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Mönchengladbach: Eine rote Kiste gegen Kindesmissbrauch

Präventionsprogramm : Eine rote Kiste gegen Kindesmissbrauch

Die Zahl der Fälle von Kinderpornografie und sexuellen Übergriffen hat in der Stadt zugenommen. Zornröschen bietet ein Schutzprogramm.

Die Fälle aus Lügde und das Missbrauchs-Netzwerk aus Bergisch-Gladbach haben wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Kindesmissbrauch und Kinderpornografie gibt es auch in Mönchengladbach. Und die Zahl der Delikte ist laut Polizei im vergangenen Jahr sogar gestiegen.

Da war es für Zornröschen, dem Verein gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen, keine Frage, dass man das Schutz-Projekt „Starke Kinder-Kiste“ auch in Mönchengladbach anbieten wird. „Dies ist eins der wenigen Präventionsprogramme, die sich schon an ganz kleine Kinder richten“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Sigrid Mattausch von Zornröschen. Es gehe darum, Kinder in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. „Sie sollen unter anderem lernen, dass man Nein sagen darf“, sagt Mattausch.

Zum Projekt für Kindertagesstätten gehört eine rote Kiste mit speziell entwickelten Materialien. Die kostet normalerweise rund 2000 Euro. Aber bei Zornröschen steht nun eine gesponserte Kiste, um die sich Kitas bewerben können. „Mindestens drei Kindergärten müssen sich zusammen tun und sich bei uns melden“, sagt Sigrid Mattausch. Danach geht’s nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, in dem Fall heißt es: Der bekommt die Kiste.

Bundesweit ist das Projekt von „Hänsel und Gretel“ sowie dem „Petze“-Institut bereits gestartet. Und wie Sigrid Mattausch sagt, hat es sich bewährt. „Die Kinder haben auch Spaß daran, mit den Materialien aus der Kiste spielerisch zu lernen“, sagt sie. Da ist zum Beispiel die Magnet-Tafel mit einem Kind in Badehose und roten und grünen Punkten. „Die Kinder werden gefragt, wo sie gerne angefasst werden und wo nicht und können die Körperstellen an dem abgebildeten Kind mit grünen Punkten für angenehme und roten Punkten für unangenehme Berührungen markieren“, berichtet die Diplom-Sozialpädagogin.

Kita-Erzieherinnen werden vor dem Einsatz der Kiste von Zornröschen geschult. Mit Hilfe der „Schätze“ aus der Kiste – dazu gehören Bücher, CD’s, Bastelanleitungen, Kopiervorlagen, die Katze Kim und vieles mehr – können sie danach spielerisch Präventionsbotschaften mit den Kindern erarbeiten. Auch ein Elternabend gehört zu dem Schutzprogramm.

Bei Zornröschen gab es im vergangenen Jahr so viele Anfragen wie noch nie. Und: „Die Art der Missbrauchsfälle ist komplizierter geworden“, sagt Sigrid Mattausch. Schuld daran sei auch die immer frühere Nutzung der digitalen Medien. Viele Kinder seien so klein, dass sie gar nicht richtig unterscheiden könnten, was virtuell und was real ist. Und viele Kinder seien so irritiert, das sie nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist.

Das Schutzprogramm „Starke Kinder-Kiste“ soll helfen, dies zu ändern. „Leider ist es ja so, dass man die potenziellen Opfer stärken muss, damit es nicht zum Übergriff kommt. Die Täter lassen sich durch drohende Strafen nicht abschrecken“, sagt Michael Heinemann vom Zornröschen-Vorstand. Der Rechtsanwalt weiß, dass die Strafen für Kindesmissbrauch zwar erhöht wurden und viele Richter heute auch härter urteilen. „Aber es passiert auch, dass der Opa, der sein Enkelchen drei Jahre lang missbrauchte, eine gleichlange Gefängnisstrafe bekommt, wie der Mann der mit einer Spielzeugpistole in die Bank geht und 100 Euro raubt“, so Heinemann.

Kita-Verbände, die sich um die rote Kiste bewerben möchten, können sich an Zornröschen wenden: Kontakt entweder telefonisch unter der Rufnummer 02161 208886 oder per E-Mail an info@zornroeschen.de.