Mönchengladbach: Ehemalige Oberbürgermeisterin Monika Bartsch wird 70

Vorsitzende der Gladbacher Tafel : Ex-OB Monika Bartsch wird 70

Ihre berufliche Karriere begann als Lehrerin. 1997 wurde sie Oberbürgermeisterin von Mönchengladbach. In ihre Amtszeit fielen Weichenstellungen für den Nordpark.

Im Internet-Personenlexikon „Who is Who“ taucht sie zwischen Kurt Bartsch („Drehbuchautor der ZDF-Familienserie „Unser Lehrer Doktor Specht“) und Rudolf Hans Bartsch („Erzähler von liebenswürdigen Romanen“) auf. Und mit dieser Platzierung wirkt Monika Bartsch wie ein Fremdkörper. Denn als „deutsche Politikerin“ und ehemalige Oberbürgermeisterin von Mönchengladbach war sie wahrlich nicht in einer Unterhaltungsbranche tätig. Und es ist keine liebenswürdige Fiktion, der sie sich als „1. Vorsitzende der Mönchengladbacher Tafel“ seit 2007 widmet. Es sind Menschen am Existenzminimum, die sie gemeinsam mit mehr als 100 Helfern mit Lebensmitteln versorgt. Obwohl seit mehr als zehn Jahren nicht mehr Oberbürgermeisterin, kennt Monika Bartsch noch keinen Ruhestand – auch wenn sie heute ihren 70. Geburtstag feiert.

Leicht hätte sie es sich auch schon 1998 machen können. Da wurde die Kommunalverfassung in Nordrhein-Westfalen geändert. Aus ehrenamtlichen Oberbürgermeistern mit vielen repräsentativen Pflichten wurden Chefs der Stadtverwaltungen, die eine Behörde mit mehreren Tausend Mitarbeitern zu führen hatten. Es gab damals einen „Familienrat“ im Hause Bartsch, dann entschloss sie sich, auch vor dem ganz anderen Zuschnitt ihrer bis dahin ehrenamtlichen Tätigkeit nicht zurückzuschrecken – auch nicht, als sie sich dann in einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Klaus Schäfer durchgesetzt hatte.

Für die Politik „entdeckt“ hatte sie der frühere CDU-Fraktionschef Alfred Bohnen. Ihm war Bartsch als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss aufgefallen. 1987 wurde Monika Bartsch Sprecherin der CDU in diesem Ausschuss, 1989 Ratsmitglied und vier später Stellvertreterin Bohnens.

Dass die politische Karriere im Schulausschuss begann, war kein Zufall. Denn nach einem Studium der Mathematik, Biologie, Physik und Pädagogik war Monika Bartsch gut fünf Jahre lang Lehrerin an der Hauptschule Wiedemannstraße gewesen. Einen Beruf, aus dem sie sich 1976 zurückzog, um sich um ihre beiden Töchter zu kümmern.

Politisierende Lehrer sind nichts Ungewöhnliches, aber nicht alle werden in ihren Karrieren in öffentlichen Ämtern vor so ungewöhnliche Aufgaben gestellt wie Monika Bartsch. Und auch nicht jeder Bürgermeister sieht sich plötzlich mit einem 160 Hektar großen ehemaligen Militärgelände versehen, das die Stadt mit Leben, Unternehmen und Einrichtungen füllen kann. In Monika Bartschs Amtszeit fielen grundlegende Planungen für ein solches Gelände, Es heißt Nordpark und wurde unter anderem mit einem nagelneuen Bundesliga-Stadion und einem Hockey-Park besiedelt, in dem 2006 eine Weltmeisterschaft über den Rasen ging.

Und im Nordpark liegt seit einigen Wochen wieder der Schwerpunkt ihrer – diesmal wieder ehrenamtlichen – Arbeit. Die Mönchengladbacher Tafel, deren Vorsitzende Bartsch seit 2007 ist, verteilt ihre Lebensmittel in der Halle, in der auch die Red Box untergebracht ist. Voraus ging ein Umzug vom Reme-Gelände, wo die Tafel bis dahin ihren Sitz hatte. Soziales Engagement hat Bartsch nicht erst im Ruhestand für sich entdeckt. Sie arbeitete unter anderem im Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Frauen und war 1979 eine der Mitgründerinnen des Frauenhauses.

Als sie 1997 Oberbürgermeisterin von Mönchengladbach wurde, war das an sich schon ein Ereignis: Sie war die erste Frau in diesem Amt – immerhin acht Jahre bevor die Republik die erste Kanzlerin bekam.