Mönchengladbach: Eine Portion Holland auf die Straßen

Kolumne Mensch Gladbach : Eine Portion Holland auf die Straßen

Den Fahrradverkehr zu fördern, ist nicht leicht. Zu viele unterschiedliche Bedürfnisse – und immer tritt man jemandem auf den Schlips. Dabei liegt die Lösung wie so oft im Detail.

Neulich erzählte ein hochrangiger Vertreter aus dem Rathaus, wir nennen selbstverständlich keine Namen, mit dem Rad über die Blaue Route von Gladbach nach Rheydt gefahren zu sein. Die Tour verlief erwartungsgemäß angenehm, denn die Fahrradstraße ist weitaus unproblematischer als ihr Ruf. Das Überraschende wartete am Ziel: Vor dem Rathaus in Rheydt gibt es keine Fahrradständer. Nicht nur dort, wissen jene, die regelmäßig in der Stadt unterwegs sind. Die ganz einfachen Bügel, die das Sichtbild selbst ordnungsliebender Stadtverwalter nicht weiter stören, nur wenig kosten und für Fahrradfahrer optimal sind, weil sich das Radl am Rahmen anketten lässt, sind stadtweit Mangelware. Aber schön, dass es jemandem an entscheidender Stelle auffällt. Politiker sollten einfach viel öfter Fahrradfahren.

Es sind nämlich oft Kleinigkeiten, die fehlen, wenn der Radverkehr gefördert werden soll. Die simple Frage: Wo schließe ich das Rad sicher an, wenn schon alle Verkehrsschildermasten in der Umgebung von anderen belegt sind? Dass das auch nicht schön aussieht, ist ein anderes Thema. Diese Woche gab es eine Debatte über die richtige Linksabbiegeführung an Kreuzungen für Radfahrer. Direkt oder indirekt? Mit Aufstellfläche oder einfach so auf der Fahrbahn? Jeder einzelne Aspekt bietet eine andere Vielfalt an Möglichkeiten, Argumenten und Bedürfnissen.

Gibt es doch alte, junge, geübte, ängstliche, mit und ohne E-Antrieb vorankommende Radfahrer. Für die einen ist das Rad selbstverständliches Fortbewegungsmittel, für die anderen Ausflugsmittel oder Sportgerät. Viel zu wenig im Fokus ist die soziale Komponente: Wer sich ein Auto oder sogar ein Ticket für den Bus nicht leisten kann, bleibt damit kostengünstig mobil. Und wenn darüber diskutiert wird, womit der Radverkehr gefördert und für mehr Menschen attraktiver werden könnte, prallen immer Welten aufeinander.  Hier die Autofahrer, dort die Radler, mittendrin die Fußgänger. Wer den einen fördern will, muss dem anderen etwas wegnehmen. Das ist leider die Wahrheit. Gegenwind ist sicher. Das muss man als Politiker erst mal aushalten.

Am besten ist, wie so oft im Leben, nicht in Extreme zu fallen, aber auch starke Signale zu setzen.  Ausreichend Fahrradständer an sinnvollen Standorten gehören dazu. Beim Anlegen neuer Radwege, wie jetzt vorbildlich auf der Limitenstraße, muss die ganze Strecke benutzerfreundlich gedacht werden. Was bringt es eine Markierung für indirektes Linksabbiegen einzurichten, wenn sie nicht angenommen wird? Die Blaue Route sollte nicht die einzige Fahrradstraße bleiben. Hier und dort sollte eine Fahrspur komplett dem Radverkehr zugeschlagen werden. Der Aufschrei der Autofahrer wird kommen, aber ebenso schnell wieder verhallen, sobald sie sich an neue Wege gewöhnt haben und erkennen, dass sie selbst mehr Platz in der Stadt haben, wenn mehr Menschen kurze Wege mit dem Rad zurücklegen, statt mit dem Auto.

Was man im Holland-Urlaub genießt, wird auch in Mönchengladbach gut tun.

Mehr von RP ONLINE