Mönchengladbach:Digitalisierung in der Gesamtschule Neuwerk

Modernes Lehr- und Lernmaterial : Lieber leichte Tablets als dicke Bücher

Die Gesamtschule Neuwerk gehört zu den ersten Schulen in der Stadt, die vom Digitalpakt profitierte. Die Schüler finden es gut.

Schnell etwas online recherchieren, die neusten Nachrichten lesen oder eine wichtige E-Mail versenden – ein Leben ohne digitale Medien ist für die meisten Menschen nur noch schwer vorstellbar. In manchen Schulen werden Handys oder Laptops im Unterricht aber eher weniger gern gesehen, dürfen teilweise nicht einmal ausgepackt werden. Ina Klein, die Leiterin der Hans-Jonas-Gesamtschule Neuwerk, setzt auf die Vorteile, die das Internet den Schülern bieten kann. Bereits seit Oktober wurde für flächendeckendes W-Lan im gesamten Gebäude gesorgt. Seit einigen Monaten werden im Unterricht Tablets eingesetzt.

Erdkundeunterricht im Leistungskurs der Q1: Lehrer Sebastian Keelan sitzt am Pult. In den Händen hält er keinen dicken Atlas oder Arbeitsblätter, stattdessen arbeitet er, genau wie die Schüler, an einem iPad. Alles, was er an seinem Tablet sehen kann, wird für die Klasse an eine Leinwand gebeamt. Je zwei Schüler teilen sich ein iPad, an dem sie ihre Aufgaben bearbeiten. Gerade sitzen sie vor einer digitalen Karte. Anders als auf dem Papier haben sie hier die Möglichkeit, spezifische Aspekte zu beleuchten. So können sie beispielsweise Ebenen ausblenden, „die komplexe Karte einfach runterbrechen“, wie Lehrer Sebastian Keelan sagt. Für Keelan bietet die Digitalisierung des Unterrichts viele neue Möglichkeiten. Gelerntes ließe sich besser visualisieren und dadurch einfacher einprägen, er könne Tafelbilder einfach per Mail versenden, so dass sicher alle auf demselben Stand sind, und es muss weniger Papier für Kopien verschwendet werden. „Die Technik soll das Schulbuch oder die Tafel nicht ersetzen, sie können aber ergänzen“, sagt er.

Gefördert wurde die digitale Vernetzung der Hans-Jonas-Gesamtschule Neuwerk durch die Landesinitiative ‚Gute Schule 2020‘. Erste Maßnahmen wurden dabei schon 2018 durchgeführt. Mittlerweile verfügt die Schule über insgesamt 32 iPads, fünf Apple-TVs und fünf Beamer. Diese Ausstattung wurde teilweise vom bundesweiten Digitalpakt finanziert.

Nicht nur im Erdkundeunterricht ist die neue Technik von Vorteil, auch viele andere Fächer profitieren von ihr. „Wir müssen häufig unter Zeitdruck arbeiten. Beispielsweise in Chemie bietet es sich deshalb an, in einigen Stunden einfach ein Video eines Experiments abzuspielen. Die Vor- und Nachbereitung kostet dabei sonst nämlich viel Zeit.“ Seine Kollegin Anja Flachsenberg unterrichtet Englisch und Französisch. Die größten Pluspunkte sieht sie dabei in der individuellen Förderung. Einige Apps bieten eine Art Vokabelwettbewerb an. „Die Schüler können so direkt sehen, wie sie im Klassendurchschnitt abschneiden. Das bereitet den meisten mehr Spaß beim Lernen.“

Alexander Pieper und Lisa Sell sind beide 17 Jahre alt und besuchen die Q1 der Gesamtschule. Auch sie finden das digitale Lernen  gut. „Zum Beispiel die Modelldarstellungen. Die sind so viel einfacher zu verstehen.“ Weiterhin werden sie durch die Schulung des Umgangs mit Office-Programmen auf ihr späteres Leben vorbereitet – während Power-Point-Präsentationen in der Uni häufig gefordert werden, kommen sie in der Schule oft zu kurz. Die Schüler finden, dass es außerdem viel einfacher sei, ein leichtes iPad mitzunehmen statt kiloweise Bücher zu schleppen. Bis es dazu kommt, dass gar keine Materialien mehr mitgebracht werden müssen, dauert es allerdings noch etwas. Die 32 Tablets sind im Kollegium so angefragt, dass es bereits eine Warteliste gibt.

In die Wege geleitet wurde die Digitalisierung hauptsächlich von Sebastian Keelan und der Schulleiterin Ina Klein. Die ursprüngliche Sorge, dass insbesondere ältere Kollegen mit der digitalen Vernetzung ihre Probleme haben könnten, hat sich nicht bestätigt. „Kleinere Komplikationen gibt es manchmal, aber da können wir dann von den Schülern lernen“, so Klein.