Mönchengladbach: Ehemalige Heimkinder fordern Solidarität

Besuch vom Landtagspräsidenten : Ehemalige Heimkinder fordern Solidarität

Schläge, wenn sich die Kinder im Bett auch nur rührten, sexueller Missbrauch, Demütigungen. Politiker hörten sich die Erlebnisse ehemaliger Heimkinder an.

Während die Betroffenen berichten, ist es mucksmäuschenstill in den vollbesetzten Räumen der 1. Community – Ehemalige Heimkinder NRW an der Hofstraße. Denn es verschlägt immer wieder die Sprache, zu hören, was den ehemaligen Heimkindern angetan wurde: Schläge, wenn sich die Kinder im Bett auch nur rührten, sexueller Missbrauch, Demütigungen. Und dann, als nach Jahrzehnten Fonds für einen gewissen finanziellen Ausgleich aufgelegt wurden, zwangen bürokratische Vorschriften die Betroffenen dazu, das Erlittene bis ins Detail zu erzählen und damit auch die Traumata wieder zu erleben.

Landtagspräsident André Kuper, die Vorsitzende des NRW-Sozialausschusses Heike Gebhard, die drei Mönchengladbacher Landtagsabgeordneten Frank Boss, Hans-Willi Körfges und Andreas Terhaag sowie Mönchengladbachs Dörte Schall waren gekommen, um zuzuhören. „Es kann nicht sein, dass die Opfer nach so vielen Jahren beweisen müssen, dass ihre Erkrankung aus der Heimzeit stammt“, sagt Uwe Werner, engagierter Vorsitzender der Community. Die kalte Bürokratie empört ihn: die des Staates in Form des LVR oder LWL und die der Kirchen. So werde einem Mann, der als Kind von Mitbewohnern in Hephata missbraucht wurde, von der evangelischen Kirche eine Entschädigungszahlung verweigert, weil der Missbrauch nicht von Mitarbeitern vorgenommen wurde. „Die Mitarbeiter wussten aber Bescheid und haben ihn der Lüge bezichtigt und eingesperrt“, sagt Werner. Die Besucher sind berührt, betroffen, beschämt. „Dieser Fall schreit zu Himmel“, sagt Gebhard. Sie fordert, den Heimfonds noch einmal zu öffnen. Kuper stellt fest: „Es ist unvorstellbar, was an Gewalt und Verletzungen stattgefunden hat. Ich bin froh, dass es Sie als 1. Community in Mönchengladbach gibt.“