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Mönchengladbach: Die Pandemie und die Märtyrerin

Kolumne Denkanstoß : Die Pandemie und die Märtyrerin

Auch die Heilige Stephania stand einst vor einer sehr schweren Entscheidung. Vielleicht kann sie ja in diesen Tagen hilfreich sein.

Die galoppierenden Zahlen der Corona-Pandemie haben auch den Niederrhein erfasst. Das vermeintlich „leichte Leben“ der Sommermonate ist vorbei – jetzt heißt es wieder: Immer neu entscheiden. Für oder gegen: Maske, Feier, Hochzeit, Fußballspiel, Familientreffen, Kneipenbesuch, Sport, Gottesdienst, Kindergeburtstag, Besuch im Altenheim… Und eine Entscheidung gegen etwas, was einem wichtig ist, fällt immer schwerer angesichts der langen Zeit, in der uns diese Entscheidungen immer wieder abverlangt werden. Dabei hatten wir es doch eigentlich so gut im Griff. Doch die Leichtigkeit des Sommers hatte ihren Preis – oder es ist einfach die vielzitierte „zweite Welle“, die uns nun wie ein Tsunami erfasst. Und schon wieder eine Entscheidung: Lasse ich mich von dieser Welle unterkriegen oder surfe ich oben auf ihr herum und lebe mein Leben weiter, wie es mir gefällt?

Manchmal scheint es EntscheiderInnen zu zerreißen – weil es eben nicht nur um „richtig“ oder „falsch“ geht. Mir geht in diesem Zusammenhang eine junge Frau nicht aus dem Sinn: Stephania. Sie lebte im 2. Jahrhundert in Syrien und war Christin. Das war zu dieser Zeit lebensgefährlich – Christinnen und Christen wurden sogar von Staats wegen verfolgt. Stephania stand als Christin einem Soldaten bei, der wegen seines christlichen Glaubens gefoltert und dann hingerichtet wurde.

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Sie hatte sich für ihn entschieden – und so nahm das grausame Schicksal seinen Lauf: Sie wurde ebenfalls zum Tode verurteilt und hingerichtet – auf besonders grausame Weise: Ihre Peiniger banden sie zwischen zwei herabgebogenen Palmen. Sie schnitten die Halteseile durch und die emporschnellenden Bäume zerrissen die 16-jährige Stephania bei lebendigem Leibe. Die Syrerin starb für ihren Glauben – sie errang, so heißt das bei uns Katholiken, die „Krone des Martyriums“. Krone heißt auf lateinisch „Corona“…

Dieser Beiname hat sie in unseren Pandemie-Tagen bekannt gemacht – obwohl sie nichts mit Viren und Krankheiten zu tun hat. Die heilige Corona fasziniert mich immer mehr, seit ich mich mit ihrer Geschichte beschäftigt habe. Außerdem ist sie uns ganz nahe: Im Aachener Domschatz ruhen in einem Schrein ihre Gebeine. Wenn ich im Aachener Dom über ihre Grabplatte gehe, denke ich an all die Menschen, die unter der Pandemie leiden. Die Inschrift „Heilige Corona – bitte für uns…“ richtet sich auf alle die Menschen, die in der aktuellen Krise davor stehen, zerrissen zu werden?

Politiker, die weitreichende Entscheidungen zu treffen haben, Menschen, die zwischen Leben und Tod hin- und hergerissen sind. Menschen, denen es angesichts der Zustände vor ihren Augen (vor allem in den Ländern, in denen das Virus noch schlimmer wütet) das Herz zerreißt… Vielleicht hilft uns diese Märtyrerin bei der Bewältigung der Krisen-Situation – indem wir an alle die Zerrissenheiten bei den Menschen denken, die unter der Corona-Krise leiden und oft auch zugrunde zugehen drohen. Und vielleicht hilft uns Corona auch, die Zerrissenheiten in unserer eigenen, engsten Umgebung wie auch in unserem Land zu überwinden.