Mönchengladbach: Drogenprävention an Berufskolleg

Mönchengladbach : Hackedicht: Drogen sind überhaupt nicht cool

Der Kabarettist Eisi Gulp warnt vor Drogen – und das, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Tiefsinn und Komik prägen seinen Auftritt im Berufskolleg für Technik in Mülfort.

Eisi Gulp erinnert sich noch gut daran: Als Jugendlicher wollte er alles Mögliche ausprobieren. „Das ist auch normal“, weiß er inzwischen. Beim Feiern mit seinen Freunden gab es dann natürlich Alkohol und später auch regelmäßig Zigaretten. „Damals galt man eben als angesagt, wenn man rauchte und viel Alkohol trank.“ Ein Phänomen, das sich leider bis heute noch nicht geändert hat, ist er sich sicher. Gulp ist Kabarettist und Schauspieler, geboren in München, der Herkunft des „größten Besäufnisses“ der Welt – dem Oktoberfest.

Auch deswegen startete er vor einigen Jahren eine Tour durch Deutschland mit dem Ziel, Jugendliche und junge Erwachsene in Sachen Alkohol und Drogen aufzuklären und wachzurütteln. Und dies tut er bei seinen Besuchen nicht mit Schauergeschichten oder mit Schock-Mitteln, sondern mit Kabarett und Humor. Unterstützt wird er dabei von der Knappschaft und dem Deutschen Kinderschutzbund. Nun war er mit seinem Programm „Hackedicht“ zu Gast in Rheydt-Mülfort und führte den Schülern des Berufskollegs für Technik vor Augen, dass Alkohol und Drogen zu nichts führen. Und das, ohne den mahnenden Finger zu heben.

Das Eis ist schnell gebrochen, als Gulp zu Beginn mit einer rhythmischen Tanzeinlage schon die ersten Lacher aus dem Publikum lockt. „Warum trinken wir eigentlich Alkohol?“, leitet der Komiker das Thema ein. Schnell wird klar, die jungen Erwachsenen haben schon einige Erfahrungen mit dem Thema gemacht. Ruhig und aufmerksam folgen sie den teils lustigen aber auch ernsten Ausführungen des Gastes. „Schade, dass Erwachsene Euphorie und gute Laune oft nur noch durch Alkohol empfinden können“, stellt Gulp gemeinsam mit seinen Zuhörern fest. Auch das Rauchen steht im Mittelpunkt. „Warum tut man das überhaupt? Wer ist damals auf die Idee gekommen, quasi Abgase in seinen Körper zu führen und dafür auch noch Geld zu bezahlen?“

Durch scheinbar banale Fragen und witzige Show-Einlagen stellt er die Absurdität dar, die in dem Konsum von Zigaretten und anderen Substanzen liegt. So habe eine bekannte Zigaretten-Marke lange mit dem Slogan „Abenteuer“ geworben. „Heißt das Abenteuer Lungenkrebs?“, fragt Gulp zur Belustigung des Publikums. Dasselbe gilt für Gulp auch beim Thema Drogen. Kokain – „die späte Rache der Inkas“ – mache einem doch nur das Gehirn kaputt, sonst nichts, sagt Gulp. „Ist das cool? Eher nicht, oder?“ Viele zustimmend nickende Schülerköpfe.

Interessant ist für Gulp auch die Frage, wo man eigentlich die Linie zieht, zwischen legalen und illegalen Drogen. Ein gutes Beispiel hatte sich vor einigen Jahren auf dem heimischen Oktoberfest zugetragen, als einige Besucher beim Konsumieren von Kokain und Cannabis erwischt wurden. Dies löste einen wahren Skandal aus. Für Gulp eine große Heuchelei. Konsumieren doch alle Gäste des Oktoberfestes etliche Liter Bier und andere Arten von Alkohol. Eine Droge, die dem Körper bei solch großen Mengen keineswegs gut tut – Ironie wie aus dem Lehrbuch. Aber wer solle denn den ersten Stein werfen, wenn doch alle Bier und Kaffee trinken oder Medikamente zu sich nehmen.

Gulp ist es wichtig, dass die jungen Menschen anfangen zu hinterfragen und das Denken nicht der möchtigen Zigaretten- und Alkoholindustrie überlassen. Diese seien sowieso nur hinter dem Profit her. „Aber so ganz ohne lebe ich natürlich auch nicht“, sagt der 62-jährige Kabarettist. Es gelte, die goldene Mitte zu finden – beim Konsum von Alkohol, einem Party-Joint und in anderen Bereichen des Lebens.

Schulleiter Detlef Zeich zeigt sich überzeugt von der Herangehensweise des Komikers. „Der Süden Mönchengladbachs hat zunehmend mit Drogenkonsum und -handel zu kämpfen. Auch die Schulen bleiben davon nicht verschont“, sagt Zeich. Daher sei eine solche Kampagne genau richtig, um das Thema zu beleuchten – von positiven Emotionen wie dem Lachen begleitet. Das Programm könne er anderen Schulen nur empfehlen.

Ein besonderes Anliegen gibt Gulp seinem Publikum mit auf dem Weg: Es geht um den Umgang mit Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten und hier in Deutschland Hilfe suchen. „Gebt euch nicht dem dummen Gruppendenken hin, das oft auch im Internet grassiert. Denkt lieber einmal selbst.“ Menschen in Not zu helfen sei keine politische Einstellung, sondern eine menschliche Pflicht.

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