Mönchengladbach: Ehrenamt bei der Arbeiterwohlfahrt

Konferenz : AWO feiert 100 Jahre Engagement und Ehrenamt

Bei der einer Konferenz der Arbeiterwohlfahrt in Mönchengladbach werden Vergangenheit und Zukunft ehrenamtlicher Arbeit in den Blick genommen.

Nein, seit 1919 ist Annemarie Körfges dann doch nicht bei der Arbeiterwohlfahrt aktiv. Aber die 90-Jährige ist seit sagenhaften 48 Jahren bei der Mönchengladbacher, speziell der Giesenkirchener Awo ehrenamtlich im Einsatz. Auch heute noch leitet sie montagabends eine Gymnastikgruppe. „Das ist doch mein Ding“, sagt sie. „Ich kann die Teilnehmer doch nicht hängen lassen.“ Dafür erntete sie bei der Ehrenamtskonferenz der Awo stürmischen Applaus des Publikums. Denn diese Art des dauerhaften Engagements war noch nie selbstverständlich, ist es aber heute weniger denn je.

Die Awo feiert in diesem Jahr bundesweit ihren 100. Geburtstag. Gegründet 1919 in den Wirren der Anfangszeit der Weimarer Republik hat sich die Organisation von Anfang an für die Belange von Frauen, Kindern und damals der Kriegsversehrten eingesetzt. Den Nazis war die Awo ein Dorn im Auge. Der Besitz wurde beschlagnahmt, die Aktivisten wurden verfolgt. Aber nach dem Krieg war die Organisation wieder da, organisierte Kleidersammlungen und Ferienfreizeiten und erreichte in den Jahren der Bonner Republik mit 620.000 Mitgliedern ihren größten Verbreitungsgrad. Heute betreibt die Awo Kitas und Begegnungsstätten, begleitet Flüchtlinge und organisiert Freizeitaktivitäten.

In Mönchengladbach ist die Organisation ein wenig jünger. „Wir feiern eher den 95. Geburtstag“, sagt der ehrenamtliche Präsident Norbert Bude. „Aber die bundesweiten Aktivitäten zum Jubiläum sind ein schönes Entree für Aufmerksamkeit.“ Damals wie heute lebt die Awo vom Miteinander der hauptamtlichen und der ehrenamtlichen Tätigkeit. In Mönchengladbach sind 300 Mitarbeiter hauptamtlich bei der Organisation beschäftigt, mindestens 150 weitere sind ehrenamtlich aktiv.

So wie Annemarie Körfges. „Ich habe mich immer für Menschen und Politik interessiert“, sagt sie. Deshalb hat sie sich auch nicht weggeduckt, als gleich nach ihrem Eintritt in die Awo eine Schriftführerin gesucht wurde. Von da an hat sie Weihnachtspäckchen für die Mitglieder gepackt, Bastelabende und Vorstandssitzungen bei sich zu Hause beherbergt, die in Giesenkirchen errichtete Awo-Begegnungsstätte mit Aktivitäten gefüllt, Besuche im Altenheim gemacht und Kurse geleitet. Und wenn heute im Team der Begegnungsstätte jemand ausfällt, springt sie auch noch ein. Dass es für diese Art des Einsatzes wenig Nachwuchs gibt, sieht sie auch. „Es ist schwierig geworden“, meint sie. „Die Gesellschaft ist ich-bezogener geworden, es wird weniger an andere gedacht.“

Mit der Zukunft des Ehrenamtes beschäftigten sich die Teilnehmer der Ehrenamtskonferenz in Workshops. Unter anderem sollte ein offener Brief an die Awo-Gründerin Marie Juchasz (nach der in Mönchengladbach auch eine Straße benannt ist), entstehen, der Perspektiven ehrenamtlichen Engagements in den Blick nimmt.

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