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Mönchengladbach: „Draußen vor der Tür“ - was uns mit den Hirten verbindet

Kolumne Denkanstoß : „Draußen vor der Tür“ - was uns mit den Hirten verbindet

Unser Autor erinnert sich noch an die erste Krippe in seiner Familie. Sie war das Symbol der Geborgenheit. Dies gilt auch heute noch.

Es kommt wieder die Zeit, in der die Krippen in den Wohnzimmern und Kirchen aufgebaut werden. Ich erinnere mich noch gut an die erste Krippe unserer Familie. Es war weder ein kostbares Erbstück von den Großeltern noch eine kunstvoll geschnitzte Krippe aus Oberammergau. Mein Vater hatte damals aus ein paar Hölzern einen primitiven Stall gebastelt, in den hinein drei bemalte Gipsfiguren kamen: Maria, Josef und das Jesuskind in einem Futtertrog. Ich bekam die Aufgabe  die Hirten mit ihren Schafen aufzustellen. Für sie war im Stall kein Platz mehr. Deshalb standen sie jedes Jahr draußen vor der Tür.

Selbst in unseren Kirchen findet oft nur die heilige Familie einen Platz unter dem Dach des Stalls. Die Hirten bleiben mit ihren Schafen wie selbstverständlich draußen vor der Tür.

In vielen Gemeinden wird überlegt, wie im zweiten Corona-Jahr die Weihnachtsgottesdienste zu feiern sind. Wenn auch die Pfarreiräte und Presbyterien heute noch nicht wissen, was die Politik morgen entscheidet, die Sicherheit für die Gesundheit der Gottesdienstbesucher steht an erster Stelle. Das Corona-Virus ist kein passendes Weihnachtsgeschenk. In unserer Pfarre wollen wir uns am Heiligen Abend einmal wie die Hirten der Krippe von außen nähern. Anstatt in die gut geheizte Kirche zu gehen und sich von wohlriechendem Weihrauch umnebeln zu lassen, bleiben wir draußen vor der Kirchentür. Dort ist es zwar nicht so kuschelig wie in der Kirche, aber wir nehmen den Platz ein, den die Hirten mit ihren Tieren eingenommen haben. Einzig das neugeborene Kind hat mit seinen Eltern ein Dach über dem Kopf. Draußen vor der Tür verstehen wir besser, was eine Geburt in einem zugigen Stall bedeutet. Sollte es schneien, würden wir uns sogar freuen. Weiße Weihnacht. Doch daran glaube ich nicht. Ich vermute, es wird am Heiligen Abend kalt und nass sein. Wie jedes Jahr werden wir frieren, und unsere Nase wird laufen, allemal besser, als an Corona zu erkranken. Trotzdem ahnen wir vielleicht die Engel, weil der Himmel sich in jener Nacht öffnet.

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Ich würde mich freuen, draußen vor der Tür Weihnachten zu feiern. Wir kommen dem Ereignis von Bethlehem ganz nahe. Dabei sind die Eltern Jesu sicher negativ getestet. Denn Maria und Josef waren nicht mit 50.000 anderen im Fußballstadion.

Albert Damblon ist Seelsorger an St.Benedikt.