Mönchengladbach: Die Stadtbäume sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt

Käfer, Pilze und Raupen : Was den Stadtbäumen zusetzt

Penetrante Pilze und hungrige Käfer, Trockenheit und Salz im Winter machen manche Bäume krank. Kontrolleure der Stadttochter Mags prüfen regelmäßig die Standfestigkeit – und müssen manchmal schnell handeln.

Die Zerstörung des Regenwaldes ist zurzeit in aller Munde. Doch wie ist es um die Bäume in unserer Stadt bestellt? Es sind immerhin etwa 86.000, und sie sind vielen Gefahren ausgesetzt. Vor allem die Straßenbäume sind gestresst, denn sie müssen gleich einem vierfachen Anprall von Angriffen widerstehen: im Sommer kein Wasser, im Winter viel Salz von den Straßen, ganzjährig Sonnenstrahlenbelastung von den umliegenden Fenster- und Autoscheiben und natürlich die Abgase von Personen- und Lastwagen, von Mopeds und Motorrädern. „Es sind vor allem die Abgase, die den Blättern zusetzen, so dass die Fotosynthese gestört wird“, sagt Hanno Müller, „Teamleiter Baum“ bei der Mags.

Gemeinsam mit sechs Kontrolleuren, die bei Bedarf durch die Mitarbeiter der Pflegekolonnen ergänzt werden, schaut Müller den Bäumen bis tief unter die Rinde. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Stadtbäumen an Straßen und in den Parks. „Wir haben 40 Hektar Waldbestände, bei großen Flächen kontrollieren wir gröber.“ Neben den eigenen Kontrolleuren sind es aber auch viele Bürger, die sich melden, um auf Baumprobleme aufmerksam zu machen. Und was sind Baumprobleme? „Schädlinge, Pilze, Krankheiten: Sie machen Bäume weniger standsicher. Dann müssen wir handeln, damit niemand zu Schaden kommt“, sagt Müller.

Er nennt den Brandkrustenpilz, der die Ursache dafür war, dass die große Buche an der Kaiser-Friedrich-Halle gefällt werden musste. „Da sind wir oft gefragt worden, warum der Baum fallen musste“, sagt Müller. „Die Buche sah noch vital aus, aber sie war unten am Stamm innen verfault.“ Das hat der Pilz bewirkt. Müller kam ihm auf die Spur, als er ein sogenanntes Bohrwiderstands-Messgerät nutzte. Damit trieb er eine Nadel ins Holz, und auf dem Display wurde angezeigt, wie krank der Baum tatsächlich war. „Wir messen elektronisch und mechanisch, wie widerstandsfähig der Baum ist, schauen uns die Belaubung an und ob es Knospen gibt.“ Der Pilz lässt immer wieder seine Sporen fliegen, die sich auf für ihn geeigneten Bäumen absetzen und ihr zerstörerisches Werk beginnen. Geeignete Bäume sind Linde, Eiche und Buche, „aber bei Harthölzern kann der Baum lange mit dem Pilz leben“.

Auf Zerstörung hat es auch der Borkenkäfer angelegt, das liegt in seiner Natur. Um ihn zu bekämpfen, müssen die befallenen Bäume gefällt werden. „Sie werden dann sofort geschreddert“, sagt Müller. Pestizide setze man nicht ein, „denn wir wissen doch nicht, was sonst noch alles vom Baum fällt“.

Etwas gelassener ist der Baumexperte bei der Gespinstmotte, auch als Seidenspinnerraupe bekannt. Sie siedle sich vor allem auf Sträuchern an. Sie sei völlig ungefährlich. Ganz anders der Eichenprozessionsspinner, der Eichenblätter schädigt. Die Raupe trägt ein Haarkleid, das dem Menschen bei Berührung Ungemach bis zum allergischen Schock bescheren kann. „Unser Trupp sammelt sie systematisch ein.“ Doch auch wenn aus der Raupe ein Nachtfalter wurde, bleiben die gefährlichen Härchen im Baum. „Wir fixieren sie mit Zuckerwasser und spachteln oder saugen sie ab.“

Eichenprozessionsspinner. Foto: mags Mönchengladbach

Dass der Klimawandel neue Pflanzen- und Tierschädlinge in die Stadt bringe, könne zwar sein, meint Müller. Aber das meiste geschehe durch den globalen Handel. So sei etwa der asiatische Laubbockkäfer mit Palettenholz ins Land gekommen. Der Käfer frisst sich durch Bäume. Der Pilz, der das Ulmensterben verursacht hat, stamme aus Amerika, sagt Müller. Während die Bäume in Asien oder Amerika im Laufe der Zeit Strategien gegen ihre Schädlinge entwickelt hätten, sei das hier ganz anders. Auch der Klimawandel wird Folgen für die Stadtbäume haben. Müller rechnet damit, dass in den nächsten Jahrzehnten einige verschwinden werden: Birken, Rotbuchen, die gemeine Esche. Und das wird nicht nur an Käfern oder Pilzen liegen, sondern vor allen an der Trockenheit.

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