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Mönchengladbach: Ein Kind je Schulklasse ist Ergebnis künstlicher Befruchtung

Im Gespräch mit Reproduktionsmediziner Georg Döhmen : Frauenarzt fordert ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz

Der Mönchengladbacher Arzt Georg Döhmen ist zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin gewählt worden.

Seit zwölf Jahren gehört der gebürtige Mönchengladbacher Frauenarzt Goerg Döhmen mit den Spezialgebieten Endokrinologie (Hormonbehandlung) und Reproduktionsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) an, in wechselnden Funktionen. Bei seinem Eintritt war Georg Döhmen schon viele Jahre in seiner Gladbacher Kinderwunsch-Praxis tätig. Daraus ist das einzige Kinderwunschzentrum am linken Niederrhein geworden, das an den Standorten Mönchengladbach und Krefeld mehr als tausend „assistiert reproduktionsmedizinische Therapien“ (ART) pro Jahr durchführt. „Bundesweit sind seit Mitte der 1990er-Jahre mehr als 300.000 Kinder nach Maßnahmen assistierter Befruchtung geboren“, sagt Döhmen. Und fügt an: „Alle diese Kinder würden ohne diese Maßnahmen nicht existieren.“

Der 61-jährige Reproduktionsmediziner führt das Kinderwunschzentrum „pro-Kindwunsch“ mit drei Facharzt-Kollegen und weiteren 20 Mitarbeitern. Er sagt: „Pro Jahr kommen in Deutschland 20.000 Kinder nach In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intracytoplasmatischer Spermatozoeninjektion (ICSI) zur Welt. Das bedeutet, dass in jeder Schulklasse mit über 20 Schülerinnen und Schülern statistisch ein solches Kind sitzt.“ Die starke Nachfrage nach externer Unterstützung beim Zeugungsakt liegt für den Frauenarzt, der sein Medizinstudium in Mainz und seine Facharztausbildung in Göttingen absolviert hat, auf der Hand: „Jedes sechste Paar ist von Kinderlosigkeit betroffen, also ungefähr 15 Prozent.“

Im Januar hat Döhmen sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin angetreten, welches er für die Sitzungsperiode 2020/21 ausüben wird. Die Geschäftsstelle der DGRM ist in Dortmund ansässig, Ende März wird Döhmen dort als Präsident die erste Vorstandssitzung leiten. „Die DGRM ist in Deutschland die älteste und mitgliederstärkste reproduktionswissenschaftliche Gesellschaft und interdisziplinär aufgestellt“, erklärt er. Seine Aufgaben für die als Verein organisierte Gesellschaft erfüllt Döhmen ehrenamtlich, ebenso wie die anderen Mitglieder des Vorstandes und die fast 400 Mitglieder, darunter Gynäkologen, Tierärzte, Genetik-Experten und Biologen.

Nun aber kommt mehr Arbeit auf den Reproduktionsmediziner zu. „Ich muss mit der DGRM-Geschäftsstelle alle Vorgänge koordinieren, Beschlüsse absegnen und Detailfragen im Vorstand abstimmen“, sagt er. Döhmen will die „sehr gute Zusammenarbeit in den Fach- und Arbeitsgruppen der Reproduktionsmedizin weiter stärken, vor allem aber das Thema Kinderwunsch auf die Agenda der Gesundheitspolitik bringen“. Er fordert: „Paare sollen bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches finanziell und emotional stärker unterstützt werden.“ Der Reproduktionsmediziner sieht akuten Nachholbedarf bei der Politik. „Wir leisten unsere Arbeit immer noch auf dem Boden des 1991 verabschiedeten Embryonen-Schutzgesetzes“, betont er, „zukünftig brauchen wir dringend ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz.“ Ein hochkomplexes Projekt, daher scheue der Gesetzgeber eine zukunftsweisende Gesetzesreform anzugehen, schätzt Döhmen. In der Tiermedizin sei der Bereich Reproduktion deutlich weiter entwickelt als in der Humanmedizin. Die Gruppe der Veterinärmediziner ist folgerichtig in der DGRM gut vertreten. Der Erkenntnisaustausch zwischen beiden Gruppen sei von großer Bedeutung. Auch diese Aufgabe gehört für Döhmen zum Kerngeschäft als Präsident.

Im August wird das Kinderwunschzentrum umsiedeln – in einen modernen Neubau im Nordpark. „Da kommt eine Riesenaktion auf uns zu. Wir werden uns insgesamt stark vergrößern, um dem zunehmenden Patientenaufkommen gerecht zu werden und noch mehr Paaren zum eigenen Kind verhelfen zu können“, sagt Döhmen.