünglich elf Anbieter ihr Interesse bekundet. Fünf davon haben dann ihre Teilnahme angekündigt, aber nur noch drei auch ein Angebot abgegeben. Zum Zuge kommen soll jetzt der erst vor vier Jahren gegründete deutsch-türkische Anbieter Sileo aus Salzgitter. Das Unternehmen baut einerseits die Ladeinfrastruktur auf dem Betriebsgelände an der Rheinstraße und liefert auch die vier Fahrzeuge. Elektrobusse des Unternehmens fahren bereits etwa in Salzgitter, Hamburg und Bonn. Bei dem Hersteller hatte es im August 2017 in einer Werkshalle gebrannt, wodurch sich Lieferungen etwa nach Aachen verzögerten.

Mit Geld vom Bund und Land soll das Gladbacher E-Bus-Projekt gefördert werden. Die Gesamtinvestition für die Anschaffung der Busse und den Bau der Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof an der Rheinstraße soll rund drei Millionen Euro kosten. Etwa die Hälfte davon wird gefördert, den Rest muss die NEW selbst aufbringen. Konkret bedeutet dies: Der Bau der Infrastruktur, also der Ladeeinrichtung, wird zu 90 Prozent gefördert. Den Kauf der Busse muss die NEW zum großen Teil selbst bezahlen. 60 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu einem Bus mit Dieselantrieb werden vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gefördert.

Mit Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur ist es aber nicht getan. „Für uns ist das eine völlig neue Welt“, sagt Wolfgang Opdenbusch. Auch die Werkstatt der NEW muss neu eingerichtet werden, die Mechatroniker müssen für den Hochvoltbereich weitergebildet werden. „Wir lernen in diesem Pilotprojekt dazu“, sagt Felix Heinrichs, Aufsichtsratschef der NEW Mobil und Aktiv. Die Elektrobusse werden auch mit Klimaanlage und W-Lan an Bord ausgestattet sein. Im kommenden Jahr werden die ersten Linienbusse überhaupt in der Stadt mit kühlender Technik ausgestattet sein, nachdem der Versorger dies bisher stets abgelehnt hatte.

Mit den ersten Elektrobussen will die NEW Erfahrungen sammeln: Wie halten die Batterien Extremtemperaturen im Sommer wie im Winter aus? Welche Ladetechnik ist am sinnvollsten, über das Dach oder über eine induktive Bodenplatte? Die vier ersten E-Busse werden immer nachts aufgeladen und sollen mit der Ladung den ganzen Tag auskommen. Auch deshalb entschied sich die NEW für die Linie 033 als Testlinie. Sie führt durch die City, hat aber einen relativ kurzen Weg. Klar ist für die NEW allerdings: Einen Anhänger mit Batterie, wie es die ersten Elektrobusse in Mönchengladbach in den 70er Jahren hatten, wird es künftig nicht mehr geben. Erst wenn klar ist, welche Ladetechnik sich am besten eignet, will die NEW über die Anschaffung weiterer E-Busse und damit auch den Ausbau einer Ladeinfrastruktur womöglich auch im Liniennetz nachdenken.

Die Stadtwerke Bonn haben bereits seit April 2016 Erfahrungen mit den Bussen gemacht. Ergebnis: Von den sechs Sileo-Busse mussten fünf in der Werkstatt des Herstellers überarbeitet werden, weil die Einsatzzeiten der Busse hinter den Erwartungen zurückblieben. In Aachen gab es mit einem ersten Elektrobus auch Probleme.